09.11.12

OECD-Vergleich

Deutschland verliert Status als Wirtschaftsmacht

Die OECD hat sich an eine äußerst langfristige Prognose gewagt: Deutschland wird im Jahr 2060 wirtschaftlich eine eher unbedeutende Rolle spielen – und sogar von Mexiko und Indonesien überholt werden.

Foto: dpa

Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao (2.v.l.) auf der Hannover Messe. Schon in wenigen Jahren wird China die stärkste Wirtschaftskraft der Welt sein
Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao (2.v.l.) auf der Hannover Messe. Schon in wenigen Jahren wird China die stärkste Wirtschaftskraft der Welt sein

Deutschland wird in den kommenden 50 Jahren seinen Platz als fünfstärkste Wirtschaftsmacht verlieren und weltweit auf Platz zehn zurückfallen. Das sagte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Ausblick bis 2060 voraus.

Die OECD zielt hierbei auf das sogenannte Bruttoinlandsprodukt nach Kaufkraftparität. Vor Deutschland liegen derzeit Japan, Indien, China und die USA.

Generell würden "jüngere" Staaten wie Brasilien die europäischen Länder und Japan, die eine überalterte Bevölkerung haben, beim Wachstum überholen.

Auch an der Spitze dürfte es spätestens 2016 einen Wechsel geben, wenn China die USA als Volkswirtschaft Nummer eins ablösen könnte. Zusammen mit Indien werde China schon in gut zehn Jahren ein größeres Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften als die sieben stärksten Industriestaaten zusammen (G 7). Bis 2060 soll der Anteil beider Länder am weltweiten Bruttoinlandsprodukt von zusammen 24 Prozent im Jahr 2011 auf dann 46 Prozent steigen.

Die Industriestaatengruppe OECD unterstellt in ihrer Projektion ein jährliches Wachstum der Weltwirtschaft um rund drei Prozent. Dabei dürften Schwellenländer aber deutlich stärker zulegen als die etablierten Industriestaaten.

Verschiebung in Richtung Niedriglohnländer

Die Verschiebung in Richtung Niedriglohnländer werde dort dazu beitragen, die Lebensstandards zu verbessern. "So dürfte sich etwa das Pro-Kopf-Einkommen in den ärmsten Ländern bis 2060 vervierfachen", erklärte die OECD.

In China und Indien könnte es dann sogar auf das Siebenfache steigen. "In einem halben Jahrhundert wird die Kluft zwischen den Lebensverhältnissen in aufstrebenden und hoch entwickelten Nationen weniger ausgeprägt sein als heute." Allerdings dürften zwischen einzelnen Ländern klare Unterschiede bleiben.

Gleichzeitig prognostiziert die Organisation für die 34 OECD-Länder ein Absinken des Anteils an der industriellen Produktion von 65 auf 43 Prozent. Im Schnitt rechnet die Studie mit einem weltweiten Wachstum von jährlich drei Prozent.

Die größten Volkswirtschaften der Welt

Ranking:

 

Das sind laut OECD

die größten Volkswirtschaften

der Welt, gemessen am

 Bruttoinlandsprodukt

nach Kaufkraftparität

Im Jahr 2011:

1. USA (Anteil am weltweiten BIP: 22,7 Prozent)

2. China (Anteil am weltweiten BIP: 17 Prozent)

3. Japan (Anteil am weltweiten BIP: 6,7 Prozent)

4. Indien (Anteil am weltweiten BIP: 6,6 Prozent)

5. Deutschland (Anteil am weltweiten BIP: 4,8 Prozent)

6. Russland (Anteil am weltweiten BIP: 3,6 Prozent)

7. Großbritannien (Anteil am weltweiten BIP: 3,5 Prozent)

8. Brasilien (Anteil am weltweiten BIP: 3,5 Prozent)

9. Frankreich (Anteil am weltweiten BIP: 3,3 Prozent)

10. Italien (Anteil am weltweiten BIP: 2,8 Prozent)

Im Jahr 2060:

1. China (Anteil am weltweiten BIP: 27,8 Prozent)

2. Indien (Anteil am weltweiten BIP: 18,2 Prozent)

3. USA (Anteil am weltweiten BIP: 16,3 Prozent)

4. Brasilien (Anteil am weltweiten BIP: 3,3 Prozent)

5. Japan (Anteil am weltweiten BIP: 3,2 Prozent)

6. Indonesien (Anteil am weltweiten BIP: 3,0 Prozent)

7. Mexiko (Anteil am weltweiten BIP: 2,7 Prozent)

8. Großbritannien (Anteil am weltweiten BIP: 2,4 Prozent)

9. Russland (Anteil am weltweiten BIP: 2,3 Prozent)

10. Deutschland (Anteil am weltweiten BIP: 2,0 Prozent)

Veränderungen des Anteils am weltweiten BIP zwischen 2011 und 2060:

China: 63 Prozent

Indien: 176 Prozent

USA: -28 Prozent

Brasilien: -4 Prozent

Japan: -52 Prozent

Indonesien: 79 Prozent

Mexiko: 7 Prozent

Großbritannien: -31 Prozent

Russland: -35 Prozent

Deutschland: -58 Prozent

Quelle: dapd/Reuters/dpa/woz
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