14.11.2012, 19:27

Nachrichtenseiten Springer-Chef wirbt für kostenpflichtiges Internet

Foto: Denis Doyle / Bloomberg

Mathias Döpfner fordert die Wettbewerber auf, gemeinsam mit dem Medienkonzern Nachrichtenseiten teilweise kostenpflichtig zu machen. Das Schicksal der Verlage hänge an erfolgreichen Bezahlmodellen.

Der Medienmanager Mathias Döpfner hat sich mit einem Appell an andere Verlage gewandt und eine breite Einführung bezahlter Nachrichtenseiten im Netz gefordert. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG (unter anderem "Bild", "Hörzu", "Welt") hängt das Schicksal der Verlage am Erfolg von Bezahlmodellen für heute noch kostenlose Informationsangebote, wie er dem "Manager Magazin" sagte.

Döpfner forderte andere Verlage auf, nicht länger alle Angebote im Internet kostenlos zur Verfügung zu stellen und gemeinsam mit Axel Springer kostenpflichtige Inhalte einzuführen. "Wenn es viele sind, dann haben alle eine große Chance", sagte Döpfner, der bereits die Einführung konkreter Bezahlschranken auf der Agenda hat.

"Bild" soll Mitte 2013 mit einem Bezahlmodell kommen

Das Unternehmen hatte angekündigt, dass bis zum Jahresende für die Online-Ausgabe der "Welt" Bezahlinhalte startklar sein sollen. Dann soll nur noch eine begrenzte Zahl von Klicks kostenlos sein. "Bild.de" soll Mitte 2013 mit einem eigenen Modell folgen. Derzeit arbeite Axel Springer "mit voller Kraft" an entsprechenden Ideen, sagte Zeitungsvorstand Jan Bayer.

"Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann ergänzte im "Manager Magazin": "Guter Journalismus muss etwas kosten, nur mit Anzeigen lässt er sich nicht finanzieren." Den Medienkonzern Axel Springer sieht er derzeit in der Rolle des Vorreiters. "Selbst für amerikanische Verhältnisse ist dies ein außergewöhnliches Experiment: Denn es zeigt, wie nachhaltig unser Wille ist, den Transformationsprozess zu beschleunigen." Diekmann hält sich derzeit für das Unternehmen im Silicon Valley auf.

Axel Springer erwirtschaftet 36 Prozent der Gewinne im Internet

Axel Springers Geschäfte im Internet boomen, im dritten Quartal dieses Jahres stiegen die Erlöse um 15,9 Prozent auf 281,1 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg das Vorsteuerergebnis (Ebitda) um 2,9 Prozent auf 459,3 Millionen. 36 Prozent davon wurden mit den digitalen Medien erwirtschaftet – Tendenz steigend. Springer betreibt aber nicht nur journalistische Angebote im Internet, sondern auch Immobilien- und Jobportale. Döpfner äußerte sich selbstkritisch zum Geschäft im Digitalen: "Das Wachstum unserer Digitalgeschäfte ist im Wesentlichen nur durch Zukäufe erreicht worden. Wirkliche Neuerungen, das muss man ganz nüchtern feststellen, hatten wir bisher nicht zu bieten."

(dapd/dma)
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