10.11.12

Verbrauch

Deutscher Wassergeiz wird für Städte zum Problem

Die größten Wasserverschwender der Nation sind die Westfalen, dagegen sind die Sachsen am sparsamsten. Dass die Deutschen immer geiziger mit ihrem Trinkwasser umgehen, hat jedoch negative Folgen.

Foto: dapd

Eine Besucherin eines Freibads in Trier kühlt sich ab. 119 Liter Wasser pro Tag verbraucht ein Einwohner von Rheinland-Pfalz
Eine Besucherin eines Freibads in Trier kühlt sich ab. 119 Liter Wasser pro Tag verbraucht ein Einwohner von Rheinland-Pfalz

Mehr als zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung ist die viel beschworene Mauer in den Köpfen schon Vergangenheit, doch beim Wasserverbrauch gibt es noch immer große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen: Wie das statistische Bundesamt mitteilte, gaben die Wasserversorgungsunternehmen in den westdeutschen Bundesländern pro Tag im Schnitt 126 Liter je Einwohner ab. In Ostdeutschland dagegen lag der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Mensch nur bei 93 Litern.

Preisschock nach der Wende

Mit unterschiedlicher Lust auf Körperhygiene hat dies allerdings nichts zu tun, stattdessen scheint tatsächlich die sensible Phase der Nachwendezeit noch nachzuwirken: Beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) erklärt man den Unterschied mit dem "gefühlten Preisschock" der Ostdeutschen nach der Wiedervereinigung.

Zu DDR-Zeiten hätte der Staat seinen Bürgern Wasser und Strom nahezu gratis zur Verfügung gestellt, heißt es, entsprechend sei man mehr oder minder sorglos mit den Ressourcen umgegangen.

Als nach der Wende die Preise für Wasser anstiegen, habe dies bei vielen Ostdeutschen zu einem Sparreflex geführt – der offenbar bis heute noch anhält. Laut VKU ist der Wasserverbrauch pro Kopf in Berlin etwa noch heute im Ost- und Westteil der Stadt sehr unterschiedlich.

Sachsen sind am sparsamsten

Auch deutschlandweit ist die Lust auf kühles Nass aus dem Wasserhahn tatsächlich sehr unterschiedlich stark ausgeprägt: Die Nordrhein-Westfalen sind mit einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 135 Liter pro Kopf und Tag die größten Wasserverschwender des Landes, gefolgt von den Hamburgern und von Schleswig-Holstein (beide 134 Liter pro Einwohner).

Mit 51 Litern weniger Wasser als der Tabellenerste kommen hingegen die Sachsen pro Tag aus (84 Liter), auch in Thüringen (89) und Sachsen-Anhalt (91) ist man im nationalen Vergleich sehr sparsam.

In Großstädten wird Sparwut zum Problem

Insgesamt aber ist der Sparwille der Deutschen dabei ungebremst: Über alle Bundesländer hinweg ging der Wasserverbrauch weiter zurück. Im Jahr 2010 lag der durschnittliche Verbrauch pro Einwohner bei 121 Litern pro Tag. Das war ein Liter weniger als im Jahr 2007. Im Jahr 1991 wurden pro Einwohner sogar noch 23 Liter mehr Wasser abgegeben.

Tatsächlich sind gerade die Deutschen oft sehr bemüht, sparsam mit Trinkwasser umzugehen: Wassersparende Toilettenspülungen etwa gehören bei der Wohnungseinrichtung inzwischen vielfach zum Standard, auch bei Spül- und Waschmaschinen wird von den Verbrauchern oft nicht zuletzt aus Preisbewusstsein peinlich genau auf den Wasserverbrauch geachtet.

In manchen Großstädten jedoch wird diese Sparsamkeit der Bürger inzwischen sogar zum Problem: Das Berliner Wasser- und Abwassernetz etwa muss regelmäßig durchgespült werden, weil sich der Gesamtverbrauch seit dem Jahr 1990 faktisch halbiert hat.

Rohre müssen gespült werden

Gerade im Sommer jagen die Wasserbetriebe regelmäßig viele Kubikmeter Wasser durch die Rohre und Abwasserkanäle, um so zu vermeiden, dass kostbares Trinkwasser verkeimt oder Abwasser fault. Insgesamt flossen im Jahr 2010 fast 3,6 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser an Haushalte und Kleingewerbe.

An die öffentliche Trinkwasserversorgung war im Jahr 2010 nahezu die gesamte Bevölkerung (99,3 Prozent) angeschlossen. Bei der öffentlichen Abwasserkanalisation dagegen war dies nicht der Fall: Während in den westdeutschen Flächenländern 97,6 Prozent der Bevölkerung an die Kanalisation angebunden waren, lag der Anteil im Osten nur bei 90 Prozent.

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