09.11.12

EU-Studie

Angst vor Krise lässt Deutsche schlecht schlafen

Der Stress in Schule, Uni oder Job raubt jungen Deutschen den Schlaf. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen im Alter von 14 bis 29 leiden unter massiven Schlafstörungen. Italiener sind da anders.

Foto: pa

Übermüdet wegen der vielen Sorgen? Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) legt nahe, dass Stress die Ursache für die zunehmende Müdigkeit vieler Menschen ist
Übermüdet wegen der vielen Sorgen? Eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) legt nahe, dass Stress die Ursache für die zunehmende Müdigkeit vieler Menschen ist

Übermüdete Schüler in den Klassen, vor sich hin dösende Studenten, erschöpfte Berufsanfänger: Keine ungewöhnlichen Bilder. Doch diese Müdigkeit hat womöglich andere Gründe als nächtliche Partys, endlose Pistengänge oder ausufernde Pokerabende.

Eine Europa-weite Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag der Zurich Versicherung legt nahe, dass junge Menschen in Europa vor lauter Sorgen, Stress und Zukunftsangst nicht in den Schlaf kommen und nachts unruhig wach liegen. Das Institut befragte für die Studie 500 junge Menschen in jedem der acht europäischen Länder in der Zeit vom 5. bis zum 10. September.

Südländer sind gelassener

57 Prozent aller befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren in Deutschland haben demnach Schlafstörungen, weil sie dem Druck auf der Arbeit oder in der Schule nicht gewachsen sind. Vor allem in Deutschland und der Schweiz nehmen die jungen Leute ihren Alltags-Stress mit ins Bett.

In den anderen Ländern, in denen junge Leute befragt wurden, sieht es viel besser aus, obwohl die wirtschaftliche Situation dort zum Teil viel schlechter ist: Italien, Österreich, Portugal, Russland, Spanien und Großbritannien.

Italiener schlafen besser

Insbesondere die Italiener scheinen diesbezüglich deutlich gelassener zu sein: nur 17 Prozent rauben Sorgen am Arbeitsplatz und in der Schule den Schlaf. Zwar verbringt man auch weiter südlich schlaflose Nächte, in Spanien (64 Prozent) und Portugal (50 Prozent) beeinträchtigt aber vor allem die aktuelle Eurokrise den gesunden Schlaf der Befragten.

Swetlana Immel, Pressesprecherin der Zurich Versicherung in Bonn, vermutete gegenüber der Berliner Morgenpost, dass die "besondere Lebensmentalität" der Südländer ausschlaggebend sei für deren Entspanntheit, wohingegen die Deutschen sich "bewusster und ernster" mit den Dingen auseinandersetzten.

Die Familie ist der Sicherheitsanker

Als wichtigster Ruhepol und Sicherheitsanker dient für neun von zehn Deutschen (87 Prozent) die Familie; im europäischen Durchschnitt sagen dies 85 Prozent und damit ähnlich viele. An zweitwichtigster Position folgt für die Deutschen ihr Freundeskreis. 63 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen ihre Freunde ein Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Weniger Sicherheit strahlt dagegen für die Deutschen ihr Arbeitsplatz aus: Für nur 25 Prozent der Befragten gibt er ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Das wiederum ist vor allem in Spanien deutlich anders, wo die Euro-Krise besonders hart zuschlägt: Fast jeder zweite Spanier (44 Prozent) gab an, sein persönliches Gefühl von Sicherheit hauptsächlich über seine Arbeitsstelle zu beziehen.

Kein Vertrauen in die Politik

Der Politik wird allgemein wenig zugetraut: Nur jeder fünfte Schweizer gab an, dass die eidgenössischen Politiker ihnen eine Art von Sicherheitsgefühl geben würde – damit markieren die Alpenländer aber schon die Spitze des Politikervertrauens. Überall anders regiert die Politikverdrossenheit: Nur neun Prozent der Deutschen fühlen sich so regiert, dass sie sich sicher fühlen. Im europäischen Schnitt sind es nur acht Prozent, in Spanien, Portugal und Italien gar nur drei.

Die Deutschen haben der Umfrage zufolge mehr Angst vor Einsamkeit als die Österreicher, aber weniger als die Schweizer vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Wichtiger als der Job ist den jungen Bundesbürgern der Frieden. Krankheiten und der Verlust einer geliebten Person bezeichnen sie als ihre größten Risiken, sie sorgen sich aber weniger als der europäische Durchschnitt um die Zukunft ihrer Kinder und Familien.

Religion vermittelt mehr Sicherheit als die Polizei

Die jungen Europäer, so zeigt ein anderes Ergebnis der Studie, finden mehr Halt in ihrer Religion. Im Schnitt gaben 15 Prozent der Befragten an (in Deutschland sogar 20 Prozent), in ihrer Religion Sicherheit zu finden – immerhin doppelt so viel, wie gemäß der Befragung die deutsche Polizei zu vermitteln in der Lage ist.

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