Kurfürstendamm
Berliner Kranzler-Eck gehört jetzt Norwegen
In Zeiten der Finanzkrise gelten deutsche Immobilien als sicherer Hafen. Der Norwegische Staatsfonds ging auf Shopping-Tour in Berlin.
Das Neue Kranzler-Eck am Kurfürstendamm hat neue Eigentümer. Der Norwegische Staatsfonds und der Versicherer AXA haben die Immobilie im Paket mit anderen Objekten erworben. Der Vertrag wurde auf der Expo Real in München unterzeichnet, der größten europäischen Immobilienmesse, die am Dienstag zu Ende ging. Verkäufer war die Royal Bank of Scotland, die die Immobilie von einem Morgan Stanley Fonds, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, übernehmen musste. Für das Immobilienpaket, zu dem neben dem Kranzler-Eck auch das Frankfurter Bürohaus Die Well gehört, zahlen die Käufer 784 Millionen Euro.
Verhandelt wurde in München auch der Verkauf der 16 Immobilien des SEB-Fonds Immoinvest am Potsdamer Platz in Berlin. Die Immobilien sollen noch in diesem Jahr an angloamerikanische Finanzinvestoren abgegeben werden, erfuhr Morgenpost Online aus Branchenkreisen. Die Verhandlungen seien "weit gediehen". Das Investmenthaus SEB wollte sich dazu aber nicht äußern. Kein Kommentar, hieß es dazu in Frankfurt am Main. Der SEB-Fonds wird nach einer Anlegerflucht in den vergangenen Jahren abgewickelt und muss das Daimler-Quartier in Berlin bis 2017 verkaufen. Ein erster Verkaufsversuch scheiterte im Dezember 2011 an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die SEB Asset Management soll 1,48 Milliarden Euro verlangt haben, die Kaufinteressenten wollen aber nur etwa eine Milliarde Euro geben.
Deutsche Immobilien als sicherer Hafen
Die Expo Real zeigte: Profi-Investoren wollen nur noch eins – ihr Geld in sichere deutsche Immobilien anlegen, am besten gleich in ganzen Wohnungspaketen. Doch auch moderne Bürogebäude und gut gehende Handelsimmobilien sind gefragt wie noch nie. Das Angebot an attraktiven Immobilien ist aber in Deutschland begrenzt, weil zu wenig gebaut wird. Als Hauptgrund für die Zurückhaltung der Projektentwickler gilt die restriktive Finanzierungspolitik der Banken.
Die Immobilienbranche spürt die abflauende Konjunktur in Deutschland aber noch nicht. Denn Investmentfonds, Versicherungen und Pensionskassen sorgen für anziehende Nachfrage auch nach Gewerbeimmobilien. "Wenn Märkte anderswo im Abschwung sind, hat sich Deutschland immer als Liebling der Branche erwiesen", kommentierte Jörg Banzhaf, Deutschland-Chef des niederländischen Projektentwicklers, den aktuellen Trend.
Wohnimmobilien gefragt
Doch auch Wohnungspakete sind gefragt. "Während einige gewerblich geprägte Immobilienfonds abgewickelt werden, stehen Wohnimmobilien im Fokus", berichtet Makler Wulff Aengevelt. "Wurden sie in der Vergangenheit noch von breiten Anlegerkreisen als verwaltungsintensiv und zu gering rentierlich eingestuft, gelten sie längst als sicherer Hafen und Investors Liebling." So ist es kein Wunder, dass die Deutsche-Bank-Tochter RREEF für ihre institutionellen Kunden in München einen Spezialfonds präsentierte, dessen 500 Millionen Euro zur Hälfte in Wohnungen angelegt werden.
Für Investoren ist auch wichtig, dass der deutsche Büroimmobilienmarkt trotz Euro-Krise in bester Verfassung ist. Bundesweit liegt der Leerstand bei 9,2 Prozent und damit so tief wie seit vier Jahren nicht mehr, wie der Immobilienverband IVD mitteilte. Die Mieten für Büros mit mittlerem Nutzungswert sind in den Großstädten 2012 sogar um 3,9 Prozent gestiegen, Unternehmen akzeptieren unterdessen sogar Nebenlagen.

















