Yves Mersch
Luxemburger Notenbanker bangt um EZB-Posten
Der luxemburgische Zentralbankchef Yves Mersch sollte eigentlich ins Direktorium der EZB berufen werden. Doch die Anhörung verzögert sich. Denn das Europaparlament stört sich an seinem Geschlecht.
Das Hickhack um die Berufung des luxemburgischen Zentralbankchefs ins Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) geht weiter. Zwar hat der Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments die lange verweigerte, aber nötige Anhörung Merschs nun für den 22. Oktober angesetzt. Ausschussmitglied Sven Giegold von den Grünen aber sieht das als "den nächsten Eskalationsschritt", wie er der Berliner Morgenpost sagte.
Die Wortführer um die Ausschussvorsitzende Sharon Bowles stören sich daran, dass in der Zentralbankführung keine Frauen vertreten sind. "Es gibt zu diesem Auswahlprozess eine fraktionsübergreifende Ablehnung. Deswegen wird die Anhörung jetzt stattfinden", sagte Giegold. Er werde sich für ein negatives Votum einsetzen. "Es kann nur eine negative Positionierung des Parlaments geben."
Forderung nach mehr Frauen
Die Ablehnung liegt nicht an Merschs Qualifikationen. Die Fairness gebiete, ihn erst anzuhören, sagte Giegold – aber der Auswahlprozess "wirkt auf den Kandidaten zurück".
Die Forderung nach mehr Frauen an den entscheidenden Stellen europäischer Finanz- und Währungspolitik hatte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in einem fünfzeiligen Brief an Parlamentspräsident Martin Schulz damit beschieden, er werde die Regierungschefs darauf hinweisen, "dass es wünschenswert ist, künftig qualifizierte Frauen für solche und andere Posten zu suchen".
Das empört die Abgeordneten: "Die Antwort des Ratspräsidenten kann nur eine negative Antwort des Parlaments nach sich ziehen, denn sie war unverschämt", sagte Giegold.
Notenbanker sind genervt
Notenbanker sind inzwischen zunehmend genervt von dem Gezerre. Spitz wird darauf verwiesen, dass Bowles' Werben für mehr Frauen in Zentralbanken just mir ihrer eigenen Kandidatur für den Chefposten bei der Bank of England zusammenfalle.
Offiziell wollen sich EZB-Vertreter derzeit allerdings derzeit lieber nicht zu der Angelegenheit äußern – um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.


















