08.11.12

Geldinstitute

Commerzbank-Strategie fällt bei Investoren durch

Martin Blessing, Chef der Commerzbank, hat vor Investoren die neue Marschroute erläutert. Doch Sparkurs und Wachstumsstory glaubwürdig zu verbinden, ist ein fast unmöglicher Spagat.

Foto: dpa

Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärt die Strategie der Bank
Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärt die Strategie der Bank

Martin Blessing versuchte es mit einem lockeren Auftakt. Für alle, die wie er selbst wegen der nächtlichen Wahl des US-Präsidenten diese Woche noch ein Schlafdefizit hätten, sei das frühe Aufstehen an diesem Tag wohl hart gewesen. Doch die Körpersprache des Commerzbank-Chefs passte nicht zu dem flotten Spruch, unruhig bewegte er Kopf und Oberkörper, angespannt wirkte sein Gesicht.

Und schon die Überleitung zu den Inhalten des Investorentages geriet alles andere als entspannt. "Hart ist ein gutes Wort zum Einstieg, denn die letzten vier Jahre waren auch hart für unsere Kunden, unsere Investoren und unsere Mitarbeiter", sagte der Manager. "Und die nächsten vier Jahre werden ebenfalls hart werden, aber spannend."

Commerzbank will Kosten um 15 Prozent drücken

Damit war schnell klar, dass das kein Tag für Späße sein würde. Bis zum Jahr 2016 will die Commerzbank ihre Kosten um zwölf bis 15 Prozent oder rund eine Milliarde Euro senken. Das ist nötig, um die Gesamtkosten von gut sieben Milliarden Euro in dieser Zeit trotz Investitionen konstant zu halten. Ohne Sparmaßnahmen würden sie auf acht Milliarden Euro steigen.

Dieser Sparkurs werde Arbeitsplätze kosten, bestätigte Blessing. Zu genauen Zahlen will er sich nicht äußern, solange die Gespräche mit dem Betriebsrat nicht abgeschlossen sind. Sollten auch 15 Prozent des Personals zur Disposition stehen, käme man rechnerisch auf mehr als 8000 wegfallende Stellen – Zahlen, die Blessing nicht kommentierte. Schon im Rahmen der Integration der Dresdner Bank hatte die Commerzbank ab 2009 rund 9000 Arbeitsplätze gestrichen.

Bank hat Ziele ihrer Roadmap verfehlt

Aus jener Zeit stammt auch die bisherige Strategie der Bank, Roadmap genannt. Aus heutiger Sicht wirkt sie wie reines Wunschdenken. Vom Ziel, in diesem Jahr operativ vier Milliarden Euro zu verdienen, ist sie meilenweit entfernt. Nach neun Monaten stehen nur 1,25 Milliarden Euro zu Buche. Es muss weiter gespart werden.

Dennoch gaben sich die Commerzbank-Vorstände alle Mühe, die neue Marschroute nicht als reinen Kurs voller Blut, Schweiß und Tränen erscheinen zu lassen. Einen Großteil der Roadmap-Ziele habe man ja schließlich erreicht, betonte Blessing. Als Schmuckstück eignet sich allerdings allein die Mittelstandssparte: Sie verdiente in den ersten neun Monaten des Jahres im Alleingang 1,3 Milliarden Euro.

Privatenkundengeschäft läuft nicht gut

Umso bescheidener läuft es im Geschäft mit Privatkunden. Magere 41 Millionen Euro verdiente die Sparte im dritten Vierteljahr, kaum mehr als im äußerst mauen Vorquartal. Das raue Marktumfeld ließ die Erträge wegbrechen, zumal die Commerzbank zu stark vom Wertpapierappetit der Kunden abhängig ist, wie Spartenvorstand Martin Zielke zugab. Es wird nun erwartet, dass diese Sparte einen großen Teil der Einsparungen stemmen muss, auch wenn sich die Bank dazu nicht äußert.

Blessing versucht Wachstumsstory zu entwerfen

"Aber Schrumpfen allein ist nicht die richtige Antwort", sagte Blessing. Er und Zielke versuchten stattdessen, eine Wachstumsstory zu entwerfen. Von den zwei Milliarden Euro, die die Commerzbank in den nächsten vier Jahren in ihr Geschäft investieren will, soll die Privatkundensparte die Hälfte bekommen. Die Zahl der derzeit 1200 Filialen werde weitgehend stabil bleiben.

Bis 2016 soll die Zahl der Privatkunden von elf auf zwölf Millionen steigen. Möglich machen soll diese eine Metamorphose zur Multikanalbank, "die mehr ist als eine Filialbank mit Onlineanschluss", wie es Zielke formulierte. Im Klartext heißt das: Die Commerzbank nimmt erst einmal Geld in die Hand, um die als veraltet geltende Plattform für das Onlinebanking aufzumöbeln.

Eine Folge: 2013 werden keine schwarzen Zahlen für die Sparte erwartet. Dazu soll es neue Produkte geben, etwa ein kostenloses Girokonto mit "Zufriedenheitsgarantie". An derlei Neuerungen hat man hehre Erwartungen: Der Anteil der Bevölkerung, für den diese Bank infrage kommt, soll von zehn auf 25 Prozent emporschnellen.

Investoren teilen Blessings Optimismus nicht

Solchen Optimismus teilen die Investoren offenbar nicht. Der Aktienkurs sackte um mehr als fünf Prozent ab, die Commerzbank war größter Verlierer im Dax. "Mit einem Wort: enttäuschend", kommentierte Analyst Thomas Stögner von der Bank Macquarie die Pläne.

Die Bank werde beispielsweise noch länger als gedacht mit ihren Altlasten zu kämpfen haben. Für 2012 und 2013 stellt die Bankführung ihren Aktionären keine Dividende in Aussicht, und für die endgültige Rückzahlung der Staatshilfen nennt Blessing lieber keinen Termin.

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