09.11.12

Industrieminister

Frankreich hofft auf "Wirtschaftspatriotismus"

Die französische Wirtschaft steckt in der Krise, die Zentralbank prophezeit ihr den Sturz in die Rezession. Der Industrieminister hofft auf den Erfolg einer Messe mit Produkten "Made in France".

Foto: Reuters

Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg auf der Messe „Made in France“
Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg auf der Messe "Made in France"

Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg setzt bei der Bekämpfung der Krise auf den "Wirtschaftspatriotismus" seiner Landsleute. "Die Franzosen sind bereit, ein kleines bisschen mehr zu zahlen, wenn ein Produkt in Frankreich hergestellt wurde", sagte Montebourg in Paris bei der Eröffnung einer Wirtschaftsmesse nur mit Produkten "Made in France", der ersten ihrer Art. Zugleich kritisierte er in China hergestellte Kleidung als "Wegwerfkonsum" und stellte dem "französische Qualität und französisches Know-how" entgegen.

Wirtschaft vor Rezession

Die französische Wirtschaft leidet schwer unter der europaweiten Krise, aber auch unter der eigenen Wettbewerbsschwäche. Seit dem vierten Quartal 2011 verzeichnet sie kein Wachstum mehr. Nach Einschätzung der nationalen Zentralbank könnte sie zum Jahresende sogar in eine leichte Rezession rutschen.

Laut ihrer Prognose dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2012 um 0,1 Prozent niedriger ausfallen als im Vorquartal. Bereits für das dritte Quartal hatte die Zentralbank einen Rückgang des BIP um 0,1 Prozent berechnet. Ökonomen sprechen nach zwei Quartalen in Folge von Rezession.

Auch Arbeitslosigkeit steigt

Es war das erste Mal, dass Frankreichs Wirtschaft schrumpfte, seitdem es das Land im Frühjahr 2009 aus der Rezession geschafft hatte. Die Zahlen müssen noch vom Statistikamt Insee bestätigt werden. Die Statistiker gehen bislang davon aus, dass es im dritten und vierten Quartal 2012 ein Nullwachstum geben wird.

Für das gesamte Jahr rechnet Insee mit einem mageren Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent. Auch die Arbeitslosigkeit wächst seit knapp eineinhalb Jahren stetig und überschritt im Sommer die symbolisch wichtige Drei-Millionen-Marke.

Einsatz für heimische Wirtschaft

Montebourg hatte sich erst kürzlich mit persönlichem Einsatz für die heimische Wirtschaft stark gemacht: Für die Titelseite eines Magazins ließ er sich im gestreiften Matrosenpullover, mit einem Moulinex-Mixer in der Hand und einer Uhr der Luxusmarke Michel Herbelin am Handgelenk vor einer Frankreichflagge ablichten.

Quelle: AFP/cat
Quelle: dapd
28.09.2012 1:39 min.
Frankreich hat seinen Haushalt für 2013 vorgestellt. Der Entwurf sieht Einsparungen von mehr als 30 Milliarden Euro vor. Für Einkommen ab einer Million Euro gilt ein Steuersatz von 75 Prozent.
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Warum Frankreich unter Druck steht
  • WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

    In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, fand das World Economic Forum bei seinem weltweiteren Standortvergleich heraus. Zum Vergleich: Deutschland belegt Rang sechs. Auch die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der „Grande Nation“. Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.

  • INDUSTRIE

    Während die deutsche Industrie in Deutschland eine Renaissance erlebt, befindet sie sich beim Nachbarn auf dem Rückzug. Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei, in Deutschland dagegen mehr als doppelt so viel (26,2 Prozent). Ein Grund dafür sind die Arbeitskosten: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro, in Frankreich dagegen 34,20 Euro, fand das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft heraus.

  • MINI-WACHSTUM

    Entsprechend düster sind die Konjunkturaussichten: Lediglich ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent traut der Internationale Währungsfonds der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu. 2013 sollen es mit 0,4 Prozent nur unwesentlich mehr sein. Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr um 0,9 Prozent wachsen. Entsprechend düster sieht es auch am Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei 10,8 Prozent – in Deutschland ist die nach internationalen Standards berechnete Quote nicht einmal halb so hoch.

  • SCHULDEN

    Dem Staat sind wegen der hohen Verschuldung die Hände gebunden – er muss sparen: Während Deutschland kaum noch neue Schulden macht, dürfte das Defizit in Frankreich sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr über der in den EU-Verträgen verankerten Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes bleiben. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2013 auf 92,5 Prozent der Wirtschaftsleistung wachsen. Erlaubt sind eigentlich 60 Prozent. Zwischen 1992 und 2007 lag er im Schnitt noch bei 57,7 Prozent.

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