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27.05.09

Geldpolitik

Warum die Inflation Europa hart treffen könnte

Derzeit bewegt sich die Inflationsrate um den Nullpunkt. Doch eine Reihe von Experten befürchtet mittelfristig einen kräftigen Anstieg der Teuerung. HWWI-Chef Straubhaar hält schon vom kommenden Jahr an Steigerungen von fünf Prozent für möglich. Davon wären die US-Bürger weit weniger betroffen als die Europäer.

© REUTERS
U.S. Federal Reserve Chairman Bernanke poses with British Central Bank Governor King and European Central Bank President Trichet in Tokyo
Drei Notenbanker, die der Rezession den Kampf angesagt haben: Mervyn King, Chef der Bank of England, Fed-Oberhaupt Ben Bernanke und Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB

Heute gibt das Statistische Bundesamt die neuen Inflationszahlen bekannt, am Freitag folgen dann Daten für die gesamte Eurozone. Fest steht wohl schon jetzt: Stark werden die Preise wie schon in den Monaten zuvor nicht gestiegen sein, die Inflationsrate dürfte sich in Sichtweite der Nulllinie bewegen. Einige Ökonomen sehen deshalb derzeit fallende Preise als große Gefahr für die Wirtschaft an, etwa die beiden bekannten Volkswirte Hans-Werner Sinn und Peter Bofinger, die sonst eigentlich nie einer Meinung sind.

Auf der anderen Seite gibt es aber eine Reihe von Experten, die weniger auf die aktuellen Daten schauen, sondern sich um die mittelfristige Entwicklung der Preise Sorgen machen: So befürchtet Thomas Straubhaar, der Präsident des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, dass durch die expansive Geldpolitik der Notenbanken, die immer mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf brachte, die Teuerungsrate stark ansteigen könnte. Schon für 2010 und 2011 hält Straubhaar Preissteigerungen in der Eurozone von fünf Prozent für möglich. Selbst zehn Prozent will der Experte mittelfristig nicht ausschließen.

Sollte es tatsächlich weltweit zu einer Teuerungswelle kommen, dürfte dies für die Europäer schwerer wiegen als für die Amerikaner, die mit einem blauen Auge davonkommen könnten. Dies liegt daran, dass Amerikaner und Europäer völlig unterschiedliche Wege bei der Altersvorsorge gegangen sind: Viele Amerikaner haben ihr Geld in Aktien investiert. Wenn die Preise stark in die Höhe schießen, sollten die Aktienkurse - zumindest tendenziell - mit steigen. Anders ist die Lage in Europa: Hier sind Anleger vorsichtiger.

Viel Geld liegt auf Bankkonten, in festverzinslichen Papieren oder Lebensversicherungen, die wiederum bei steigenden Preisen real eher an Wert verlieren als Aktien. "Es könnte deshalb durchaus sein, dass die Amerikaner weniger von einer Inflation betroffen wären als die Europäer", sagte Andreas Rees, Volkwirt bei der HypoVereinsbank.

Profitieren könnten in den USA auch die privaten Haushalte, die zusammen mit den Unternehmen, die nicht zum Finanzsektor gehören, noch Kredite von 25 Billionen Dollar abtragen müssen. Steigen die Preise, wären ihre Schulden weniger wert. Ob die Haushalte aber insgesamt von einer Inflation profitieren, hängt davon ab, ob es den Amerikanern gelingt, auch Lohnsteigerungen durchzusetzen, sagt Rees.

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