14.11.12

Stellenabbau

Ver.di fordert Offenlegung der Sparpläne bei Air Berlin

Air Berlin muss kräftig sparen. Unrentable Verbindungen wurden bereits gestrichen. Angeblich soll nun jeder zehnte Arbeitsplatz wegfallen.

Foto: dapd

Bei Air Berlin sollen Hunderte Jobs auf der Kippe stehen
Bei Air Berlin sollen Hunderte Jobs auf der Kippe stehen

Die Gewerkschaft Verdi hat die Fluggesellschaft Air Berlin aufgefordert, ihre Sparpläne sofort öffentlich zu machen. Die jüngsten Berichte über die angeblich geplante Streichung jedes zehnten Arbeitsplatzes seien "schockierend", sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Beschäftigten von Air Berlin seien stark verunsichert. Es könne nicht sein, dass die Mitarbeiter noch wochenlang im Unklaren blieben. Der Sender n-tv hatte am Dienstag berichtet, das Unternehmen wolle zehn Prozent der Stellen abbauen, das wären mehr als 900. Air Berlin bestätigte das nicht. Das Sparprogramm werde in den nächsten Wochen ausgearbeitet.

Mitte des Jahres beschäftige Deutschlands zweitgrößte Fluglinie knapp 9400 Leute. Air Berlin erklärte, das Management arbeite derzeit die Details seines Sparprogramms aus. "Ob dazu auch ein Stellenabbau gehört, kann zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt noch dementiert werden", sagte eine Sprecherin.

Ganz überraschend käme der Jobabbau nicht. Der Lufthansa-Konkurrent hatte Mitte Oktober angekündigt, das Tempo des Sparkurses zu verschärfen. Auf das laufende Kostensenkungs-Programm "Shape & Size" setzte Unternehmenschef Hartmut Mehdorn noch "Turbine 13" drauf, um wie geplant im kommenden Jahr schwarze Zahlen zu schreiben. Die Höhe der angestrebten Einsparungen oder mögliche Stellenstreichungen wurden offen gelassen. Die Bilanz für das dritte Quartal will die Airline am heutigen Donnerstag vorlegen.

Gewinnsprung im Sommerquartal

Die angeschlagene Fluggesellschaft erzielte unterdessen im wichtigen Sommerquartal dank eines verbesserten Finanzergebnisses einen deutlichen Gewinnsprung. Unter dem Strich verdiente der Lufthansa-Konkurrent im dritten Jahresviertel rund 67 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg jedoch lediglich um 4,5 Prozent auf 101 Millionen Euro, wie Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft überraschend am Mittwochabend mitteilte. Die Verluste aus dem ersten Halbjahr konnte Air Berlin damit nicht ausgleichen. Nun will sich das Unternehmen von der Mehrheit an seinem Vielfliegerprogramm trennen und so sein Jahresergebnis aufbessern.

Denn der anstehende Winter könnte Experten zufolge für Air Berlin besonders hart werden. Schwierig sei die Zeit für Air Berlin, da die Gesellschaft stark auf den Flughafen Tegel angewiesen ist, der bei gutem Wetter im Sommer aus allen Nähten platzt. Bei Frost und Schnee könnte der Flugverkehr dort durcheinanderkommen, was für Air Berlin teure Verspätungen und Ausfälle bedeuten könnte. Anleger reagierten verhalten auf den Bericht über den Stellenabbau: Die im Kleinwerteindex SDax notierte Aktie fiel leicht.

Die Airline hat in den vergangenen Monaten unrentable Flugverbindungen gestrichen, um die Auslastung ihrer Maschinen zu erhöhen und die Kosten zu senken. Mit dem laufenden Schrumpf- und Sparprogramm will Air Berlin bis Ende 2012 die Kosten um 230 Millionen Euro drücken. Die Fluggesellschaft hat zuletzt 2007 einen Nettogewinn eingeflogen.

Quelle: dpa/rtr/ap
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