15.10.12

Gesteinsbrocken

Meteorit von der Rückseite des Mondes versteigert

Die Hälfte eines Meteoriten von der Rückseite des Mondes hat einen neuen Besitzer. Beim Auktionshaus Heritage Auctions wurden auch weitere Gesteinsbrocken versteigert – zuweilen mit kuriosen Anekdoten.

Foto: dpa/Heritage Auctions

Der Meteorit von der Rückseite des Mondes war in Libyen gefunden worden
Der Meteorit von der Rückseite des Mondes war in Libyen gefunden worden

Eine Meteorit von der Rückseite des Mondes ist in den USA für 330.000 Dollar versteigert worden. Ein anonymer Bieter kaufte nach Angaben des Auktionshauses Heritage Auctions Auctions den Stein, der zu Forschungszwecken in zwei Hälften geschnitten worden war.

Der fast 1,8 Kilogramm schwere und knapp 24 Zentimeter hohe Meteorit war in Libyen gefunden worden. "Er ist von einer Qualität, die jedem Naturkundemuseum alle Ehre machen würde", sagte Chefauktionator Ed Beardsley.

Dass Meteoriten vom Mond den Weg zur Erde finden, wurde mehrfach bestätigt: Funde wurden mit Mondgestein verglichen, das von Mondmissionen mitgebracht worden war. Wissenschaftler sind sicher, dass sie beim Einschlag eines Kleinkörpers aus der Mondkruste herausgeschlagen und ins All geschleudert wurden.

Fest verschlossen in der Kirche

Der Stein war nur ein Teil einer ganzen Meteoritenschar, die in New York für mehr als eine Million Dollar versteigert wurde. "Wir haben hier Zeugnisse aus dem ganzen Sonnensystem, die überall auf der Erde gefunden wurden", sagte Beardsley. "Jeder hat eine faszinierende Geschichte. So wurde ein Stein, der 1492 über Deutschland niederging, in einer Kirche fest verschlossen – damit er nicht wieder wegflog", sagte der Auktionator.

Ein anderer Meteorit hatte in russischen und deutschen Archiven gelegen – die alten Beschreibungen zeugen noch davon – und war auch US-Präsident Thomas Jefferson gezeigt worden, dessen Amtszeit von 1801 bis 1809 andauerte. "Jefferson war ein großartiger Naturforscher", sagte Beardsley. "Aber hier erkannte er die Bedeutung nicht. Für den großen Jefferson war das "einfach nur ein Stein"."

Zusammenstöße mit Asteroiden

Ein Viertel aller Meteoriten, die heute die Erde treffen, haben ihren Ursprung in einer gewaltigen Asteroiden-Kollision vor 470 Millionen Jahren. Nach der Kollision wurde die Erde von Meteoriten geradezu bombardiert. Das hatten Wissenschaftler vor fünf Jahren mit einer neuen Forschungsmethode herausgefunden. An der Grenze zwischen äußerem und innerem Sonnensystem waren vor 470 Millionen Jahren zwei vermutlich einige hundert Kilometer große Asteroiden zusammengestoßen, wie die Universität Heidelberg mitteilte.

Mit ihrer neuen Methode konnten Forscher um Mario Trieloff vom Mineralogischen Institut Meteoriten diesem "kosmischen Großereignis" zuordnen. Die Studie erschien seinerzeit in der Fachzeitschrift "Meteoritics and Planetary Science". Die Heidelberger Forscher wiesen nach, dass eine heute noch auf die Erde treffende Meteoriten-Gruppe - die so genannten L-Chondrite - von einem vor 470 Millionen Jahren auseinander gerissenen Kleinplaneten stammt.

Nach dem Zusammenprall fielen für einige Millionen Jahre etwa hundert Mal so viele Meteoriten auf die Erde wie in der Neuzeit. Der Einschlag kilometergroßer Bruchstücke war ebenfalls deutlich häufiger.

Quelle: dpa/cl
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Himmelskörper erklärt
  • Meteoriten

    Bei Meteoriten handelt es sich um nicht vollständig verglühte kosmische Brocken, die auf der Erde einschlagen. Diese Trümmer aus dem Weltall können von Kometen, Asteroiden oder anderen Planeten abgesprengt worden sein.

  • Meteor oder Sternschnuppe

    Die Leuchterscheinung am Himmel wird dagegen Meteor oder Sternschnuppe genannt. Sie wird außer von Meteoriten auch von vollständig verglühenden Partikeln aus dem All verursacht.

  • Boliden

    Sternschnuppen können gut am klaren Nachthimmel beobachtet werden, sehr selten sind sie aber auch tagsüber zu sehen. Sie treten nicht nur sporadisch auf, sondern auch in Schwärmen wie die Lyriden oder die Perseiden. Auch besonders helle Objekte – sogenannte Boliden oder Feuerkugeln – sind keine Seltenheit.

  • Kometen

    Wie „schmutzige Schneebälle“ bestehen Kometen aus Eis, das mit Mineralien vermischt ist. Ebenso wie die Erde sind sie vor vier bis fünf Milliarden Jahren aus einer kosmischen Staubwolke entstanden. Kometen bewegen sich auf einer meist elliptischen Umlaufbahn um die Sonne. Sie enthalten die ursprüngliche Materie in tiefgekühltem Zustand und sind für die Wissenschaft daher besonders interessant. Ihre Größe kann zwischen einigen hundert Metern und mehreren Kilometern Durchmesser liegen.

    Sichtbar werden die durchs All rasenden Eis- und Gesteinsbrocken erst, wenn sie in den Bereich der inneren Planeten vordringen, näher an die Sonne herankommen und dann erwärmt werden. Die hierdurch freigesetzten Gase und die von ihnen mitgerissenen Staubteilchen lassen sie am Himmel nebelartig und verwaschen erscheinen. Häufig sind sie mit einem langen, leuchtenden Schweif versehen. Viele Kometen sind per Fernrohr, nur wenige mit bloßem Auge sichtbar.

  • Und nun die Zahlen

    Pro Jahr erreichen nach Expertenschätzungen mehr als 19.000 Meteoriten von einer Masse über 100 Gramm die Erdoberfläche und hinterlassen bei einem Einschlag zum Teil tiefe Krater. Die meisten dieser Himmelskörper stürzen aber ins Meer oder auf unbewohntes Gebiet. Hobby-Astronomen haben nur alle paar Jahre die Chance, einen der bis zu 180.000 Stundenkilometer schnellen Meteoriten am Himmel zu beobachten. Der bislang größte Meteorit wurde 1920 in Namibia gefunden, der Eisenmeteorit wiegt etwa 55 Tonnen. dpa

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