08.11.2012, 12:09

Jürgen Fitschen Deutsche Bank bemängelt Distanz zur Realwirtschaft

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Mahnende Worte vom Co-Chef der Deutschen Bank: Laut Jürgen Fitschen hat die Branche den Kontakt zur Realwirtschaft teilweise verloren. Nun gibt es strenge Vorgaben für die eigenen Mitarbeiter.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Jürgen Fitschen hat seine Branche aufgefordert, nicht nach dem maximalen Gewinn zu streben. "Das Streben nach Gewinn darf nicht dazu führen, dass die Interessen anderer verletzt sind", sagte Fitschen auf einer Tagung der Wochenzeitung "Die Zeit".

Die Banken müssten eine "Brücke schlagen zwischen Gewinnerzielung und gesellschaftlicher Akzeptanz". Fitschen beklagte, es sei zu einer Distanz zwischen Banken und Realwirtschaft gekommen.

Der Manager machte klar, dass sein eigenes Haus bereits nach entsprechenden Regeln arbeite. "Kurzfristiges Gewinnmaximieren kann keinen Platz haben", habe er bei einer Führungskräftetagung als neue Leitlinie ausgegeben, sagte Fitschen.

Als Teil dieser neuen Haltung erwartet die Deutsche Bank nach seinen Worten jetzt von den eigenen Managern, "dass sie fünf Jahre auf die Auszahlung" bestimmter Boni verzichten. Außerdem werde die Deutsche Bank in Zukunft bei umstrittenen Geschäften wie Agrarspekulationen öfter Nein sagen müssen.

Forderung nach Bankenunion

Fitschen sprach sich zudem für eine baldige europäische Bankenunion ausgesprochen. "Das muss kommen, damit Europa auf der Basis eines stabilen Bankensektors weiter zusammenwächst", sagte Fitschen.

Die Regeln dafür müssten nicht über Nacht kommen, aber insgesamt werde Europa durch eine Bankenunion "fitter". Mit einer Bankenunion will die EU eine gemeinsame Aufsicht über die Institute einrichten und einen Fonds zur Abwicklung strauchelnder Banken auflegen. Hinter der Idee steckt, die Überwachung der Institute zu vereinheitlichen und zu verbessern.

(dapd/lw)
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