08.10.12

Internet

Videoplattform YouTube will Fernsehen machen

Die Online-Plattform YouTube wird zum ernsthaften Mitbewerber im Fernsehmarkt. Kreative werden für Videos bezahlt - auch Berliner.

Foto: dpa
YouTube
Neues Programm: Der US-Anbieter Youtube will weltweit mit 60 Kanälen dem Fernsehen Konkurrenz machen, elf davon kommen aus Deutschland

Mit eigenen Inhalten sollen Fernsehzuschauer auf die YouTube-Kanäle gelockt werden. Dazu bezahlt die Google-Tochter erstmals Kreative für die Erstellung sogenannter "Original Channels" – virtuelle Programmkanäle, die Nischenthemen abdecken. Von weltweit 60 neuen Kanälen werden ab Montag elf von deutschen Künstlern und Fernsehmachern bestückt.

Dabei setzen YouTubes Einkäufer auf ein ständig variiertes Themenspektrum, auf einen Mix aus professionellen etablierten Anbietern und Newcomern: Endemol liefert einen Survival Guide für Eltern, die Ufa steuert ein Reality-Krimiformat und einen Kulturführer über Berlin bei. Die junge Berliner Band "Onkel Berni" will aus dem eigenen Wohnzimmer eine eigene Late-Night-Show produzieren, unter dem Stichwort Boneless kommt ein eigener Extremsport-Channel hinzu. Der wilde Mix ist Konzept – YouTube will ausprobieren, welche der neuen Kanäle so erfolgreich sind, dass sie auch ohne Dauerfinanzierung aus den USA funktionieren.

Eigenes Programm abbonieren

"Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um unser Wachstum zu beschleunigen", sagt Robert Kyncl, YouTubes für die Inhalte zuständiger Vizepräsident, Morgenpost Online . "Zum einen sind internetfähige Geräte – große wie kleine – inzwischen überall verbreitet. Zum anderen war die professionelle Produktion von Inhalten nie so günstig machbar wie heute." Mit der Inhalteoffensive will YouTube seine Nutzer stärker an einzelne Künstler und ihre Kanäle binden, sie so dazu animieren, immer öfter auf die Seite zurück zu kommen. Im Idealfall sollen sie, so hofft Kyncl, sich ihr eigenes Fernsehprogramm aus YouTube-Spartenkanälen abonnieren, und so natürlich öfter YouTube anstatt der klassischen Fernsehkanäle nutzen.

Neu ist in Deutschland vor allem das Finanzierungsmodell: Bislang wurden die Videomacher von YouTube lediglich an den Einnahmen beteiligt, die YouTube mit Werbespots rund um ihre Inhalte verdient. Nun gehen die Kalifornier einen Schritt weiter, und finanzieren auch hierzulande die Produktion der Videos. "Wir bringen die nationalen Märkte jeweils etwa zwei Jahre lang mit eigenen Mitteln in Schwung. Dann schauen wir uns das Resultat an, arbeiten je nach Erfolg mit den bestehenden Partnern weiter, schaffen mit ihnen neue Spartenkanäle oder suchen neue Partner", erklärt Kyncl.

Dabei beweisen sie, das auch mit auf extrem kleine Nischen zugeschnittenem Material gutes Geld verdient wird, vorausgesetzt sie wirken authentisch und sind gut gemacht: Eine Ein-Frau-Show für koreanische Kochrezepte zieht in den USA bereits ebenso Millionen Zuschauer an wie ein Kanal für Persiflagen bekannter Computerspiele.

In dem Erfolg der Nischenkonzepte sieht Kyncl die Grundlage für eine Revolution des Marktes der Videoproduzenten: "Wer bei uns veröffentlicht, kann sich nicht darauf beschränken, gutes Videomaterial zu liefern – er muss selbst zum Unternehmer werden, seine eigene Fanbasis schaffen, seinen Kanal in sozialen Netzwerken bewerben." YouTube hat, erklärt Kyncl, in den vergangenen Jahren systematisch die Grundlagen für die weltweite Expansion mit eigenen Inhalten geschaffen. Dafür waren drei Investitionen entscheidend: "Als Google YouTube im Jahr 2006 gekauft hat, investierten wir als erstes 30 Millionen Dollar in die Entwicklung des Content-ID-Systems." Das System dient dem Schutz von Urheberrechten, erlaubt den Rechteinhabern, Referenzdateien hochzuladen.

Das Ziel: Geld verdienen

Die Rechteinhaber haben dann drei Optionen: Sie können die Verwendung ihres Materials auf der Plattform lediglich beobachten, sie können sperren lassen, und sie können Werbung dazu schalten, und so daran verdienen. "Letztere Option entwickelt sich aktuell zu einer immer wichtigeren Einkommensquelle für unsere Partner", erläutert Kyncl. "Zweitens starten wir YouTube aktuell in so vielen Ländern wie möglich. Dafür reicht es nicht, einfach nur eine nationale Domain zu sichern, und die Seite zu übersetzen. Aktuell schauen die Nutzer überall in der Welt über vier Milliarden Stunden YouTube-Videos pro Monat, 72 Stunden Material werden pro Minute hochgeladen – wir müssen eine entsprechend robuste Server-Infrastruktur aufbauen." Die dritte Säule der Expansion ist die wohl wichtigste für den Mutterkonzern Google: "Wir wollen mit YouTube Geld verdienen."

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