15.11.12

DIHK-Studie

Vier von zehn deutschen Firmen fehlen Nachfolger

Deutsche Firmen haben Probleme, einen Erben für ihren Betrieb zu finden. Und ihre Zahl wird laut DIHK noch steigen – die Debatte um die Erbschaftsteuer sei schuld daran.

Foto: Infografik Die Welt

Viele Senior-Unternehmer schieben die Nachfolgefrage vor sich her
Viele Senior-Unternehmer schieben die Nachfolgefrage vor sich her

Für Unternehmer in Deutschland wird es immer schwieriger, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Schon heute haben vier von zehn Firmen Schwierigkeiten bei der Suche. Dies zeigt der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2012, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Dies hat zum einen demografische Gründe, denn es fehlt zunehmend an potenziellen Existenzgründern, die für die Übernahme eines Betriebes die nötige Qualifikation mitbringen.

Zum anderen fürchtet die Wirtschaft eine Erhöhung der Erbschaftsteuer. "Die Diskussion um die Erbschaftsteuer sorgt für erhebliche Verunsicherung im Mittelstand", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelkammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann. "Sollte es zu Verschärfungen kommen, wären rund 18.000 Unternehmen mit bis zu 100.000 Arbeitsplätzen gefährdet – und das Jahr für Jahr", warnte er.

Steuerliche Bevorzugung unter Beschuss

Grund für die Befürchtungen sind laut Bericht "die Diskussionen der Oppositionsparteien, die Verschonung des Betriebsvermögens ganz oder teilweise zurückzunehmen, wenn es zum Erbschaftsfall kommt." Bei einer weiteren Verschärfung sehen derzeit rund ein Viertel der Senior-Unternehmer (26 Prozent) und Existenzgründer (24 Prozent) die Unternehmensnachfolge gefährdet. Im Vorjahr waren es deutlich weniger.

SPD und Grüne wollen die Erbschaftsteuer für Betriebe erhöhen. Derzeit ist es möglich, ein Unternehmen steuerfrei zu vererben, wenn bestimmte Auflagen erfüllt sind. So muss der Nachfolger das Unternehmen sieben Jahre lang weiterführen und darf in dieser Zeit die Lohnsumme nicht verringern.

Die steuerliche Bevorzugung von Betriebsvermögen im Erbschaftsfall steht allerdings nicht nur politisch unter Beschuss. Auch Juristen halten sie für problematisch. Da eine Klage beim Bundesverfassungsgericht anhängig ist, gelten Steuerbescheide nur noch vorläufig.

Finanzierung oft das größte Problem

Aber auch ohne "das Damoklesschwert der Erbschaftsteuer" werde die Nachfolge zu einer immer größeren Herausforderung für den Mittelstand, sagte Driftmann. In den nächstem fünf Jahren steht laut DIHK in bis zu 110.000 Unternehmen die Nachfolge an. Gleichzeitig gebe es immer weniger Existenzgründer, die einen Betrieb übernehmen wollten.

Das größte Problem für potenzielle Nachfolger ist dem DIHK-Report zufolge die Finanzierung: 56 Prozent der Existenzgründer haben Schwierigkeiten, die Betriebsübernahme finanziell zu stemmen. Ein steigender Anteil verfügt über nur wenig Eigenkapital und kann kaum Sicherheiten bieten.

Zudem hat sich der Zugang zu Bankkrediten laut DIHK in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Auf der anderen Seite ist es für Gründer leichter geworden, Bürgschaften zu bekommen oder ein Darlehen von dem Senior-Unternehmer, der seinen Nachfolger damit unterstützen will.

Verbesserungen mahnt der DIHK bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen für privates Beteiligungskapital an. So seien internationale Investoren derzeit verunsichert, weil die Besteuerung von Beteiligungsgewinnen nicht eindeutig geregelt sei.

Senioren schieben Nachfolgefrage auf

Probleme bei der Unternehmensnachfolge ergeben sich auch deshalb, weil die meisten Senior-Unternehmer dieses Thema auf die lange Bank schieben, beobachtet man bei den Industrie- und Handelskammern (IHK). Fast jeder zweite Unternehmer bereitet sich nicht rechtzeitig auf die Übergabe vor.

Nach IHK-Schätzungen vergehen bis zu einer erfolgreichen Nachfolge bis zu drei Jahre. Oft gestaltet sich der Wechsel schwierig, weil viele Senior-Unternehmer den Wert ihres Betriebes zu hoch einschätzen: Bei 41 Prozent werden die Verhandlungen durch zu hohe Preisvorstellungen erschwert.

Die Unternehmen beklagen jedoch auch, dass potenzielle Gründer immer häufiger nicht die notwendigen Qualifikationen mitbringen, um einen Betrieb zu führen. Fast jeder Zweite unterschätze die Anforderungen, heißt es in dem Report. "Bedenklich stimmt, dass dieser Anteil über die letzten vier Jahre stets gewachsen ist."

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