07.11.12

Medikamente

Warum man Pillen nur mit Wasser schlucken sollte

Wer Tabletten, Kapseln oder Tropfen schlucken muss, sollte bei der Einnahme nicht zu Kaffee, Saft oder Milch greifen. Und das sind nicht die einzigen Fallstricke über die Patienten stolpern können.

Foto: pa

Viele Patienten wissen nicht, dass Fruchtsäfte, aber auch Kaffee oder Milch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen kann
Viele Patienten wissen nicht, dass Fruchtsäfte, aber auch Kaffee oder Milch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen kann

"Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Diesen Satz kennt jeder, der ab und zu den Fernseher einschaltet oder Anzeigen liest. Denn er ist für herkömmliche Arzneimittelwerbung vorgeschrieben. Eigentlich müsste er um die Worte "...und zur richtigen Einnahme" ergänzt werden.

Denn wie Tabletten, Kapseln, Tropfen und Co. korrekt geschluckt werden, lässt sich nicht allgemein sagen. "Pauschal gilt nur: Halten Sie sich an die Packungsbeilage", sagt Maik Pommer vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Ein paar grundsätzliche Tipps lassen sich aber dennoch geben.

Tabletten, Pillen, Kapseln: Sie werden am besten mit Wasser geschluckt. "Fruchtsäfte enthalten viele sekundäre Pflanzenstoffe wie Vitamine, Kalzium, Eisen oder Magnesium. Die können mit dem Medikamentenwirkstoff reagieren", erklärt Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Grapefruitsaft macht viele Arzneimittel unwirksam

Auch Kaffee könne durch seine Gerbstoffe die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Gleiches gelte für das Kalzium in der Milch. Besonders schlecht ist Grapefruitsaft. Er verändere viele Medikamente bis zur Unwirksamkeit.

Eine weitere Regel lautet: Tabletten dürfen geteilt werden, wenn auf der Packung eine Bruchrille abgebildet ist und die Tabletten selbst solche Rillen aufweisen, so Fink. "Es gibt aber auch Tabletten, auf denen Rillen fehlen und die trotzdem zerteilt werden dürfen", ergänzt Stephan Bernhardt, Hausarzt in Berlin.

Wer allerdings die falschen Pillen teilt, riskiert unerwünschte Wirkungen. Denn manche Tabletten sind mit einer Schutzschicht überzogen, die sie resistent gegen Magensäfte macht. Sie sorgt dafür, dass der Wirkstoff erst im Dünndarm freigesetzt wird, erklärt Fink. Wird der Überzug verletzt, gelangt der Wirkstoff früher in den Körper – mit möglicherweise unerwünschten Folgen.

Tabletten mit Retard-Wirkung nicht teilen

Andere Tabletten haben eine sogenannte Retard-Wirkung, erklärt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) auf seinem Portal Gesundheitsinformation.de. Sie geben den Wirkstoff erst nach und nach ab.

Das habe den Vorteil, dass häufig nur eine Tablette pro Tag geschluckt werden muss. "Wer solche Tabletten teilt, zerstört diese Funktion", warnt Fink. Das Medikament wirkt dann unter Umständen sehr schnell und stark. "Kein Patient sollte Tabletten auf eigene Faust teilen", sagt Pommer daher.

Tropfen: Wer Tropfen verschrieben bekommen hat, sollte sich beim Zählen konzentrieren. "Jeder Tropfen entspricht einer bestimmten Wirkstoffmenge", erklärt Bernhardt. Das habe den Vorteil, dass sich das Medikament gut auf den einzelnen Menschen einstellen lässt.

Bei den meisten Arzneien sei es nicht schlimm, wenn man aus Versehen einen oder zwei Tropfen mehr schluckt. "Eine doppelte Dosis kann aber gefährlich werden", warnt der Hausarzt.

Bei Notfallmedikamenten zählt jeder Tropfen

Aber manchmal zählt jeder Tropfen – etwa bei Notfallmedikamenten. "Fragen Sie Ihren Arzt, ob es schlimm ist, wenn Sie zu viele Tropfen von dem Medikament nehmen", rät Fink. Haben sich die Tropfen eingetrübt, werden sie besser entsorgt. Das gilt auch, wenn sich ein Bodensatz gebildet hat.

Augentropfen und -salben sollten nach dem Öffnen für maximal vier bis sechs Wochen benutzt werden, sonst können sich Keime bilden. "Nehmen Sie die Tropfen keinen Tag länger. Das Risiko ist einfach zu groß."

Nasentropfen und -sprays: Müssen Patienten etwas für die Nase nehmen, sollten sie die Pipette oder das Spray zusammengedrückt aus der Nase nehmen, rät das IQWiG. Andernfalls könne es passieren, dass die Arznei mit Nasensekret verunreinigt wird.

Wirkstoffpflaster: Pflaster haben den Vorteil, dass das Medikament nach und nach dem Körper zugeführt wird. Bevor ein neues aufgeklebt wird, sollte das alte entfernt werden, erläutert das IQWiG. Außerdem ist es wichtig, es nicht immer auf dieselbe Stelle zu kleben.

Einnahme von Medikamenten wird oft vergessen

Regelmäßige Einnahme: Einer der häufigsten Fehler ist, dass Patienten vergessen, ihre Medikamente zu nehmen. Das kann daran liegen, dass sie zum Beispiel bei der Arbeit nicht daran denken. Manchen hilft es, sich von ihrem Handy an die Tabletten erinnern zu lassen.

Vor allem für Menschen, die mehrere Pillen über den Tag verteilt nehmen müssen, können Wochen- und Tagesbehälter sinnvoll sein. Sie sehen dann auf einen Blick, wenn sie etwas vergessen haben.

Außerdem kann es dem IQWiG zufolge helfen, regelmäßig mit dem Hausarzt über die Medikamente zu sprechen. Für viele Menschen sei es wichtig, dass eine andere Person sie an die Anwendung erinnert und sie dazu motiviert.

Mit dem Arzt lässt sich auch besprechen, ob die Einnahme vereinfacht werden kann. "Zeigen Sie dem Hausarzt eine Liste Ihrer Medikamente und fragen Sie, ob Sie alle zum gleichen Zeitpunkt nehmen dürfen", rät Bernhardt. Das fällt vielen Menschen leichter.

Quelle: dpa
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