08.11.12

Bilanz

US-Mobilfunkgeschäft wird für Telekom zum Milliardengrab

Die Deutsche Telekom ist durch Abschreibungen auf das US-Geschäft im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht.

Foto: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann

Wegen massiver Wertberichtigungen bei der Tochter T-Mobile USA musste Deutschlands größter Telekommunikationskonzern, die Telekom, im dritten Quartal 2012 einen Konzernverlust von 6,9 Milliarden Euro ausweisen, wie er am Donnerstag mitteilte.

Der Hintergrund: Im Zuge der geplanten Fusion von T-Mobile USA mit dem Konkurrenten MetroPCS musste die Telekom den Buchwert ihrer Tochter um 7,4 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Es ist nicht das erste Mal, dass die US-Tochter dem Konzern die Bilanz verdirbt. Bereits 2002 hatte der Konzern Abschreibungen in Höhe von 18 Milliarden Euro auf das Amerika-Geschäft vornehmen müssen.

492.000 Vertragskunden in den USA verloren

Die Telekom bekommt den Exodus lukrativer Vertragskunden bei der Mobilfunktochter T-Mobile USA nicht in den Griff. Im dritten Quartal kehrten dem Unternehmen in Amerika 492.000 Vertragskunden den Rücken – seit Jahresanfang waren es damit 1,56 Millionen, wie die Telekom mitteilte.

Der Verlust ist besonders schmerzlich, da diese Kunden üblicherweise mehr Geld für das Telefonieren ausgeben als Prepaid-Kunden. Einer der Gründe für den Abwanderung ist das iPhone. T-Mobile USA ist der einzige der vier landesweiten US-Mobilfunkkonzerne, der den Handy-Bestseller von Apple nicht im Angebot hat.

Mitte September stellte Apple die neueste Version seines Smartphones vor. Viele Kunden hatten den Kauf eines neuen Telefons deshalb aufgeschoben und gewartet, bis das iPhone 5 erhältlich ist. Der Telekom dürften damit im vierten Quartal weitere Vertragskunden abhandenkommen, erwarten Experten.

Konzernchef René Obermann verteidigte dennoch den geplanten Zusammenschluss. "Wer jetzt nur auf das tiefrote Konzernergebnis schaut, übersieht, dass unser operatives Geschäft voll auf Kurs ist", sagte der Manager. Der Konzern habe im vollen Bewusstsein der buchhalterischen Konsequenzen eine zukunftsweisende Entscheidung für sein US-Geschäft getroffen.

Obermann betonte, der jetzt festgelegte Buchwert spiegele nicht das gestiegene Potenzial der neuen Gesellschaft wieder. "Wir schaffen durch die Vereinbarung mit MetroPCS ein größeres und schlagkräftigeres Unternehmen in den USA, das mittel- und langfristig deutliche reale Wertsteigerungen verspricht." Für die Telekom bedeute der Schritt, "weniger Wert in den Büchern – aber mehr Kraft für das Unternehmen".

Operatives Geschäft stabil

Trotz der Milliardenabschreibungen sieht sich die Telekom im operativen Geschäft auf gutem Kurs. Der Konzernumsatz lag im dritten Quartal mit 14,7 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau. Das gleiche gelte auf vergleichbarer Basis für das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis, betonte der Konzern.

In Deutschland verzeichnete der Konzern spürbare Kundengewinne für sein internetbasiertes Fernsehangebot Entertain und für schnelle VDSL-Internetanschlüsse. Auch die Zahl der Mobilfunkkunden stieg. Im klassischen Festnetz-Geschäft musste das Unternehmen dagegen weitere Anschlussverluste hinnehmen.

Das Europageschäft des Konzerns litt nicht nur unter der Konjunkturkrise, sondern auch unter regulatorischen Eingriffen und Sondersteuern in mehreren Ländern. Doch sieht Obermann hier "allmählich die Talsohle" erreicht.

Ausdrücklich bestätigte der Konzern die Ergebniserwartung für das Gesamtjahr – ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 18 Milliarden Euro. Obermann bekräftigte auch noch einmal die Dividendenprognose von 0,70 Euro.

Die Börse ließ der bereits erwartete Milliardenverlust der Telekom kalt. Der Kurs der im DAX notierten Telekom-Aktie lag am Mittwochvormittag auf dem Niveau des Vortages.

Quelle: dapd/rtr/sei
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