13.11.12

Energieversorger

E.on ist trotz Milliardengewinnen pessimistisch

Der Energiekonzern hat die Belastungen des Atomausstiegs und der überteuerten Gasbezugsverträge abgeschrieben – und verdient wieder Milliarden. Doch die Gewinnprognose für 2013 ist auf dem Prüfstand.

Foto: dapd

E.on-Chef Johannes Teyssen kommt mit dem Sparprogramm voran
E.on-Chef Johannes Teyssen kommt mit dem Sparprogramm voran

Deutschlands größter Energiekonzern E.on dämpft die Erwartungen für 2013. Die bisherigen Ziele für das nächste Jahr seien wegen erheblicher wirtschaftlicher Unsicherheiten voraussichtlich nicht erreichbar, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit. Die Prognose für 2013 und die Aussagen für 2015 werden deshalb auf den Prüfstand gestellt. Nach der Gewinnwarnung verlor die E.on-Aktie zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent.

Ein Grund für die schlechten Aussichten sind offenbar die Auswirkungen der Energiewende in Deutschland: Weil Ökostrom mit gesetzlichem Privileg vorrangig eingespeist werden muss, sinkt die Betriebsstundenzahl der Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke der E.on offenbar nahe an die Grenze der Wirtschaftlichkeit, wenn nicht sogar darunter. Es werde deutlich, "dass wir insbesondere im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen stehen", sagte E.on-Chef Johannes Teyssen.

E.on prüft Schließung von Standorten

Vor harten Gegenmaßnahmen schreckt der Konzern nicht zurück. "Wir optimieren daher weiter unser konventionelles Kraftwerksportfolio und prüfen auch die Schließung von Standorten", erklärte Teyssen: "Bei Anlagen, die für die Stabilität der Stromversorgung wichtig sind, suchen wir mit Netzbetreibern und Behörden Übergangslösungen."

Die Bundesnetzagentur hat bereits Gespräche mit E.on und anderen Kraftwerksbetreibern in Süddeutschland aufgenommen, weil die Versorgungssicheit dort im kommenden Winter gefährdet ist. Nach der Abschaltung von Atomkraftwerken im vergangenen Jahr fehlen Erzeugungskapazitäten. Die Stromlücke könnte sich noch vergrößern, wenn die Kraftwerksbetreiber jetzt auch noch all diejenigen Kraftwerke abschalten, die wegen des Ökostrom-Vorrangs unwirtschaftlich geworden sind.

Ziele für das laufende Jahr werden erreicht

An den Zielen für das laufende Jahr hält E.on dagegen fest. Demnach soll das Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in diesem Jahr zwischen 10,4 und 11 Milliarden Euro (2011: 9,3 Mrd Euro) liegen. Im vergangenen Jahr betrug der operative Gewinn noch 9,3 Milliarden Euro. Der bereinigte Überschuss werde jetzt 4,1 und 4,5 Milliarden Euro liegen – nach 2,5 Milliarden Euro im Vorjahr.

Bisherige Prognosen für die kommenden Jahre

Für 2013 hatte der Energiekonzern bislang einen Ebitda-Gewinn zwischen 11,6 und 12,3 Milliarden Euro angepeilt. Beim bereinigten Überschuss war ein Wert zwischen 3,2 und 3,7 Milliarden Euro anvisiert worden. Zudem wollten die Düsseldorfer bislang für das Geschäftsjahr 2013 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie zahlen. Für 2015 war E.on bisher von einem Vorsteuergewinn zwischen 12,5 und 13 Milliarden Euro ausgegangen.

Im ersten Halbjahr hatte sich der Überschuss auf mehr als drei Milliarden Euro verdreifacht. Der Umsatz war um 23 Prozent auf 65,4 Milliarden Euro gestiegen. Dabei hatte der Versorger mit einem Ergebniseffekt von 1,2 Milliarden Euro durch verbesserte Konditionen für den Gasbezug vom russischen Staatskonzern Gazprom und anderen Lieferanten profitiert.

E.on kommt mit Sparprogramm voran

Bei seinem massiven Sparprogramm sah sich E.on zuletzt auf dem richtigen Weg. "Wir liegen gut im Plan", hatte Personalvorstand Regine Stachelhaus jüngst dem "Handelsblatt" gesagt. Der erste Meilenstein sei ein Tarifvertrag gewesen, der Vorruhestandsregelungen, Abfindungen und die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft vorsieht.

E.on hatte vor dem Hintergrund des deutschen Atomausstiegs 2011 tiefe Einschnitte angekündigt. Weltweit fallen im Rahmen des Sparprogramms 11.000 der rund 80.000 Stellen weg, darunter 6000 in Deutschland. Schwerpunkt ist die Verwaltung. Wie viele Stellen bereits abgebaut sind, sagte Stachelhaus in dem Interview nicht.

Miese Bilanz im Vorjahr wegen AKW-Abschaltungen

Im vergangenen Jahr hatten die beschlossene Energiewende in Deutschland mit der sofortigen Stilllegung von zwei E.on-Atommeilern, der Brennelementesteuer und das schlechte Gasgeschäft die Jahresbilanz von E.on komplett verhagelt. Unter dem Strich verzeichnete der Versorger erstmals einen Verlust in der Firmengeschichte.

Quelle: dpa/dgw
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