15.11.12

Versorger Vattenfall

Preisschock in Berlin - Strom wird 13 Prozent teurer

Energieversorger Vattenfall erhöht zum Jahreswechsel die Strompreise in Berlin wie nie zuvor. 1,6 Millionen Kunden sind betroffen.

Von Hans Evert
Foto: dpa

Vattenfall sorgt für einen Strompreis-Schock in Berlin
Vattenfall sorgt für einen Strompreis-Schock in Berlin

Berlins größter Stromversorger Vattenfall wird zum kommenden Jahr drastisch die Strompreise erhöhen. Die Preissteigerung wird den rund 1,6 Millionen Kunden in der Hauptstadt bis zum 19. November per Post zugehen. In den Schreiben wird ein Tarifsprung von rund 13 Prozent angekündigt. Die Erhöhung zum Jahresbeginn 2013 ist die höchste, die Vattenfall jemals in Deutschland verkündet hat.

Der schwedische Staatskonzern ist in den beiden größten deutschen Städten Berlin und Hamburg Grundversorger und muss deswegen mit sechs Wochen Vorlauf Preisänderungen mitteilen. Betroffen sind rund 1,6 Millionen Haushalte in der Bundeshauptstadt und etwa 750.000 in Hamburg. Gleichzeitig machte das Unternehmen deutlich, dass in den kommenden Jahren mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen sein wird. "Ich glaube nicht, dass die Strompreise aufgrund der Rahmenbedingungen sinken werden", sagte Vattenfall-Vertriebschef Rainer Wittenberg der Berliner Morgenpost.

Vattenfall gehört neben RWE, E.on und EnBW zu den vier größten deutschen Stromkonzernen. Hauptsitz der deutschen Tochtergesellschaft ist Berlin. Vattenfall folgt mit der Preisentscheidung zahlreichen Konkurrenten. Erst vor wenigen Tagen gab beispielsweise EnBW eine Preiserhöhung von rund zehn Prozent bekannt. Konkurrent RWE will ebenfalls die Preise erhöhen. Laut dem Vergleichsportal Verivox haben bislang rund 160 Versorger in Deutschland den Strom verteuert – den Angaben zufolge im Durchschnitt um elf Prozent.

Vattenfall gibt Öko-Umlage weiter

Verantwortlich für die Verteuerung ist in erster Linie die staatliche Förderung erneuerbarer Energie wie Sonne, Wind und Biomasse. Bereits vor einem Monat hatten die vier großen Stromnetzbetreiber in Deutschland – 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW – angekündigt, dass die Umlage nach dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) um fast 50 Prozent steigen werde. Diese Erhöhung geben die Stromversorger nun an die Verbraucher weiter.

So steigt zum Beispiel der Arbeitspreis im Grundversorgungstarif "Berlin Basis" von 24,33 Cent je Kilowattstunde auf 27,75 Cent. Da der monatliche Grundpreis gleich bleibt, ergibt sich eine Steigerung von etwa 12,8 Prozent. Legt man nur den Verbrauchspreis zugrunde, verteuertsich Strom sogar um 14,5 Prozent. Dem Unternehmen zufolge steigt die monatliche Belastung für einen Berliner Haushalt bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 2200 Kilowattstunden um rund 6,45 Euro. Liegt der Jahresverbrauch bei 3000 Kilowattstunden, ergibt sich eine monatliche Mehrbelastung von knapp neun Euro.

Vattenfall-Manager Wittenberg zufolge ist der Anstieg fast ausschließlich auf Steuern und Abgaben zurückzuführen. Von monatlich 6,45 Euro Mehrbelastung gingen 5,57 Euro für Steuern und Abgaben drauf: "Wir machen Inkasso für den Staat", sagte Wittenberg. In den vergangenen Jahren sei der politische Anteil am Strompreis in die Höhe geschnellt: bezogen auf Berlin von 3,95 Cent je Kilowattstunde im Jahr 1998 auf 15,37 ab dem Jahr 2013. Das entspricht einem Staatsanteil von mehr als 50 Prozent bei einem Arbeitspreis von rund 28 Cent je Kilowattstunde.

"Die Energiewende wird dafür sorgen, dass der staatlich veranlasste Preisbestandteil weiterhin der Preistreiber bleibt", sagte Wittenberg. Die Politik müsse "die kommenden Lasten der Energiewende fair verteilen". Die Zahl derjenigen, die ihre Stromrechnung nicht mehr begleichen können, steige bislang in Berlin aber noch nicht, sagte Wittenberg. Dennoch sehe man auch beim Vattenfall-Konzern einen "wachsenden Handlungsbedarf für eine Entlastung Einkommensschwacher".

Übermäßige Belastung

Verbraucherschützer und Sozialverbände weisen in diesen Tagen verstärkt darauf hin, dass beispielsweise einkommensschwache Berliner Mieter bei der Finanzierung der erneuerbaren Energien übermäßigbelastet werden. Mit ihrer Stromrechnung finanzieren sie beispielsweise die Photovoltaikanlagen von Hausbesitzern mit. Über eine Novelle des EEG wird derzeit politisch gestritten.

Unstrittig ist dagegen, dass die finanziellen Belastungen für die Verbraucher weiter steigen werden. Deutschland will bis 2020 aus der Atomenergie aussteigen. Und bis zum Jahr 2050 sollen sogar 80 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Schätzungen zufolge sind Investitionen von mehreren Hundert Milliarden Euro notwendig, um diese Ziele zu erreichen.

Anders als Vattenfall wird der Berliner Energieversorger Gasag die Preise ab 1. Januar leicht senken – im Durchschnitt um drei Prozent.

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