09.11.12

Autobauer Eterniti

Artemis ist der Luxus-Super-SUV aus Porsche-Teilen

Ein neuer Autobauer aus Großbritannien kauft Porsche Cayennes, zerlegt sie und baut daraus den eigenen Luxusgeländewagen "Artemis", Preis: 313.000 Euro. Wer hinter der Firma steckt, ist ein Geheimnis.

Von Tina Kaiser

„Von der Seite betrachtet, sieht der Artemis ein wenig aus, als hätte ein Designer mit einem Mega-Holzhammer auf einen Porsche Cayenne gehauen und anschließend die Reifen zu dick aufgepumpt“, urteilte Auto-Bild über die Mischung aus Luxuslimousine und SUV aus dem Hause Eterniti.
"Von der Seite betrachtet, sieht der Artemis ein wenig aus, als hätte ein Designer mit einem Mega-Holzhammer auf einen Porsche Cayenne gehauen und anschließend die Reifen zu dick aufgepumpt", urteilte Auto-Bild über die Mischung aus Luxuslimousine und SUV aus dem Hause Eterniti.

Es ist schwer zu sagen, was windiger ist: der Standort oder die Firma selbst. Den ersten Showroom von Großbritanniens neuem Luxusautobauer Eterniti Motors hätte man neben Ferrari, McLaren und Lamborghini in Londons noblen Stadtteilen Knightsbridge oder Kensington erwartet. Offenbar reichte dafür das Geld aber nicht.

Stattdessen eröffnete der Luxusautobauer seinen weltweit ersten Ausstellungsraum ausgerechnet in einem zugigen Gewerbegebiet im Nordwesten der Stadt. Die Wegbeschreibung auf der Einladung führt die Gäste von der nächstgelegenen U-Bahn-Station 15 Minuten zu Fuß entlang einer spärlich beleuchteten Schnellstraße.

Neues Auto aus zerlegten Porsches

Wer auf dem Weg nicht erstochen wurde, landete in Unit 16 des Park Royal Gewerbeparks. In der mit Kerzen und weißen Kacheln aufgehübschten Lagerhalle steht er: der neue Luxusgeländewagen Artemis. "Super-SUV" nennt Eterniti Motors das bullige Fahrzeug, da es eine Mischung aus Luxuslimousine und SUV sein soll.

Im April wurde der Artemis erstmals auf der Fachmesse Auto China in Peking präsentiert. Damals urteilte "Autobild": "Von der Seite betrachtet, sieht der Artemis ein wenig aus, als hätte ein Designer mit einem Mega-Holzhammer auf einen Porsche Cayenne gehauen und anschließend die Reifen zu dick aufgepumpt."

Diese Beschreibung trifft es ganz gut. "Londons einziger Autobauer" (Eigenwerbung) baut nämlich eigentlich gar keine Autos. Das Unternehmen kauft stattdessen Porsche Cayennes, zerlegt sie komplett, motzt den Motor auf und setzt eine neue Karosserie auf das Fahrgestell.

Eterniti gibt sich ganz geheim

Das Ganze geschieht in Handarbeit, wenige Meter vom Londoner Showroom entfernt. Mit Porsche hat Eterniti dafür wohlgemerkt keinen Vertrag. Die Firma muss die Cayennes wie jeder andere Kunde beim Händler kaufen. Bleibt zu hoffen, das Eterniti dafür wenigstens einen Mengenrabatt ausgehandelt hat.

Wie zur Firma selbst gibt es zu diesen Details nur dürftige Antworten. Eterniti Motors mag es nebulös. Mark Carbery, laut seiner Visitenkarte "Head of Brand and Communications", zuckt entschuldigend die Achseln. "Ich würde Ihnen echt gern mehr sagen, aber ich weiß auch nicht, wem die Firma gehört." Ihm sei lediglich mitgeteilt worden, es handele sich um vier reiche Personen, die aus Großbritannien, China und Taipeh stammen. Die Investoren zögen es aber vor, anonym zu bleiben.

Wie viel sie für die Unternehmensgründung investiert haben oder wann die Firma die Gewinnschwelle erreichen soll, sei ebenfalls geheim. Mehr könnte vermutlich Verwaltungsratschef Neil Sampson wissen, der als einziger die vier Investoren persönlich kenne. Er ist der Mittelsmann zwischen Unternehmen und Besitzern. Sprechen darf man mit Sampson leider nicht. Kommunikationschef Carbery kann lediglich über ihn berichten, dass Sampson Anwalt sei und bislang nicht in der Autobranche gearbeitet habe. "Ich schwöre, mehr weiß ich auch nicht über ihn."

Selbst Mitarbeiter wissen nichts Genaues

Dafür weiß Cabery aber, dass in der Firma bislang 15 Mitarbeiter arbeiten. Das ist umso interessanter, weil Vertriebsmanager Marcus Kenny der Meinung ist, es seien 30 Mitarbeiter. Ähnliche Unstimmigkeiten gibt es auch bei anderen Fakten an diesem Abend. So erklärt ein Manager, der Bau eines Autos dauere dreieinhalb Monate, einen Stehtisch weiter behauptet sein Kollege, es seien doch eher sechs Monate.

Etwas vertrauenserweckender wirkt immerhin Chefingenieur Alastair Macqueen. Der hutzelige, grauhaarige Brite hat jahrzehntelange Erfahrung im britischen Motorrennsport. Anfang der 90er-Jahre war Macqueen beispielsweise an der Entwicklung des Jaguar XJ220 beteiligt, der damals als das schnellste Auto der Welt galt. Ebenso kreierte er lange Jahre für die Autobauer Bentley und Jaguar ihre Fahrzeuge für das 24-Stundenrennen von Le Mans. Zur Entwicklung des Artemis durfte er sich den ehemaligen, britischen Formel-Eins-Fahrer Johnny Herbert als Testpiloten zur Seite holen.

Macqueen erklärt, er sei sehr zufrieden mit der Leistung des Artemis. Mit 629 PS und einer Beschleunigung von null auf 100 Stundenkilometer in 4,5 Sekunden sei er der schnellste SUV auf dem Markt. "Unsere Zielgruppe sind vor allem junge, reiche Asiaten, Araber und Russen", sagt Macqueen. Bei den Superreichen in diesen Regionen seien große, luxuriöse Limousinen sehr gefragt, die viel Platz im hinteren Bereich hätten, um sich von seinem Chauffeur herumkutschieren zu lassen.

Der Artemis kostet 313.000 Euro

Die neue, junge Generation der Wohlhabenden wolle aber nicht mit den gleichen Rolls Royce, Mercedes oder Bentley herumfahren wie ihre Väter. "Die möchten einen luxuriösen und gleichzeitig sportlichen Wagen." Der Artemis sei ein Zwitter, da er Fahrspaß beim Selberlenken biete, aber gleichzeitig auch viel Raum auf der Rückbank habe.

Der Preis soll bei 210.000 Pfund plus Steuern liegt. In Deutschland wären das zum Beispiel 313.565 Euro Endpreis. Im Preis inbegriffen sei die vollkommen individuelle Gestaltung des Fahrzeugs. "Unseren Kunden ist es wichtig, ein einzigartiges Auto zu besitzen, das niemand anders hat. Besonders nicht der Nachbar", sagt Macqueen.

In der Grundausstattung ist der iPad-Halter inklusive

Als Standard bietet Eterniti unter anderem einen iPad-Halter, einen Getränkekühler mit Kristallgläsern, handgesteppte Bodenmatten, Lammwolleteppiche und ein Panoramadach. Einige Sonderwünsche würden dann aber doch extra kosten, sagt Macqueen. So habe einer der ersten Kunden einen Fensterrahmen aus Diamanten bestellt. "Ich nehme an, das Auto ist ein Geschenk für eine Frau."

Bislang würden fünf Bestellungen vorliegen, allesamt aus China. Die Käufer sollen ihre Autos Anfang 2013 ausgeliefert bekommen. Insgesamt wolle der Autobauer 100 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht.

Foto: Porsche

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