14.11.12

Konjunktur-Ausblick

Europas Dauerkrise belastet deutsches Wachstum

An diesem Donnerstag erscheinen die Wachstumszahlen des dritten Quartals. Die Wirtschaft dürfte stagniert haben oder leicht gewachsen sein. Doch wie sieht es in den kommenden Monaten aus?

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Die Entwicklung der Euro-Krise stellt in den kommenden Monaten die größte Unsicherheit dar
Die Entwicklung der Euro-Krise stellt in den kommenden Monaten die größte Unsicherheit dar

An diesem Donnerstag wird das Statistische Bundesamt bekannt geben, wie sich die Konjunktur im dritten Quartal entwickelt hat. Experten rechnen damit, dass die Wirtschaft weitgehend stagniert hat oder dass sie sogar leicht gewachsen ist. Wie aber sieht es in den kommenden Monaten aus? Wir wagen einen Blick in die Kristallkugel – und der ist ernüchternd: Für die nächsten Monate überwiegen eindeutig die negativen Einflussfaktoren.

Konjunkturhelfer EZB

Die Einschätzung Mario Draghis über die Wirtschaftsaussichten Deutschlands klang wenig erfreulich. "Die Ausläufer der Krise haben nun auch die deutsche Konjunktur erreicht", orakelte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) unlängst vor Bankmanagern in Frankfurt. Auch nach der jüngsten Zinssitzung ließ der oberste Euro-Hüter wenig Zweifel daran, dass es konjunkturell in den kommenden Monaten in Europa düster aussehen wird. Viele Ökonomen sind sich daher sicher, dass der EZB-Rat angesichts begrenzter Inflationsgefahren die historisch niedrigen Leitzinsen von derzeit 0,75 Prozent noch einmal senken wird.

Genau darin liegt für die deutsche Wirtschaft aber auch ein Stück Hoffnung, wie etwa Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank meint: "Die für Deutschland viel zu niedrigen Leitzinsen dürften die Wirtschaft mittelfristig anfachen." Die außerordentlich günstigen Finanzierungskonditionen wirken wie ein zusätzlicher Treibstoff für die deutsche Wirtschaft. Auch das geplante neue EZB-Programm zum Kauf von Staatsanleihen (OMT) sollte in dieser Hinsicht beruhigend wirken. Die Angst vor einem Zerfall der Währungsunion hat seit der Ankündigung möglicher unlimitierter Staatsanleihenkäufe spürbar abgenommen.

Dauerbelastung Euro-Krise

Die Eurokrise stellt noch immer die größte Unbekannte dar. In den vergangenen zwei Jahren hat sich die deutsche Wirtschaft zwar trotz Rezessionsängsten in Europa und der Angst vor einem Zerfall der Währungsunion bemerkenswert gut gehalten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) fiel mit 0,3 Prozent im zweiten Quartal vergleichsweise mager aus, es lag damit aber immer noch über dem Durchschnitt der Prognosen.

Doch nach dem starken Sommer könnte Deutschland nun ein schwacher Herbst und ein noch schwächerer Winter drohen. Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Euro-Krise und der tiefe Abschwung in weiten Teilen Südeuropas belasten insbesondere die exportorientierten Unternehmen. Wirklich stabil kann es auch für Deutschland erst dann wieder aufwärts gehen, wenn die Euro-Krise gebannt ist. Danach aber sieht es auch für das kommende Jahr längst noch nicht aus.

Die Verbraucher - die Stütze der Konjunktur

Für Wachstum dürfte hingegen weiterhin die Kauflust der Verbraucher hierzulande sorgen. Der private Konsum wächst zwar nicht so stark, wie es die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und die höheren Löhne erwarten ließen, aber er nimmt zu. Im ersten Halbjahr gaben die Verbraucher inflationsbereinigt 1,2 Prozent mehr aus als im ersten Halbjahr 2011.

Ein Blick auf die Stimmung unter den Verbrauchern legt nah, dass es dabei auch in den kommenden Monaten bleiben könnte: Die von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung erhobene Kauflaune der Verbraucher ist aktuell so gut wie seit Jahren nicht mehr – trotz der Euro-Krise. Die Deutsche Bank rechnet denn auch damit, dass die Verbraucher in diesem und im kommenden Jahr rund ein Prozent mehr Geld ausgeben werden – und damit eine Stütze der schwach wachsenden Wirtschaft bleiben.

Jobs und Löhne sorgen für Vertrauen

Wichtigster Faktor für das Verhalten der privaten Konsumenten ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt – und der ist historisch stark. Allein in diesem Jahr stieg die Zahl der Erwerbstätigen hierzulande um 405.000 Menschen.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Wirtschaftlichen Entwicklung rechnet damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen 2013 sogar weiter zunimmt: Um 176.000 auf 41,7 Millionen Personen. Die Zahl der Arbeitslosen soll dagegen nur um 18.000 Personen auf knapp über 2,9 Millionen Personen steigen. Dank der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ziehen auch die Löhne deutlich an. Zudem sorgt die niedrige Inflation dafür, dass die Arbeitnehmer sich für ihre Gehälter mehr leisten können.

Schlechte Stimmung bei den Unternehmen

Geht es allein nach der Stimmung der Unternehmen, sieht es für Deutschland in den kommenden Monaten jedoch düster aus. Der Ifo-Index, der die Lageeinschätzung und die Erwartungen von rund 7000 Unternehmen abbildet, fiel im Oktober zum sechsten Mal in Folge.

Vor allem ihre aktuelle Lage schätzen die Unternehmen angesichts sinkender Auftragseingänge und reduzierter Kapazitätsauslastung schlecht ein. Viele melden bereits vorsorglich Kurzarbeit an - die aber nicht unbedingt in Anspruch genommen wird. Schuld daran ist vor allem die Unsicherheit über die Euro-Krise.

Hoffnung schöpfen einige Ökonomen allerdings daraus, dass diese Stimmungsindikatoren in der Regel nur einen recht geringen Vorlauf zur tatsächlichen Konjunkturentwicklung haben. Gut möglich also, dass die kommenden Monate ähnlich schlecht ausfallen, wie das die Umfragen suggerieren – und sich Stimmung und Lage im Frühjahr 2013 wieder aufhellen.

Der Außenhandelsverband ist jetzt schon optimistisch: "Für das nächste Jahr erwarten wir neue Rekordwerte im Export", sagt denn auch Anton Börner, BGA-Präsident. Bei ihren Investitionen sind die Unternehmen aber wegen der Euro-Krise dennoch zurückhaltend: Die Wirtschaftsweisen erwarten einen Rückgang in diesem Jahr von rund 3,3 Prozent. Auch 2013 sollen die Investitionen nur um 0,2 Prozent zulegen.

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