12.11.12

Korruptionsverdacht

Koch wieder als "brutalstmöglicher Aufklärer" gefragt

Die Behörden ermitteln gegen den Baukonzern Bilfinger wegen Korruptionsverdacht. Das von Roland Koch geführte Unternehmen verspricht Aufklärung. Bilfinger ist kein Einzelfall in Sachen Korruption.

Foto: picture alliance / dpa

Bilfinger-Chef Roland Koch hat einiges zu erklären
Bilfinger-Chef Roland Koch hat einiges zu erklären

Die Politik hat Hessens früherer CDU-Ministerpräsident Roland Koch zwar schon vor zwei Jahren verlassen. Doch in seiner neuen Tätigkeit als Chef des Baukonzerns Bilfinger wird er noch einmal von der Vergangenheit eingeholt.

Gut zwölf Jahre nachdem Koch die "brutalstmögliche Aufklärung" eines CDU-Spendenskandals in Hessen versprochen hatte, muss er nun mit Korruptionsvorwürfen gegen Bilfinger klarkommen. Die Behörden ermitteln wegen des Korruptionsverdachts – und der Konzern erklärte, voll zu kooperieren.

Korruption kann sehr teuer werden

Es handelt sich um schwere Vorwürfe. Korruption kann ein Unternehmen schnell teuer zu stehen kommen. Vor allem die Ermittlungen der Behörden gegen die Münchner Unternehmen Siemens und MAN haben gezeigt, dass mitunter Milliardenbeträge für interne Aufklärung und Strafzahlungen anfallen können, sollte es zu Korruptionsfällen kommen. Auch deswegen investierten viele Unternehmen in den vergangenen Jahren massiv in Anti-Korruptionseinheiten. Bestechung ausländischer Beamter ist in Deutschland seit 1999 strafbar.

Vorwürfe fallen in die Zeit vor Kochs Antritt

Die Schmiergeldvorwürfe fallen in die Zeit vor dem Amtsantritt von Koch. Bei den Ermittlungen geht es um mehrere Bauprojekt in Ungarn sowie der Slowakei in den Jahren zwischen 2006 und 2007. Zu dieser Zeit gehörte Bilfinger unter anderem einem Baukonsortium an, das eine Autobahn zwischen der Hauptstadt Budapest und Pécs errichtete. Partner im Konsortium waren auch das österreichische Unternehmen Porr sowie der französische Autobahnbetreiber Egis.

Den Anfangsverdacht haben die Behörden nach Informationen der Berliner Morgenpost von Insidern aus dem Unternehmen erhalten. Demnach steht ein Passauer Tochterunternehmen von Bilfinger im Verdacht, die Bestechung ausländischer Beamter veranlasst zu haben. Die Beträge, die geflossen sein sollen, liegen zwischen 20.000 Euro sowie 2,2 Millionen Euro, heißt es. Die Behörden versuchen nun, den Verdacht zu erhärten.

Durchsuchungen in Wien und Mannheim

Dem österreichischen Blatt "Die Presse" zufolge durchsuchten Ermittler bereits im Oktober Büros der österreichischen Konzerntochter in Wien, die Konzernzentrale in Mannheim sowie Filialen in Ungarn und der Slowakei. Mehrere Niederlassungsleiter sollen zudem beurlaubt worden sein – ein Sachverhalt den Bilfinger so nicht bestätigte. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft im bayerischen Landshut.

Bilfinger unterstützt die Staatsanwaltschaft

Bilfinger hingegen erklärte, dass gegen das Unternehmen wegen Vorgängen in den Jahren 2006 und 2007 ermittelt wird. Das Unternehmen unterstütze die Ermittlungen und kooperiere mit der Staatsanwaltschaft voll. "Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir zu dem Sachverhalt keine weiteren Angaben machen können", hieß es allerdings weiter.

Ermittlungen gegen weitere Firmen wegen Korruption

Bilfinger ist nicht das einzige Unternehmen mit Unternehmenssitz in Deutschland, das mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert wird. In der vergangenen Woche hatten Polizisten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Niederlassungen des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS sowie von Lobbyisten durchsucht. Es wird vermutet, dass EADS mit Schmiergeldern den Verkauf von 15 Kampfjets des Typs Eurofighter an Österreich eingefädelt haben soll. Auch EADS hatte ankündigt, mit den Behörden zu kooperieren.

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