18.10.12

Autoindustrie

Daimler will jährlich drei Milliarden einsparen

Beim Absatz, vor allem aber bei der Rendite hinkt Mercedes-Benz der Konkurrenz hinterher. Laut einem Bericht will Daimler-Chef Zetsche nun mit einem radikalen Sparprogramm gegensteuern.

Daimler-Chef Dieter Zetsche will einem Magazinbericht zufolge mit einem Sparprogramm von mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr sein Renditeziel in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz retten.

Das "Manager Magazin" berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, die genaue Summe des "Fit for Leadership" genannten Programms werde derzeit noch ermittelt. Laufende Sparprojekte könnten eingerechnet werden.

Der wegen Rabatten und Absatzproblemen in China unter Margendruck stehende Autobauer bezeichnete den Bericht als "Spekulation".

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende September aus Konzernkreisen erfahren, dass der Tritt auf die Kostenbremse durch Produktivitätszuwächse und höhere Umsätze letztlich "deutlich mehr" als eine Milliarde Euro zusätzlichen Gewinn einspielen soll.

Stellenabbau soll nicht geplant sein

Eine mit der Situation vertraute Person sagte nun, das in dem Magazinbericht genannte Sparziel sei aus der Luft gegriffen. Die Effekte des geplanten Maßnahmenbündels seien noch nicht abschließend kalkuliert.

Ein Stellenabbau sei nicht geplant, auch kein Abfindungsprogramm für freiwilliges Ausscheiden. In der kommenden Woche legt Daimler seine Bilanz des dritten Quartals auf den Tisch, die noch vom Pkw-Rekordabsatz in den ersten neun Monaten profitieren dürfte. Die in Europa spürbare Zurückhaltung der Neuwagenkäufer und die Kosten für neue Fahrzeug-Modelle dürften allerdings den Gewinn belasten.

Der Anfang kommenden Jahres vor einer Vertragsverlängerung stehende Daimler-Lenker Zetsche hatte bereits Ende September die Notbremse gezogen und das Gewinnziel der umsatzstärksten und ertragsreichsten Sparte einkassiert.

Zetsche kassiert Margen-Ziel

Der operative Gewinn von Mercedes-Benz Pkw werde 2012 fallen und unter fünf Milliarden Euro bleiben, hatte Zetsche in Aussicht gestellt. Damit rückt das für 2013 und die Folgejahre angepeilte Margenziel in der Kernsparte von dauerhaft um die zehn Prozent in weite Ferne: 2011 waren es mit Rückenwind durch die gute Autokonjunktur neun Prozent, im zweiten Quartal dieses Jahres 8,6 Prozent.

Auf dem Autosalon in Paris Ende vergangenen Monats stellte Zetsche das angepeilte Margenziel unter Konjunktur-Vorbehalt. Das Umfeld sei schwieriger geworden, sagte der seit 2006 an der Daimler-Spitze stehende Manager und dämpfte damit die Erwartungen.

Die schärfsten Pkw-Konkurrenten BMW und Audi haben Mercedes-Benz längst abgehängt. Beide Wettbewerber fahren höhere Renditen ein. Als weltgrößter Premium-Pkw-Bauer enteilt BMW den Schwaben zusehends bei den Verkaufszahlen, inzwischen setzt sogar Audi zum Überholen des über Jahrzehnte unbestrittenen Marktführers in der Pkw-Oberklasse an.

Daimler kämpft mit höheren Produktionskosten

Zuletzt verlor Daimler auch in China – dem mittlerweile größten Automarkt rund um den Globus – den Anschluss, da Lieferschwierigkeiten und ein komplexe Vertriebsstruktur den Pkw-Verkauf dämpften.

Dazu kommen weitere hausgemachte Probleme: Analysten kalkulieren schon länger, dass Daimler bei Mercedes-Benz Pkw mehr Stamm-Mitarbeiter und weniger Leiharbeiter als die Wettbewerber beschäftigt und daher wegen der höheren Produktionskosten bei der Rendite hinterherhinkt.

Eine Projektgruppe habe errechnet, dass 8000 bis 10.000 Mitarbeiter bei Mercedes-Benz überflüssig seien, berichtete das "manager magazin". Mercedes fertige mehr in Eigenregie und zähle mehr Mitarbeiter im Vertrieb, hatte Zetsche Ende vergangenen Jahres die vergleichsweise größere Belegschaft rechtfertigte. Dennoch braucht Mercedes im Schnitt länger als die Konkurrenz, um ein Auto vom Band rollen zu lassen.

Um wie geplant bis 2020 wieder weltgrößter und profitabelster Premium-Autobauer zu werden, setzt Zetsche auf viele neue Modelle, die neue Käuferschichten ansprechen und Kunden der Wettbewerber anlocken soll. Dafür muss Mercedes in den kommenden Jahren nochmals milliardenschwere Investitionen stemmen, die den Gewinn schmälern.

Außer einer breiteren Palette an Modellen des Flaggschiffes S-Klasse sind einem Bericht der "Auto Bild" zufolge auch ein Cabrio und ein Geländewagen der Kleinwagen-Marke Smart geplant, die Daimler viele Jahre hohe Verluste eingebrockt hatte.

Quelle: Reuters/woz/cat
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