13.11.12

Medien

Die "Frankfurter Rundschau" stellt Insolvenzantrag

Einer der traditionsreichsten Zeitungen in Deutschland droht das Aus. Für die Frankfurter Rundschau ist der Insolvenzantrag gestellt worden.

Die "Frankfurter Rundschau" ("FR") war einst eine Institution auf dem Medienmarkt, links, liberal, kritisch und investigativ. In den vergangenen Jahren machte sie Millionenverluste – nun droht das Aus: Für die "Frankfurter Rundschau" ist am Dienstag Insolvenzantrag gestellt worden. Das bestätigte das Amtsgericht Frankfurt am Main. Den Antrag reichte das Druck- und Verlagshaus ein, in dem die Zeitung erscheint.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist den Angaben zufolge der Frankfurter Rechtsanwalt Frank Schmitt eingesetzt worden. Dessen Kanzlei wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Auch die Geschäftsführung der Zeitung wollte zunächst noch keine Stellungnahme abgeben.

Folgen für Berliner Zeitung unklar

Näheres sollten die Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung am Nachmittag erfahren. Diese war bereits am Vortag ohne Angabe von Gründen angekündigt worden. Zeitgleich findet im Berliner Verlag eine Mitarbeiterversammlung statt. "Die Folgen für die 'Berliner Zeitung' sind noch nicht abzuschätzen", sagte der amtierende Betriebsratsvorsitzende Alfred Hase.

Das Druck- und Verlagshaus in Frankfurt gehört überwiegend der Kölner Mediengruppe DuMont Schauberg, zudem sind auch die Medienbeteiligungsgesellschaft DDVG der SPD sowie die Karl-Gerold-Stiftung beteiligt. Die "Frankfurter Rundschau" gilt schon seit geraumer Zeit als Verlustbringer.

Die Zeitung hat bereits drastisch Personal abgebaut, der Mantelteil wird überwiegend von einer Redaktionsgemeinschaft des Mutterverlags in Berlin erstellt und ist zu einem Großteil identisch mit dem der "Berliner Zeitung". In Frankfurt sind jedoch noch zahlreiche Redakteure nicht nur des Regional- und Lokalteils tätig.

Die "FR" hatte 2001 noch eine Auflage von 190.000, geriet dann aber in die Krise. Im Jahr 2004 übernahm die DDVG 90 Prozent der Anteile am "Druck- und Verlagshaus Frankfurt a. Main GmbH" und bewahrte damit die "Frankfurter Rundschau" (FR) vor der Pleite. 2006 stieg MDS ein und übernahm mit 50 Prozent plus einem Anteil die Mehrheit.

Bei MDS erscheinen auch "Kölner Stadt-Anzeiger", "Kölnische Rundschau", "Berliner Zeitung" und "Mitteldeutsche Zeitung" sowie die Boulevardzeitungen "Express", "Hamburger Morgenpost" und "Berliner Kurier" mit einer täglichen Auflage von gut einer Million.

Umstellung auf Tabloid-Format

MDS stellte die "Frankfurter Rundschau" 2007 auf das Tabloid-Format um und stabilisierte die Auflage bei 150.000. Die "FR" machte aber weiter Verluste. Seit 2011 wurde deshalb der Mantel von der MDS-Redaktionsgemeinschaft in Berlin produziert, zusammen mit dem Mantel der "Berliner Zeitung".

Zuletzt hatte die "FR" mit Arnd Festerling wieder einen eigenen Chefredakteur. Damit sollte sie auf ihrem lokalen Markt gestärkt werden. Zugleich gab es Überlegungen, sie zumindest in Norddeutschland komplett von einer Papier- auf eine Digitalzeitung umzustellen. Die Millionenverluste beschleunigten sich aber auch im laufenden Jahr.

DJV fordert Perspektive für Redakteure der "FR"

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die Mediengruppe auf, auf Kündigungen redaktioneller Mitarbeiter weitgehend zu verzichten. "Die Journalistinnen und Journalisten der 'FR' brauchen eine berufliche Perspektive", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Er rief die Geschäftsführung dazu auf, den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen Medien der Gruppe anzubieten.

"Die Insolvenz der Rundschau ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement", sagte Konken weiter. "Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben."

Gerüchte über eine bevorstehende Einstellung der Printausgabe und eine Beschränkung der Zeitung auf die Digitalausgabe waren in den letzten Wochen mehrfach dementiert worden.

Quelle: dapd/dpa/mim
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