07.11.12

Streit in der Türkei

Ver.di wirft Deutscher Post Kündigungen vor

In der Türkei verloren 24 Angestellte der Posttochter DHL ihren Job. Ver.di kritisiert, sie seien gekündigt worden, weil sie eine Arbeitnehmervertretung gründen wollten. DHL spricht von Einzelfällen.

Foto: dapd

Harte Vorwürfe: DHL soll in der Türkei Mitarbeiter unter Druck gesetzt und schließlich entlassen haben, als diese eine Arbeitnehmervertretung gründen wollten
Harte Vorwürfe: DHL soll in der Türkei Mitarbeiter unter Druck gesetzt und schließlich entlassen haben, als diese eine Arbeitnehmervertretung gründen wollten

Der Konflikt schwelt schon seit einigen Monaten, doch erst jetzt sorgt er auch in Deutschland für Aufmerksamkeit: Die Deutsche Post hat wegen des Umgangs mit Mitarbeitern in der Türkei Ärger mit der internationalen Transportgewerkschaft Uni Global und der Gewerkschaft Ver.di in Deutschland.

Konkret geht es um die Entlassung von 24 Beschäftigten bei der Tochterfirma DHL in Istanbul. Nach Angaben der Gewerkschaften wollten diese Mitarbeiter in dem Betrieb eine Arbeitnehmervertretung gründen und sich bei der türkischen Auto- und Transportarbeitergewerkschaft Tümtis organisieren. Das Management der Post spricht dagegen davon, dass die betroffenen Arbeiter den Job wegen mangelnder Leistungen verloren hätten.

Ex-DHL-Mitarbeiter protestieren seit Monaten

Zugetragen hat sich dies alles vor mehreren Monaten, seither versammeln sich die ehemaligen DHL-Arbeiter vor den Werkstoren in einem Industriegebiet der Stadt und werden von Gewerkschaftern unterstützt. Am vergangenen Wochenende reisten nun Funktionäre von Ver.di aus Berlin nach Istanbul, um sich einen eigenen Eindruck der Lage zu verschaffen.

"Wir können das Verhalten der Post absolut nicht tolerieren. Der Konzern muss das Recht gewerkschaftlicher Arbeit auch in der Türkei akzeptieren und die Mitarbeiter wieder einstellen", sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Ver.di-Bundesvorsitzende, der Berliner Morgenpost. Diese Art der "kalten Kündigungen" werde Ver.di auch bei Auslandstöchtern der Post nicht akzeptieren.

Deutsche Post nennt die Kündigungen Einzelfälle

Die Post selbst nennt die Kündigungen Einzelfälle. "Unsere Grundsätze sind in allen Ländern gleich: Unsere Mitarbeiter haben das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren", sagte eine Konzernsprecherin der Berliner Morgenpost. Da in diesem Fall auch offene Gerichtsverfahren betroffen seien, mache die Post keine Aussage dazu.

DHL bewege sich in der Türkei im Rahmen der geltenden Gesetze. "Sollte sich herausstellen, dass die Sachlage eine andere ist, werden wir reagieren", sagte die Sprecherin. Die Konzerntochter DHL beschäftigt in der Türkei allein in der hier betroffenen Warenlagerlogistik mehr als 1300 eigene Beschäftigte sowie 1000 Leiharbeiter.

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte Europas für den Konzern, internationale Handelsketten wie Ikea gehören zu den Kunden. Bisher gibt es nach Aussage der Post in keiner der türkischen DHL-Landesgesellschaften eine gewerkschaftliche Vertretung der Mitarbeiter.

UPS musste 163 Entlassungen zurücknehmen

Ähnlich war vor zwei Jahren der amerikanische Paketdienst United Parcel Service in Istanbul in die Schlagzeilen geraten – und ist Monate später wieder zurückgerudert. Alle 163 zuvor entlassenen Mitarbeiter erhielten ihre Jobs zurück, das Management von UPS ließ die Bildung einer gewerkschaftlichen Vertretung zu und handelte neue Löhne und Arbeitsbedingungen aus.

Was sich in der Türkei bislang zugetragen haben soll, das wird in einem Gutachten des US-Professors John Logan von der San Francisco State University aufgelistet, das im Auftrag der Uni Global erstellt wurde: Danach hat das türkische Management von DHL seine Mitarbeiter zunächst eingeschüchtert und mit Repressalien gedroht.

Ihnen sei gesagt worden, DHL könne sich in der Türkei keine gewerkschaftliche Organisation erlauben, weil dann Großkunden ihre Aufträge kündigen würden. In einem nächsten Schritt erhielten bislang 24 Beschäftigte die Kündigung. Als offizielle Begründung wurde von DHL mangelnde Arbeitsleistung angeführt. In acht der Fälle konnten sich die Betroffenen vor Gericht erfolgreich dagegen wehren, sie bekamen Abfindungszahlungen.

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