24.10.12

Staubsauger

Dyson verklagt Bosch wegen Industriespionage

Ein Chinese soll sich in das geheime Forschungslabor von Dyson eingeschlichen und über Jahre Daten an Bosch verkauft haben. Die gestohlenen Informationen sollen 122 Millionen Euro wert sein.

Foto: picture alliance / Hans Joachim

Staubsauger DC 37 von Dyson. In ihm steckt ein Motor, um den es bei dem Streit mit Bosch geht
Staubsauger DC 37 von Dyson. In ihm steckt ein Motor, um den es bei dem Streit mit Bosch geht

Der britische Staubsaugerhersteller Dyson verklagt seinen deutschen Rivalen Bosch wegen Geheimnisverrats. Die Vorwürfe des Erfinders der beutellosen Staubsauger wiegen schwer: Demnach soll ein Dyson-Mitarbeiter in einem streng geheimen Forschungslabor Daten gesammelt und an Bosch verkauft haben. Ob Bosch den Spion bei der britischen Konkurrenz eingeschleust hat oder die Initiative von ihm ausging, ist unbekannt. Sicher ist sich Dyson dagegen, dass Bosch die geheimen Unterlagen angenommen hat.

Dyson will gegen mutmaßlichen Dieb klagen

Der Mitarbeiter sei chinesischer Staatsbürger. Über zwei Jahre habe er bis Anfang 2012 in dem 100-köpfigen Team gearbeitet, welches Staubsaugermotoren entwickelt. Auch gegen ihn will Dyson in einer separaten Klage gerichtlich vorgehen.

Das Entwicklungszentrum am englischen Firmensitz Malmesbury gilt als Nervenzentrum des für seine innovativen Haushaltsprodukte bekannten Konzerns. Neben dem beutellosen Staubsauger stammen aus dem Hochsicherheitstrakt von Dyson auch der Ventilator ohne Rotorenblätter und der extraschnelle Handtrockner Airblade. Firmengründer James Dyson legt sehr viel Wert auf den Schutz seines geistigen Eigentums. Mitarbeiter können das Gebäude nur nach der Überprüfung ihrer Fingerabdrücke betreten.

Heftige Vorwürfe gegen Bosch-Manager

Allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz schaffte es der mutmaßliche Bosch-Maulwurf offenbar ins Allerheiligste von Dyson. Dabei soll sein Auftraggeber aus den obersten Managementreihen des deutschen Konzerns gekommen sein. Wolfgang Hirschburger, als Vizepräsident für die Entwicklung bei Bosch zuständig, soll von dem Industriespion gewusst haben. Weiter schreibt Dyson in seiner Klage, dass der Maulwurf nicht nur geheime Daten an Bosch sondern auch an einen Motoren-Hersteller von Bosch in China weitergeleitet habe.

Dyson habe Bosch in Deutschland mit der Beweislage konfrontiert und die Rückgabe der Technologie für Hochgeschwindigkeitsmotoren gefordert. Bosch habe sich jedoch geweigert, die wertvollen Informationen zurückzugeben. Deswegen sei Dyson keine andere Wahl geblieben, als den deutschen Konkurrenten vor dem Londoner High Court zu verklagen. Bosch selbst wollte sich am Mittwochnachmittag zunächst nicht zu den Anschuldigungen äußern.

Dyson fordert Rückgabe des geistigen Eigentums

"Wir haben fünfzehn Jahre und 122 Millionen Euro investiert, um verschiedene Hoch-Geschwindigkeitsmotoren ohne Kohlebürsten zu entwickeln, die unsere kabellosen Staubsauger und unsere Airblade Händetrockner antreiben", sagt Dyson-Entwicklungschef Mark Taylor. Diese Motoren liefen drei Mal schneller als die sämtlicher Wettbewerber und fünf Mal schneller als ein Formel-1-Motor. Deswegen fordere Dyson die sofortige Rückgabe seines geistigen Eigentums.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dyson gegen einen Wettbewerber vor Gericht zieht. Im vergangenen Jahr hatte beispielsweise ein französisches Gericht entschieden, dass der Dirt Devil der US-Elektronikfirma TTI das allgemeine Aussehen der Dyson-Geräte kopiert habe. Laut französischem Recht stellt dies unfairen Wettbewerb dar, da es die Kunden verwirrt.

Desingklage war erfolglos

In einem anderen Fall scheiterte Dyson jedoch zuletzt vor Gericht. Über mehrere Jahre zog sich die Klage gegen den britischen Konkurrenten Vax. Dyson warf der Firma vor, bei einer Staubsaugerlinie das Design von Dyson geklaut zu haben. Das Gericht sah dies jedoch anders. Vor einem Monat verlor Dyson den jahrelangen Kampf und blieb auf den Gerichtskosten sitzen.

Nach eigenen Angaben hält Dyson mehr als 3000 Patente für über 500 Erfindungen. In den vergangenen zwei Jahren seien allein gegen die Dyson Ventilatoren etwa 500 Rechtsverstöße in mehr als 30 Ländern begangen worden.

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