24.10.12

Autoindustrie

Volkswagen rollt US-Markt mit neuen Modellen auf

Der VW-Konzern konnte in den USA den Absatz um 37 Prozent steigern. VW-Chef Winterkorn hofft, dass der neue Golf in den USA gut einschlägt und denkt laut über einen neuen SUV nach.

Foto: dapd

Im VW-Werk Chattanooga läuft der Passat vom Band. Auch weitere neue Modelle könnten hier produziert werden
Im VW-Werk Chattanooga läuft der Passat vom Band. Auch weitere neue Modelle könnten hier produziert werden

Der Volkswagen-Konzern manövriert unbeirrt durch unruhiges Fahrwasser und hält an seinen Zielen für das Gesamtjahr fest. In den ersten neun Monaten steigerte der Autohersteller die Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund ein Viertel auf 144,2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen bei der Vorlage seiner Quartalsbilanz mitteilte.

Dazu habe auch die Integration neuer Marken wie Porsche, MAN und Ducati in den Konzern beigetragen. Das Ergebnis vor Steuern stieg den Angaben zufolge um 6,3 Milliarden Euro auf 23 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente VW mit 20,16 Milliarden knapp 48 Prozent mehr.

Doch beim Gewinn schwächeln die Wolfsburger

Das operative Ergebnis sank dagegen leicht von neun auf 8,8 Milliarden Euro. VW begründete das unter anderem mit einer "zunehmenden Wettbewerbsintensität in einem herausfordernden Marktumfeld, insbesondere in einigen europäischen Ländern". Auch habe unter anderem der Anlauf des neuen Golf 7 das Ergebnis nach unten gedrückt. Die Delle will der Dax-Konzern aber im letzten Quartal ausgleichen.

"Die Zeiten sind nicht leicht, aber wir haben es selbst in der Hand, den eingeschlagenen guten Weg konsequent fortzusetzen", sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn. "Deshalb halten wir trotz wachsendem Gegenwind an unseren ehrgeizigen Zielen für 2012 fest." VW rechnet auch für das Gesamtjahr mit einem Umsatz über dem Vorjahresniveau und will das operative Ergebnis stabil halten.

2011 war ein Rekordjahr für VW

Der Konzern mit Töchtern wie Audi, MAN und Skoda hatte 2011 mehr verdient und umgesetzt als je ein deutscher Autohersteller zuvor. Mit 15,8 Milliarden Euro lag der Nettogewinn mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr.

Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 159 Milliarden Euro, der operative Gewinn lag bei 11,3 Milliarden Euro. In diesem Jahr kamen noch die Marken Ducati und Porsche hinzu. Insbesondere der Stuttgarter Sportwagenhersteller ist hochprofitabel.

In den USA fehlt Volkswagen ein Midsize-SUV

Für die USA plant VW nach dem Verkaufserfolg des Passats ein neues Modell. Der deutsche Autobauer will einen Geländewagen (SUV) auf den Markt bringen, der von der Größe her zwischen dem Toureg und dem Tiguan rangiert. "Wir werden sicher einen SUV auf den Markt bringen", sagte VW-Chef Winterkorn in New York.

Eine endgültige Entscheidung werde nicht mehr in diesem Jahr fallen, "aber sehr bald". Im Segment der in den USA sehr beliebten mittelgroßen SUV hat Volkswagen eine Lücke, sagte Winterkorn. Der VW-Chef hofft auch darauf, dass sich der neue Golf in den USA gut verkaufen könnte.

Investitionen führten zu Rekordabsatz

Der Konzern hat nach Angaben von Winterkorn in den vergangenen vier Jahren rund vier Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten investiert, um seine schlecht laufenden Verkäufe anzukurbeln. VW konnte von Januar bis September ihren Absatz in den USA um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum steigern.

In diesem Jahr will der Konzern erstmals in seiner Geschichte in den USA mehr als eine halbe Million Autos verkaufen. "2013 wollen wir mit der VW Group of America schwarze Zahlen schreiben", kündigte Winterkorn an.

"Wir wollen nicht, dass Europa ein Armenhaus wird"

Der neue SUV dürfte im VW-Werk in Chattanooga im US-Staat Tennessee gefertigt werden, weil dort auch die lokalen VW-Zulieferer sitzen. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagte Winterkorn. Auch andere Standorte kämen in Frage. Aus dem US-Werk könnte der neue SUV auch in andere Länder exportiert werden.

Die Beschäftigten in Deutschland bräuchten sich wegen des Ausbaus der US-Produktion keine Sorgen zu machen, so Winterkorn. "Wir stehen dazu, dass wir in Europa Beschäftigung sichern wollen." Wenn Produktion abgebaut werde, würde über kurz oder lang auch die Entwicklung verschwinden. "Wir wollen nicht, dass Europa ein Armenhaus wird."

Kurzarbeit in den deutschen Werken nicht geplant

Die weltweite Aufstellung helfe letztlich auch der Belegschaft in der Heimat. So sei das gut laufende US-Geschäft der Grund, warum das Wolfsburger Werk zurzeit Sonderschichten fahre, so Winterkorn. Die Hoffnung, dass sich der schwächelnde europäische Markt rasch erholt, hat der VW-Chef nicht. "In Europa werden wir in den nächsten zwei, drei, vier Jahren keinen großen Wachstumsschub mehr haben", sagte er.

Zuletzt waren die Verkäufe in Europa deutlich zurückgegangen. Kurzarbeit oder Produktionskürzungen seien für die deutschen und europäischen Werke derzeit nicht geplant, sagte Winterkorn.

Das VW-Billigauto kommt nicht nach Deutschland

Einem Billigauto für Deutschland erteilte Winterkorn eine Absage. VW überlege zwar ein Billigauto zu einem Preis zwischen 6000 und 8000 Euro für Schwellenländer zu entwickeln. Momentan sei jedoch nicht geplant, das Modell auch in Europa auf den Markt zu bringen, sagte Winterkorn.

Der VW-Chef hielt sich in New York auf, um den "International Leadership Award" des American Institute for Contemporary German Studies entgegenzunehmen. Damit wird alljährlich eine Persönlichkeit geehrt, die sich um das deutsch-amerikanische Verhältnis verdient gemacht hat.

Quelle: Mit dapd/ere
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