11.10.12

Luftfahrtindustrie

Enders stellt EADS-Strategie auf den Prüfstand

Bis 2020 wollte Europas größter Luftfahrtkonzern EADS die Abhängigkeit von der Flugzeugproduktion verringern. Doch dieses Ziel ist nach der gescheiterten Fusion mit BAE Systems in weite Ferne gerückt.

Foto: AFP

Anflug zur Eröffnung einer neuen Fabrik von Helibras, einer Tochter des EADS-Hubschrauberbauers Eurocopter in Brasilien: Der Luftfahrtkonzern überprüft seine Strategie
Anflug zur Eröffnung einer neuen Fabrik von Helibras, einer Tochter des EADS-Hubschrauberbauers Eurocopter in Brasilien: Der Luftfahrtkonzern überprüft seine Strategie

Nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit dem britischen Konzern BAE Systems will der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS seine Strategie überdenken. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der EADS-Rüstungssparte Cassidian, die unter dem Sparzwängen der europäischen Regierungen leidet.

"Wir müssen unsere Konzernstrategie und insbesondere unsere Verteidigungsaktivitäten auf den Prüfstand stellen", schreibt EADS-Konzernchef Tom Enders in einem Mitarbeiterbrief, der der Berliner Morgenpost vorliegt. "Eines steht jedoch schon fest: Es gibt kein Zurück zum Ausgangspunkt – und das gilt nicht nur für die Strategie."

Deutsche Standorte auf dem Prüfstand

Enders wird schon bald Antworten finden müssen, wie es mit EADS und Cassidian weitergehen soll. Dabei geht es auch um die Zukunft der deutschen Standorte. EADS beschäftigt 50.000 Mitarbeiter in Deutschland, davon rund 12.000 bei Cassidian.

Im bayerischen Manching beispielsweise läuft die Produktion des Kampfjets Eurofighter nach derzeitigem Stand im Jahr 2017 aus. Cassidian will angesichts der knappen Verteidigungsbudgets in Europa künftig stärker exportieren.

Der neue Cassidian-Chef Bernhard Gerwert sucht zudem Möglichkeiten, Kosten einzusparen – etwa durch eine effizientere Produktion und Beschaffung sowie eine Straffung der Managementorganisation.

Rüstungsgeschäft schwächelt

EADS müsse nun den Strategieplan 2020 überprüfen, meint Rüstungsexperte Zafar Kahn von der Société Générale. Denn dieser stamme aus dem Jahr 2008. Der Plan sah vor, das Rüstungsgeschäft auszubauen, um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen der Flugzeugbautochter Airbus und den anderen Konzern-Aktivitäten zu erreichen.

Derzeit sei das für EADS jedoch mittelfristig nicht mehr interessant, da der Rüstungsbranche nach einer langen Wachstumsphase nun ein Abschwung von möglicherweise mehreren Jahren drohe, glaubt Kahn.

Flugzeugbau boomt

Der Flugzeugbau dagegen boomt. EADS sollte deshalb lieber versuchen, so gut wie möglich vom Wachstum des Flugzeugbaus zu profitieren. "Sie sollten sich darauf konzentrieren, Flugzeuge auszuliefern und sich auf die Airbus-Programme fokussieren."

Kahn hatte in einer Studie bereits zu Jahresbeginn angeregt, Cassidian abzuspalten und mit den Rüstungsaktivitäten von Thales aus Frankreich zu einem neuen europäischen Verteidigungsunternehmen zu fusionieren, an dem Deutschland und Frankreich zu gleichen Teilen beteiligt wären.

Später könnte der neue Konzern dann mit weiteren Rüstungsunternehmen wie Thyssen Krupp Marine Systems und Rheinmetall aus Deutschland oder dem französischen Panzerbauer Nexter verschmolzen werden, schlägt er vor. "Diese Fusion würde eine Gruppe mit stärkerer Schlagkraft schaffen, was angesichts der schwierigen Aussichten notwendig ist."

Italien prescht vor

Italien wiederum nutzte das Scheitern der Verhandlungen von EADS und BAE, um einen Zusammenschluss mit dem römischen Rüstungskonzern Finmeccanica ins Spiel zu bringen, der unter anderem auch für den US-Wettbewerber Boeing arbeitet.

EADS selber wollte sich zu solchen Überlegungen nicht äußern. Es müsse nun erst einmal genau die Lage analysiert werden, bevor man weitere Überlegungen anstelle.

Unterdessen wächst die Kritik an der Bundesregierung, an der der Widerstand der Milliarden-Deal vor allem gescheitert war. Enders räumte in dem Schreiben an die Mitarbeiter ein, den Widerstand aus Berlin unterschätzt zu haben.

Deutsche haben gebremst

Die Regierungen in Frankreich und Großbritannien hätten starke Bemühungen unternommen, um die politischen Hürden zu überwinden, betonte er.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warf der Regierung um Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, eine "historische Chance" verpasst zu haben, schrieb er in einem Kommentar für die britische "Financial Times".

Das Ende der Fusionsverhandlungen dürfte aber letztlich die Rolle der Bundesregierung bei EADS stärken. Sie hat bereits angekündigt, dass die staatliche KfW die Verhandlungen über den Kauf von EADS-Aktienpaketen in Höhe von insgesamt 15 Prozent weiterführt, die Daimler sowie dem öffentlich-privaten Bankenkonsortium Dedalus gehören.

Bundesländer wollen an Bord bleiben

Der Einstieg soll noch in diesem Jahr erfolgen. Dabei zeichnet sich nach Informationen der Berliner Morgenpost ab, dass die an Dedalus beteiligten Bundesländer EADS-Aktionäre bleiben werden. "Die Landesbanken werden an Bord bleiben", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter der Berliner Morgenpost. "Auf diese Weise könnten sie auch ihre Standortinteressen besser wahren."

An Dedalus sind Länderbanken aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern beteiligt. Sie halten – zusammen mit der KfW – 40 Prozent an diesem Konsortium. Die übrigen 60 Prozent werden von privaten Banken und Versicherungen, darunter die Commerzbank und der Deutschen Bank, gehalten.

Rückendeckung für Enders

Konzernchef Enders wird nach der Verhandlungspleite indes von verschiedenen Seiten der Rücken gestärkt. So habe der EADS-Verwaltungsrat dem Manager die volle Unterstützung zugesichert, sagte ein Konzernsprecher. Auch die Bundesregierung stützte Enders. "Die Bundesregierung will, dass Enders bleibt", hieß es in Regierungskreisen.

"Aus meiner Sicht ist Enders nach wie vor der Beste für den Chefposten bei EADS", sagt auch Société Générale-Experte Zafar Kahn. Nach dem Ende der Verhandlungen war darüber spekuliert worden, dass Enders in seiner Funktion als Vorstandschef nun beschädigt sei.

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  • 10. L-3 Communications, USA

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    (Quelle: Friedensforschungsinstitut Sipri, Stockholm; Stand: 2010, dpa)

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