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"Aldisierung"

Billig und spaßfrei – Wenn Deutsche Essen kaufen

Deutsche Verbraucher geben inzwischen weniger als 15 Prozent ihre Einkommens für Nahrungsmittel aus. Die Bürger decken der Studie zufolge ihren täglichen Bedarf vor allem bei den preisaggressiven Discountern wie Aldi und Lidl. Das ist zwar billig, verdirbt aber auch den Spaß beim Einkauf.

Kunden kaufen in einem Münchener Supermarkt ein: Deutsche achten dabei vor allem auf den Preis
Foto: DDP
Kunden kaufen in einem Münchener Supermarkt ein: Deutsche achten dabei vor allem auf den Preis

Geiz ist in Deutschland wieder geil. Zumindest wenn es um Lebensmittel geht. Zwar achtet der deutsche Verbraucher auch auf die Qualität von Fleisch, Gemüse oder Milchprodukten. Aber für fast zwei Drittel der Bundesbürger muss möglichst billig sein, was auf den Tisch kommt. Das zeigt die aktuelle Studie "So is(s)t Deutschland", die der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestlé zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen Allensbach und der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) erstellt hat.
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Die deutschen Konsumenten geben im Durchschnitt gerade noch 14,4 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus - so wenig wie sonst kaum eine Nation in Europa. Zum Vergleich: In Frankreich und Italien sind es 20 bis 30 Prozent mehr.

Kaum verwunderlich also, dass es die Deutschen beim Einkauf derzeit vornehmlich in die preisaggressiven Discounter zieht. Laut der Studie, für die 2724 Verbraucher befragt wurden, decken vier von fünf Bundesbürgern ihren täglichen Bedarf bei Aldi, Lidl, Plus und Co. Bei Supermärkten wie Edeka und Rewe dagegen kaufen nur noch knapp zwei Drittel der Befragten ein, in große Verbrauchermärkte wie Real oder Kaufland gehen sogar nur gut die Hälfte der Befragten.

Branchenkenner sprechen daher bereits von der "Aldisierung" der Gesellschaft. "Discounter sind heute Nahversorger, die jeder Haushalt innerhalb von fünf bis sieben Minuten erreichen kann und die durch eine kontinuierliche Sortimentserweiterung kaum noch Wünsche offen lassen", heißt es dazu in der Studie, die Morgenpost Online vorliegt.

Das hat auch Auswirkungen auf die Umsatzverteilung in deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Auf mittlerweile 44 Prozent schätzt Wolfgang Twardawa von der GfK-Group den Marktanteil der Discounter. "Je nach Länge der Krise könnten sogar schon bald die 50 Prozent überschritten werden", prognostiziert der Handelsexperte. Zumal sich die Discounter zuletzt durch eine Verbesserung von Atmosphäre und Orientierung in den Ladenlokalen immer neue Kundengruppen erschlossen haben.

Dazu passt, dass die Mehrheit der Deutschen am liebsten alles an einem Ort kaufen würde. Der Studie zufolge schätzt es nur knapp jeder Dritte, unterschiedliche Läden aufzusuchen. Häufige Wechsel nimmt gar nur jeder Fünfte vor. Denn Spaß macht das Einkaufen nur wenigen Bundesbürgern. Zwei Drittel der befragten Verbraucher sehen den Lebensmitteleinkauf eher als notweniges Übel denn als emotionale Erquickung. Auch deshalb ist die durchschnittliche Zahl der Einkaufsgänge rapide gesunken: Waren es zur Jahrtausendwende noch 221 pro Jahr, sind es inzwischen weniger als 188.

Und die sind wohl überlegt. Lediglich zehn Prozent der Konsumenten überlegen sich erst vor Ort, was sie kaufen wollen. Und auch der Zeitpunkt steht meist schon fest. Immerhin knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes im Lebensmittelhandel wird freitags und am Wochenende erzielt. Spontan gewählt wird lediglich unter den unterschiedlichen Produkten einer Kategorie, vor allem nach Kriterien wie Preis und Frische, Saisonalität und regionale Herkunft oder Markenbekanntheit und Gütesiegel.

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