Rekordsumme
Die Deutschen haben so viel Vermögen wie nie zuvor
Der Wohlstand der Deutschen ist gemessen am Vermögen auf einem Rekordhoch. Die USA schneiden schlecht ab. Auch für andere Länder geht es abwärts.
Wenn es nach dem Vermögen geht, haben die Deutschen eine Rekordsumme gespart. 4,811 Billionen Euro haben sie zurückgelegt, das entspricht 184 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Und von Juni bis September legte das Privatvermögen um weitere 39 Milliarden Euro zu, wie die Bundesbank ermittelt hat. Die Verschuldung nahm um knapp sieben Milliarden Euro auf insgesamt 1,555 Billionen Euro zu. Kredite nahmen die Deutschen vor allem auf, um sich ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen.
Nun ist Vermögen das eine, wahrer Wohlstand bemisst sich aber nicht nur am Geld. deshalb untersucht die Londoner Denkfabrik Legatum auch das Wohlbefinden der Menschen, wenn sie wie jedes Jahr ihren Wohlstandsindex ermittelt. Diesmal untersuchten die Briten 142 Staaten, 2011 waren es noch 110. Die USA sind danach erstmals nicht mehr unter den zehn Ländern mit dem größten Wohlstand vertreten, sie rutschten auf Rang zwölf ab. Deutschland und den Deutschen geht es 2012 besser als 2011, für die oberen zehn Plätze reicht es allerdings noch nicht: Platz 14 nach Platz 15 im Jahr zuvor. 2009 war es noch Platz 16.
Legatum nimmt nicht allein das Privatvermögen oder das Bruttoinlandsprodukt als Messwert für Wohlstand. Die Briten ziehen auch andere Wirtschaftsfaktoren hinzu und schauen sich die Chancen für Unternehmertum und Existenzgründer an, Regierung und Verwaltung, Bildung, Gesundheit, Sicherheit, persönliche Freiheit und soziales Kapital – auch das Wohlbefinden zählt mit. "Kurz gesagt: Geld ist nicht alles. Wirtschaftlicher Reichtum und Entwicklung sind sehr wichtig, davon gehen auch wunderbare Dinge wie zum Beispiel Gesundheitsversorgung aus. Aber was macht die Bevölkerung mit der Regierung und ihrem Leben insgesamt zufrieden?" fragt Jeffrey Gedmin, Direktor des Legatum-Instituts. "Mit dem Index versuchen wir, ein größeres Bild zu zeichnen."
Bei Gesundheit gut abgeschnitten
Deutschland hat bei dieser Untersuchung besonders gut bei Gesundheit (Platz 5) und Wirtschaft (Platz 6) abgeschnitten. "Mehr als 90 Prozent glauben, dass die deutsche Wirtschaft und das System ihnen all das bietet, was für ein gesundes und erfolgreiches Leben nötig ist", sagt Edo Omic, der am Report mitgearbeitet hat.
Das gute Abschneiden in der Wirtschaft führt Gedmin unter anderem auf solide Werte und eine gute Haushaltsführung zurück. "In der Regierungsführung zeigt Deutschland viel Eigeninitiative", sagt Omic.
Und auch in den Bereichen Regierungsführung und Bildung hat Deutschland einen besseren Platz als im Vorjahr erreicht. 78 Prozent der Deutschen glauben, dass die Qualität der Bildung hoch ist und ihre Kinder so auf globaler Ebene Chancen haben.
Auf den ersten Plätzen des Gesamtrankings sind wie schon in der Vergangenheit skandinavische Länder zu finden. Norwegen hat sich auf Platz eins gehalten – das vierte Jahr in Folge, auf Platz zwei steht wie in den Vorjahren Dänemark. Auf den dritten Rang hat sich kontinuierlich Schweden vorgearbeitet. Diese Länder schneiden besonders gut bei Existenzgründung und Unternehmerchancen ab. Grundsätzlich zeigt sich im Vergleich der Länder, dass die Staaten, die bei diesem Faktor einen guten Platz haben, auch in der Gesamtwertung vorne liegen.
Griechenland stürzt ab
Die meisten Länder Europas finden sich unter den Top 30 – mit Ausnahme von Griechenland, das von Platz 36 (2009) auf Platz 49 abgestürzt ist, allein seit dem vergangenen Jahr um neun Plätze; und Italien, das von Platz 26 auf Platz 33 sank. Die meisten osteuropäischen Länder, mit Ausnahme Sloweniens und Tschechiens, die beide besser abschnitten, sind im Mittelfeld zu finden.
Ein überraschendes Ergebnis der Untersuchung: Die USA haben es nicht mehr in die Top Ten geschafft. In fünf von acht Kriterien verschlechterten sich die Vereinigten Staaten. Vor allem bei Existenzgründung und Chancen für Unternehmer verlor das Land (minus acht Plätze), auch bei Wirtschaft (minus sieben) und persönlichen Chancen ging es abwärts. Nur bei Bildung legte das Land zu (plus vier). Und weniger US-Bürger glauben daran, dass harte Arbeit noch belohnt wird. "Der American Dream wird in fundamentaler Art und Weise herausgefordert", sagt Gedmin.
Im Durchschnitt sind Wohlstand und Wohlbefinden weltweit in fast allen untersuchten Bereichen seit 2009 allerdings leicht gestiegen – doch fühlen sich die Menschen unsicherer. Besonders in Lateinamerika ist das persönliche Sicherheitsgefühl gesunken. Deutschland liegt in diesem Bereich auf Platz 21.
Im Gesamtranking nach oben gearbeitet haben sich die südostasiatischen Staaten Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien. Letzteres hat sich in den letzten vier Jahren am meisten gesteigert und schaffte es von Platz 85 im Jahr 2009 auf Platz 63.
Eine traurige Wahrheit offenbart der Index allerdings auch: China, Malaysia, Saudi-Arabien, Thailand und Vietnam schafften es zwar, ihre Position im internationalen Vergleich im Bereich Wirtschaft zu steigern, aber zugleich schneiden sie schlechter bei der Frage nach der persönlichen Freiheit der Bürger ab. Als Grundlage für den Report dienten unter anderem Daten der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation, von Regierungen und vom Forschungsinstitut Gallup.
















