08.10.12

Konjunktur

IWF warnt die Welt vor der europäischen Krise

Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds schlagen Alarm. Die Schuldenkrisen der westlichen Staaten gefährden das globale Wachstum. Nur Deutschland kommt noch glimpflich davon.

Von Tobias Kaiser
Foto: DPA
IWF
Christine Lagarde, die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF): In diesem Jahr erwartet der IWF nur noch ein Plus von 3,3 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte weniger als im April prognostiziert

Die Vertrauenskrise in den Industriestaaten droht, das weltweite Wachstum auch im kommenden Jahr zu belasten. Davon geht der Internationale Währungsfonds aus, der seine Wachstumsprognose für die globale Wirtschaft für dieses und für das kommende Jahr erneut gesenkt hat. "Die Lage der Weltwirtschaft hat sich weiter verschlechtert und signifikante Verbesserungen sind nicht in Sicht", schreiben die IWF-Ökonomen in ihrer aktuellen Prognose für die Weltwirtschaft.

Die globale Wirtschaft werde deshalb weniger stark wachsen als erwartet und in diesem Jahr nur um 3,3 Prozent zulegen und 2013 um 3,6 Prozent. Damit korrigieren die Konjunkturexperten der Organisation ihre Erwartungen bereits zum zweiten Mal in Folge nach unten: Noch im April war der IWF von Zuwachsraten von 3,6 und 4,1 Prozent ausgegangen.

Auch für die deutsche Wirtschaft erwarten die Ökonomen nun ein geringeres Wachstum als noch vor wenige Monaten: In diesem Jahr soll demnach die Wirtschaftsleistung hierzulande um 0,9 und damit so stark wie bereits erwartet. Für 2013 allerdings rechnen die Prognostiker ebenfalls nur noch mit einem Mini-Plus von 0,9 Prozent, zuvor waren es noch 1,4 Prozent gewesen.

Lob für die Politik der EZB

Das Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Monaten hänge vor allem von den Entwicklungen in der Euro-Zone und den USA ab. "Die Krise in der Euro-Zone bleibt weiterhin die offensichtlichste Gefahr für die Aussichten weltweit", warnen die Autoren des Berichts.

Die Organisation mit Sitz in Washington lobt allerdings in diesem Zusammenhang die Politik der EZB und die Ankündigung der Zentralbank, notfalls unter bestimmten Bedingungen Anleihen der Krisenstaaten in unbegrenztem Umfang aufzukaufen.

"Jetzt sind die nationalen Politiker an der Reihe, ihren Beitrag zu leisten", schreiben die Autoren des Berichts. Der permanente Rettungsmechanismus ESM müsse auf den Weg gebracht werden und die Mitglieder der Währungsunion müssten damit beginnen, die geplante europäische Bankenunion weiter voranzutreiben. Zuletzt hatte sich Widerstand gegen die weitere Entwicklung der geplanten Bankenunion formiert.

Euro-Krisenländer bleiben auch 2013 in der Rezession

Außerdem seien glaubwürdige Schritte hin zu einer engeren Fiskalunion mit stärkeren Durchgriffsrechten für Brüssel nötig, um eine tatsächliche Währungs- und Wirtschaftsunion zu schaffen. "Eine stärkere Absicherung über die gesamte Euro-Zone hinweg benötigt mehr Kontrolle über das gesamte Gebiet hinweg", fordern die IWF-Experten.

Die südlichen Krisenländer drohen, auch im kommenden Jahr in einer hartnäckigen Rezession zu verharren: Der IWF erwartet, dass die spanische Wirtschaft nach einem Rückgang um 1,5 Prozent in diesem Jahr im kommenden Jahr noch einmal um 1,3 Prozent schrumpft. Die griechische Wirtschaftsleistung soll im kommenden Jahr erneut um gewaltige 4 Prozent sinken; in diesem Jahr soll das Minus bei sechs Prozent liegen.

In der USA droht ein brutaler Konjunktureinbruch

Die Verfasser des Berichts warnen aber davor, den Blick auf Europa zu verengen. Auch in den USA lauerten Risiken für das weltweite Finanzsystem. Ende des Jahres werden dort Steuererleichterungen auslaufen und automatische Ausgabenbremsen in Aktion treten.

Die beiden Ereignisse könnten gemeinsam dafür sorgen, dass die Staatsausgaben stark fallen. Ökonomen rechnen damit, dass der kombinierte Effekt dafür sorgen könnte, dass die US-Wirtschaft um mehr als fünf Prozent schrumpft. Für die US-Wirtschaft, die sich nur langsam und schwerfällig von der Finanzkrise erholt und bisher nicht ausreichend neue Arbeitsplätze schafft, wäre das eine große Belastung.

Zudem droht in den kommenden Wochen erneut eine Diskussion um die Anhebung der Schuldengrenze, die bereits im vergangenen Jahr, die Märkte nervös gemacht hat. Die US-Politik müsse schnell handeln, warnt der IWF, andernfalls könne die US-Wirtschaft erneut in eine Rezession abrutschen und das werde schädliche Auswirkungen weltweit haben.

Bundesregierung glänzt im internationalen Vergleich

Auch in China und anderen asiatischen Ländern erwartet der Währungsfonds schwächeres Wachstum. Nach 7,8 Prozent Plus in diesem Jahr soll die Wirtschaft dort im kommenden Jahr um 8,2 Prozent zulegen. Auch die Weltbank hat die Wachstumsprognose für China für dieses und nächstes Jahr gesenkt.

Der prekäre Zustand der Staatsfinanzen in den Industrieländern sei weiterhin einer der größten Unsicherheitsfaktoren für die Weltwirtschaft, warnt der IWF. "Obwohl erhebliche Fortschritte gemacht wurden, die öffentlichen Finanzen auf eine nachhaltigere Basis zu stellen, bleibt die fiskalische Verwundbarkeit der Staaten hoch", schreiben die Autoren des "Fiscal Monitors", einer weiteren IWF-Studie.

Tatsächlich erwartet die Organisation, dass die großen Industrieländer in diesem und kommendem Jahr erneut in großem Umfang Schulden machen. Was Deutschland betrifft, sind die Experten allerdings zuversichtlich: Bundesfinanzminister Schäuble und seine Kollegen dürften in beiden Jahren nur noch ein Haushaltsdefizit von 0,4 Prozent machen – etwas weniger als noch im April erwartet.

Quelle: dapd
04.10.12 1:10 min.
Nach Ansicht des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung ist wegen der strikten Sparpolitik in Deutschland nur mit einem mageren Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent zu rechnen.
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