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30.05.09

Nach der Lacroix-Pleite

Ist die Luxus-Modebranche bald ganz am Ende?

In der Welt der Luxusgüter geht die Angst um: Nachdem mit dem Pariser Modehaus Christian Lacroix nun der erste große Name vor der Insolvenz steht, fürchten weitere Nobelmarken um ihre Existenz. Die Krise lässt Käufer sparsam und bewusster werden – 500 Euro für ein Paar Schuhe gelten jetzt als "out".

AFP

Das Ende einer Legende? Wie die französische Tageszeitung "Le Figaro" berichtet, ist das Pariser Modehaus Christian Lacroix zahlungsunfähig. Namensgeber Christian Lacroix (hier mit zwei seiner Kreationen) hatte seine Marke vor Jahren an eine amerikanische Investorengruppe verkauft.

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Weniger Champagner-Orgien, leere Designertempel und Entlassungen bei Chanel: In der Welt der Reichen und Schönen zeigen sich immer deutlicher die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die High Society ist nicht mehr ohne weiteres bereit, tausende Euro für ein Abendkleid oder eine neue Handtasche hinzublättern. Nach dem deutschen Luxusgüterkonzern Escada kämpft jetzt auch das weltberühmte Pariser Haute-Couture-Haus Christian Lacroix ums Überleben. Die Eigentümer meldeten Insolvenz an. Ein Gericht muss nun entscheiden, wie es weitergeht. 125 Mitarbeiter zittern um ihre Arbeitsplätze.

Überraschend kommt die dramatische Zuspitzung der Situation in der Modebranche nicht. Mit den sündhaft aufwendigen Haute-Couture-Roben war noch nie viel Geld zu verdienen. Nun lässt die Finanzkrise auch bei vielen Prêt-à-porter-Kundinnen das schlechte Gewissen aufkommen – vor allem bei Dingen, die protzig sind oder schon nach einer Saison wieder "out". "Sie bekommen im Luxusbereich kein Sommerkleid unter 1500 Euro und keine Schuhe für weniger als 400 Euro. Das machen viele einfach nicht mehr mit", sagt Sabine Spieler, Branchenexpertin des Fachblatts TextilWirtschaft. "Die Modemarken müssen auf den Boden der Tatsachen zurückkommen."

Zumindest bei einem Teil der Unternehmen ist die Botschaft angekommen. "Wir müssen tatsächlich etwas anbieten, das in sich stimmig und von Dauer ist", sagt François-Henri Pinault, als Chef des Luxusgüterkonzerns PPR Herrscher über Luxusmarken wie Gucci, Bottega Veneta und Yves Saint Laurent. Lediglich in den Schwellenländern gelte Luxus noch als Zeichen, es geschafft zu haben. In der Branche wird unterdessen berichtet, dass der Absatz deutlich zurückgegangen ist. Viele Boutiquen wissen sich nur noch mit drastischen Preisnachlässen zu helfen – oft bereits vor den offiziellen Schlussverkäufen.

Im Haus des Modeschöpfers Christian Lacroix (58) könnte es für Rabatte zu spät sein. Dort wird mittlerweile darum gestritten, wer an der Misere Schuld hat. Lacroix selbst ist nur Angestellter und wirft den Eigentümern eine undurchsichtige, Unruhe stiftende und katastrophale Geschäftsführung vor. Diese wiederum sieht die Finanzkrise als Ursache der Situation. Kenner halten aber noch einen anderen Grund für möglich: "Die Kollektionen entsprachen einfach nicht mehr ganz dem Zeitgeist", sagt eine Pariser Modeexpertin. Dazu habe das Unternehmen kaum echte Gewinnbringer. "Dior und Chanel profitieren in der Krise davon, dass sie viele Lippenstifte verkaufen."

Als zwei der wenigen, die in der Krise relativ gelassen bleiben, gelten Modeschöpfer Karl Lagerfeld (70) und Diesel-Chef Renzo Rosso (53). "Ich sehe das Ganze wie ein gesundes Abführmittel", sagte der in Paris lebende Lagerfeld dem Onlineportal gala.de. Diesel-Chef Rosso präzisierte im "SZ-Magazin": "Der Markt war zu voll. Jetzt wird aufgeräumt. Ich hoffe, dass 15 Prozent aller Firmen pleitegehen. Das wäre gut für uns alle, denn es gibt viel zu viel von allem da draußen. Zu viel, das keinen Sinn macht, das von gestern ist."

Fans der Haute Couture werden angesichts der Situation bei Lacroix allerdings wehmütig. "Das ist mehr als nur ein Modehaus. Die Mode von Christian Lacroix ist wie Kunst", sagt eine Modekritikerin. "Es wäre traurig, wenn sie verschwinden würde."

Quelle: dpa
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