10.10.12

Spanische Medienkrise

"Wir müssen unsere Köpfe für Berggruen hinhalten"

Karstadt-Eigentümer Berggruen wollte auch den spanischen Medienkonzern Prisa wieder auf Kurs bringen. Doch dieser Plan ist grandios gescheitert. Gelohnt hat es sich für den Investor trotzdem.

Foto: Bloomberg

Das Vermögen des 51-jährigen Berggruen wird auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt
Das Vermögen des 51-jährigen Berggruen wird auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt

Als der große Retter und Heilsbringer ließ sich der deutsch-amerikanische Finanzinvestor Nicolas Berggruen feiern, als er im März 2010 bei Spaniens größtem Medienkonzern Prisa, dem Eigentümer von Spaniens auflagenstärkster Zeitung "El País" einstieg.

"Wir bringen unser Kapital ein, helfen dem Konzern seine Schulden abzubauen und werden ihn wieder auf Wachstumskurs bringen", so Berggruen damals in Madrid. Er erklärte sich bereit, 900 Millionen Euro in die schwer angeschlagene Prisa zu stecken.

"Wer kein Twitter-Konto hat, hat hier nichts verloren"

Heute weiß man: Letztlich investierten Berggruen und seine Geschäftspartner mit ihrem Investmentfonds Liberty nur 650 Millionen Euro und von diesen blieben wohl viele in der Chefetage hängen. Gleichzeitig sorgte die schwere Wirtschaftskrise dafür, dass die meisten Geschäftssparten der Gruppe immer mehr unter die Räder gerieten. Schon vor zwei Jahren gab es Entlassungen im Druckereigeschäft und im Pay-TV- Bereich.

Jetzt griff die Krise auf das Zeitungsgeschäft über. Dafür muss jetzt die Belegschaft von " El País" zahlen. "Wir können nicht mehr weiter so gut leben", so Prisa-Chef Juan Luis Cebrian und kündigte die Streichung von einem Drittel der 464 Stellen im Redaktionsbereich an.

"Wer kein Twitter-Konto hat, hat hier nichts mehr verloren. Diejenigen über 50 haben nicht das berufliche Profil für das von uns angestrebte Zeitungsmodell", so Cebrián, selbst bald 68 Jahre alt. Der verbliebenen Belegschaft will er das Gehalt um 15 Prozent kürzen.

Konzernchef Cebrián wird fürstlich entlohnt

"El País ist keineswegs in der Verlustzone", konterten die Redakteure in einer offiziellen Stellungnahme und drohten mit Streikaktionen in den nächsten Wochen. "Cebrián muss unsere Köpfe an Herrn Berggruen übergeben, dem Finanzier, an den er unsere Firma verschleuderte". Sie halten dem Chef vor, sich bereits in den Krisenjahren 2010 und 2011 das Gehalt kräftig erhöht zu haben, seine Jahresbezüge summieren sich auf mittlerweile 13 Millionen Euro.

Damit sei er einer der bestbezahlten Manager in ganz Europa. In diesem Jahr habe er sich bereits einen Bonus von 30 Prozent gesichert, während er die Prisa-Aktien auf Talfahrt geschickt habe. Tatsächlich sind die Prisa-Titel, die im Juni 2000 noch 20 Euro Wert waren inzwischen auf 0,30 Euro abgesackt. "Herr Cebrián sollte einen Teil der Millionen, die er sich selbst genehmigt hat, zurückgeben, um die Zukunft unseres Blattes zu garantieren".

Die große Zeit der "El País" kam nach Franco

In der Tat steht einiges auf dem Spiel. Die bereits 1976 gegründete linksliberale Zeitung ist die renommierteste Spaniens, nach dem Ende des Franco-Regimes erreichte sie seinerzeit aus dem Stand heraus eine sechsstellige Auflage. Darauf ist man bis heute stolz. Aus Sicht der Redakteure rächt sich jetzt, dass die Investorengruppe um Nicolas Berggruen seinerzeit die Mehrheit am Kapital der spanischen Mediengruppe erhielt.

Der bisherige Haupteigentümer, die Polanco-Familie, hat schon lange das Handtuch geworfen. Nach dem Tod des Firmengründers Jesús Polanco vor drei Jahren reduzierte sie ihren Anteil von 70 auf 30 Prozent. Nur noch ein Mitglied der Polanco-Familie ist überhaupt noch im Vorstand vertreten und hat de facto keinen Einfluss mehr auf die Geschäftspolitik. Und der jetztige Prisa Chef Cebrián ist hauptsächlich damit beschäftigt, Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren.

Wirtschaftskrise belastet alle Sparten

Allzu forsch hatte er auf den Ausbau des Pay-TV-Geschäfts gesetzt und dem Konzern dabei einen Schuldenberg von fast drei Milliarden Euro aufgebürdet. Besserung ist kaum in Sicht: Nicht einmal jeder zehnte Spanier kauft noch eine Tageszeitung. Darunter leiden alle Printmedien des Konzern: "El País", die Wirtschaftszeitung "Cinco Días" und die täglich erscheinende Sportzeitung " As".

Dem Prisa-Konzern gehören auch der landesweite Radiosender Cadena SER und der Verlag Santillana, sowie mehrere TV-Sender. Lediglich das Verlagsgeschäft in Spanien und Lateinamerika, wo Prisa den Schulbuchmarkt dominiert, läuft gut. Ansonsten aber gestaltet sich die Umwandlung in einen digitalen Medienkonzern schwieriger als gedacht.

Die hartnäckige Wirtschaftskrise auf der Iberischen Halbinsel und die rückläufigen Werbeeinnahmen haben den finanziellen Spielraum eingeengt. Die Gruppe musste bereits ihren spanischsprachigen Nachrichtensender CNN+ verkaufen, Beteiligungen am Radiogeschäft stehen zur Disposition.

"Für Berggruen hat sich der Deal gelohnt"

Allerdings sind auch Cebrians Tage bei Prisa gezählt. Bald werden dort neben Berggruen nur noch die Gläubigerbanken das Sagen haben. Bis spätestens 2014 wollen sie einen Teil ihrer Verbindlichkeiten in Kapital umwandeln und ihre Mitglieder in den Vorstand entsenden.

Und Berggruen? Der hält sich bedeckt, was seine Pläne bei Prisa angeht. Seine Schäfchen soll der 51-Jährige, dessen Vermögen auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt wird, längst im Trockenen haben. Laut "eldiario.es" hat er sich das eingesetzte Kapital drei Jahre lang mit sieben Prozent Zinsen honorieren lassen, während die anderen Prisa-Aktionäre schon lange keine Dividende mehr erhalten.

"Der Untergang von 'El País' wäre ihm egal", befindet die Zeitung. "Für ihn hat sich der Deal allemal gelohnt".

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Karneval der Kulturen der Welt
20:12Umzug
Karneval der Kulturen – 700.000 feiern in Kreuzberg

In Berlin-Kreuzberg ist es wieder bunt und voll: Tausende Tänzer, Musiker und andere Akteure inszenieren den Karneval der Kulturen. 75 Gruppen sind bei dem Multikulti-Umzug dabei. mehr...

title
17:44Wiederaufstieg
Herthas blau-weißer Feiertag

Hertha BSC beendet die Saison mit einem 1:1-Unentschieden im Berlin-Brandenburg-Derby gegen Energie Cottbus. Mit 76 Zählern stellt das Team von Trainer Jos Luhukay einen neuen Punkterekord auf. mehr...

Sonne in Berlin
19:03Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Montag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Montag, den 20. Mai. mehr...

VfL Bochum - 1. FC Union Berlin
16:41Zweite Liga
Union gelingt mit Auswärtssieg versöhnlicher Saisonabschluss

Mit Tabellenrang sieben und dem ersten Auswärtserfolg nach acht sieglosen Spielen auf fremden Plätzen beendet der 1. FC Union die Zweitliga-Saison. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Warum Madrid beim Retttungsschirm zögert
  • Kein Antrag

    Eine der Spekulationen läuft darauf hinaus, dass Spanien keinen neuen Hilfsantrag in Brüssel vorlegen will. Diese Vermutung kam im September auf, als die Lage auf den Anleihemärkten sich leicht entschärfte und der Zinssatz für Zehn-Jahres-Anleihen unter die Marke von sieben Prozent fiel. Ein Stresstest der spanischen Banken ergab, dass die Krise des Finanzsystems nicht ganz so dramatisch ist wie befürchtet. Dies ließ die Hoffnung aufkommen, dass die Anleger wieder Vertrauen in die spanischen Papiere gewinnen könnten. Der Budgetentwurf für 2013 versetzte diesen Hoffnungen jedoch einen Dämpfer. Er machte deutlich, wie schwer sich Spanien aufgrund der wachsenden Zinslasten mit der Einhaltung des Defizitziels tun wird.

  • Warten auf Regionale Wahlen

    Am 21. Oktober stehen in Galicien und im Baskenland Regionalwahlen an. Vor allem die Abstimmung in Galicien gilt als ein wichtiger Test: In der Region im Nordwesten des Landes regiert Rajoys konservative Volkspartei (PP), zudem ist Galicien die Heimat des Regierungschefs. Eine Wahlniederlage der PP in Rajoys Heimatregion wäre ein schwerer Schlag für die Regierung. Es wird daher spekuliert, Madrid warte mit einem Hilfegesuch bis nach den Wahlen ab.

  • Widerstand in der EU

    In den vergangenen Tagen hat sich in Spanien eine weitere Spekulation ausgebreitet. Danach soll sich das Land zu einem Hilfegesuch entschlossen haben, dieses aber zurückhalten aus Angst, dass der Antrag in Brüssel bei einzelnen EU-Staaten auf Ablehnung stoßen könnte. Länder wie Deutschland, Finnland oder die Niederlande wären über ein neues Gesuch der Spanier alles andere als erfreut, berichten die Madrider Zeitungen. Sie verweisen unter anderem auf eine Äußerung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der kürzlich erklärt hatte, Spanien benötige zur Lösung seiner Finanzprobleme kein Hilfsprogramm.

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
Parlament Bundestag debattiert über Atommüllendlager
Cannes Emma Watson spielt Kriminelle in Coppolas Film
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftGriechenlandDas Selbstbewusstsein ist zurück in Athen
  2. 2. Deutschland„Grünes Band“Landwirte fürchten kalte Enteignung ihrer Felder
  3. 3. Henryk M. BroderUmweltbundesamtEine Behörde erklärt die Klimadebatte für beendet
  4. 4. DeutschlandSPD-KanzlerkandidatSteinbrücks Pläne für den Fall eines Wahlsiegs
  5. 5. DeutschlandRheinland-PfalzUnbekannte attackieren Islamverein mit Kunstblut
 
tb_airberlin.gif
airberlin - Destination…

airberlin baut die Verbindungen nach Polen aus. Erfahren…mehr

tb_Erste-Adressen.jpg
Berlins Erste Adressen

Eine Initiative der Berliner Kaufleute und der Berliner…mehr

Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotografie

Die besten Bilder des Tages

Straßenfest

Karneval der Kulturen 2013

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote