16.10.12

Pkw-Absatz

Jetzt gerät auch VW in den Strudel der Auto-Krise

Zum ersten Mal ist auch Volkswagen von den sinkenden Pkw-Absätzen betroffen. Die Auto-Krise hat fast alle großen Hersteller erwischt – nur wenige können sich dem Abwärtstrend noch entziehen.

Foto: Infografik Die Welt

Pkw-Neuanmeldungen in Europa
Pkw-Neuanmeldungen in Europa

Bislang waren Volkswagen und BMW nahezu immun gegen die aufkommende Autoflaute, aber nun schwächeln auch die Wolfsburger. Die Neuzulassungen der Marke Volkswagen sanken nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes ACEA im September verglichen mit dem Vormonat um 14 Prozent.

Der Gesamtmarkt in Europa schrumpfte um elf Prozent. Damit ist erstmals der Marktanteil von VW in Europa zurückgegangen.

Die Wolfsburger verloren mit ihrer Stammmarke sogar mehr als der schwer angeschlagene französische Autobauer PSA Peugeot Citroën. Die spanische VW-Tochter Seat brach um 16,7 Prozent ein, mehr als Dauersorgenkind Opel (-15,6 Prozent) oder der ebenfalls kriselnde Fiat-Konzern mit seiner Stammmarke (-15,5 Prozent).

Nur wenige Gewinner

Das Lager der Gewinner ist hingegen überschaubar: Hyundai und Kia haben leicht zugelegt, wobei die Koreaner derzeit mit besonders großen Rabatten Autos in den Markt drücken. Toyota konnte nach der Krise in den vergangenen zwei Jahren seine Aufholjagd fortsetzen und weiter zulegen.

Besonders gut standen im September jedoch BMW und Jaguar/Land Rover da. Die Münchner kamen mit ihrer Stamm-Marke auf ein Plus von 10,2 Prozent, verloren allerdings bei Mini. Land Rover schaffte einen Zuwachs von insgesamt 23,5 Prozent.

Die neuesten Zahlen sind zwar nur eine Momentaufnahme, aber sie zeigen, dass sich die Talfahrt verschärft und auch bislang erfolgsverwöhnte Hersteller nicht länger dem Trend entkommen können.

Dennoch steht Volkswagen – den bisherigen Jahresverlauf betrachtet – immer noch gut da. Während der Gesamtmarkt im Zuge der Euro- und Staatsschuldenkrise um 7,2 Prozent zurückging, bröckelte der Absatz der Wolfsburger in den ersten neuen Monaten nur um 0,7 Prozent.

Die Verlierer sind vor allem Renault und Fiat

Besser haben sich in den ersten drei Quartalen nur Toyota mit konstanten Neuzulassungen sowie die Koreaner und Jaguar/Land Rover geschlagen.

Schlusslichter beim Absatz waren in diesem Jahr unter den großen Herstellern bislang die Hersteller Renault (-17,5 Prozent) und Fiat (-16,8 Prozent).

Dass die Autokäufer wie zu Beginn vergangener Krisen von den Absatzeinbrüchen profitieren, ist indessen weniger wahrscheinlich. "Die Hersteller können die Kunden nicht mit noch größeren Rabatten locken. Das ist ausgereizt, mehr geht nicht mehr", sagte Autoexperte Stefan Bratzel der Berliner Morgenpost.

Statt dessen sei zu erwarten, dass die Konzerne alles täten, um die Produktion zu drosseln: "Sie werden die Möglichkeiten der Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit nutzen und Leiharbeiter nach Hause schicken", so Bratzel. Das löse aber das Grundsatzproblem der Branche nicht.

Experten erwarten mehrjährige Talfahrt

Fachleute stellen sich nach drei starken Jahren auf eine mehrjährige Talfahrt ein. "Das kommende Jahr wird für die Hersteller in Europa nicht gut und das drauffolgende ebenfalls nicht", so Bratzel.

"Die Automobilhersteller werden nicht umhin kommen, dauerhaft Kapazitäten abzubauen. Wir haben mindestens fünf großen Autowerke in Europa zu viel."

Seit Monaten wird beispielsweise bei Peugeot Citroën, Opel oder Fiat um die Schließung von Standorten gerungen. Was das Dilemma dieser Hersteller verschärft, ist die Tatsache, dass sie überwiegend in Europa ihre Fahrzeuge verkaufen.

Alle europäischen Märkte geben nach

Konzerne wie Volkswagen, BMW oder Daimler können ihre bislang moderaten Rückgänge in Europa durch steigende Verkäufe in den USA oder China ausgleichen. Ein Hersteller wie Renault profitiert von der Partnerschaft mit dem Nissan-Konzern und den Erfolgen der Billigmarke Dacia.

Dass Europa eine langjährige Autoflaute erwartet, steht derweil außer Frage. Den zwölften Monat in Folge lagen die Neuzulassungen in der EU im September unter dem Vorjahreswert.

Alle großen Märkten gaben dabei nach: In Deutschland mit bislang stabiler Nachfrage schrumpften die Neuzulassungen um 10,9 Prozent, in Frankreich um 17,9 Prozent, in Italien um 25,7 Prozent und in Spanien sogar um 36,8 Prozent. Dabei glaubten Experten, dass in Südeuropa ein weitere Rückgänge in der Autobranche kaum mehr möglich seien.

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