10.10.12

Straßenschäden

Ramsauer denkt über beheizte Autobrücken nach

Verkehrsminister Ramsauer hat seine Pläne für die deutschen Straßen präsentiert. Manches klingt dabei nach Zukunftsmusik – und könnte außerdem teuer werden.

Foto: dpa
Schlaglöcher werden künftig ausgefräst und mit diesen sogenannten Betonplomben geschlossen. „In rund zwei Stunden ist alles fertig“, sagt Minister Ramsauer
Schlaglöcher werden künftig ausgefräst und mit diesen sogenannten Betonplomben geschlossen. "In rund zwei Stunden ist alles fertig", sagt Minister Ramsauer

Wenn Peter Ramsauer (CSU) seine ausdruckslose Minister-Miene aufsetzt und beteuert, was nun folge, sei "nicht ironisch gemeint", kann man getrost eine kräftige Pointe erwarten. Er begrüße das Urteil des Bundesverwaltungsgericht, das nach endlosem Hickhack den Weiterbau der A 100 in Berlin ermögliche, so der Bundesverkehrsminister in Berlin. "Nachdem wir nun alle Auflagen erfüllt haben und jeden Wurm oder Lurch von Hand umsetzen, kann es weitergehen", so Ramsauer.

500 Millionen Euro für 3,2 Kilometer

Freilich, so der Minister, habe das Projekt einen Haken: Rund eine halbe Milliarde Euro werde das gerade mal 3,2 Kilometer lange Teilstück in der Bundeshauptstadt am Ende kosten. "Das ist das teuerste Stück Autobahn, das je in Deutschland gebaut wurde", so Ramsauer. Und das in Zeiten, in denen es am Nötigsten für den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur fehlt.

Immerhin hat der oberste Bauherr im Land nun wenigstens diese Baustelle – im übertragenen Sinne – vom Tisch, und kann sich seinem größten Problem widmen: Das immer längere Straßennetz mit immer weniger Mitteln instand zu halten. Und weil das nach bisherigem Schema nicht geht, hat der Minister ein Programm vorgestellt, dessen Ziel es ist, Deutschlands Fahrwege fit für die Zukunft zu machen.

Drei Projekte sind schon weit gediehen

"Straßen sind in Zukunft mehr als Asphalt und Beton. Wir müssen sie zu Datenträgern machen, die die Kommunikation von Infrastruktur und Fahrzeug erlauben", so Ramsauer. Gleichzeitig sei der Druck enorm, schneller, kostengünstiger und umweltschonender zu bauen. Das Programm "Straßen im 21. Jahrhundert", das bis 2030 mit rund zwölf Millionen Euro jährlich ausgestattet wird, soll die Anleitung liefern, diesen Spagat zuschaffen.

Das Konzept ist eine Mischung aus kurz- und langfristigen Maßnahmen, doch drei Projekte sind bereits weit gediehen. Da wären zum einen die derzeit von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erprobten Betonplomben, mit denen Straßenschäden rasch ausgebessert werden können.

Dabei werden Schlaglöcher ausgefräst, die Fertigteile eingelassen und verfugt. "In rund zwei Stunden ist alles fertig", so Ramsauer. Mit der Plomben-Technik soll die Zahl der baustellenbedingten Staus verringert und günstiger gebaut werden.

53.000 Kilometer Straße müssen instand gesetzt werden

Das ist dringend nötig. Es gebe einen "dramatischen Instandhaltungsrückstand" bei den 53.000 Kilometern Autobahnen und Bundesstraßen, so der Minister. In den Planungen des Bundes sollen die Mittel für Neu- und Ausbauprojekte bis 2016 auf das historische Tief von jährlich 1,5 Milliarden Euro gesenkt werden, um dafür bei den Mitteln für den Erhalt von Straßen auf einen Höchststand von rund drei Milliarden Euro im Jahr zu kommen.

"Wenn sich an der Budgetlage nichts ändert, werden wir Arbeiten an Baustellen verlangsamen oder abbrechen müssen", so Ramsauer. Also spornt er seine Mitarbeiter zu noch mehr Erfindergeist an.

Brücken sollen beheizt werden

Projekt zwei des Programms mit unzähligen Punkten klingt nicht gerade nach sparen, würde Autofahren aber sicherer machen und sich obendrein rechnen. Das BASt experimentiert seit geraumer Zeit damit, in harten Wintern gefährlich glatte Brücken mit beheizten Fahrbahnen auszustatten. Dabei wird durch Erdwärme temperiertes Wasser durch Rohre geleitet, die sich durch den Belag ziehen.

Die Rutschbahnen werden so entschärft, die Zahl der Unfälle sinkt – und der zeit- sowie personalaufwendige Einsatz von Räum- oder Enteisungskommandos entfalle, so die Bilanz des BASt. "Automatische Taumittelsprühanlagen, die aufgrund ökonomischer und ökologischer Bedenken umstritten sind, erübrigen sich damit ebenfalls", heißt es in einem Bericht der Straßenexperten.

Schadstoffschluckende Straßenbeläge

Dritte Maßnahme, die sich wohl in absehbarer Zeit umsetzen lässt, ist die Verwendung von Belägen, die Schadstoffe schlucken. Obwohl immer mehr getan wird, um Autoabgase zu filtern, nähmen die Stickstoffdioxid-Immissionen "nicht in dem erwarteten Umfang ab", heißt es in einem weiteren Dossier der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Daher werden derzeit Beschichtungen getestet, die Stickoxide in ungefährlichere Gase umwandeln, wenn sie damit in Berührung kommen. Entsprechend behandelte Lärmschutzwände stehen an der A 1 bei Osnabrück.

Insgesamt sieht der Zeitplan des Ministeriums drei "Meilensteine" bis zum Erreichen der Ziele des Forschungsprogramms vor: Bis 2014 sollen Konzepte zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, Nachhaltigkeit und Interaktion der Verkehrsinfrastruktur stehen, bis 2020 sollen sie überprüft und im Regelwerk der Behörden verankert sein. 2030 ist das Programm laut Plan abgeschlossen. Die Idee, Schlaglöcher mit Betonfertigteilen zu stopfen, hätte man eigentlich längst haben können – meint auch Minister Ramsauer: "Aber auf die simpelsten Dinge kommt man oft erst spät."

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