EADS und BAE Systems
Megafusion in Rüstungsbranche steckt in Sackgasse
Die Fusion zwischen den beiden Rüstungsriesen EADS und BAE Systems könnte am politischen Zwist scheitern. Die deutsche, französische und britische Regierung fürchten um ihren Einfluss auf den Konzern.
Wegen des Streits um staatliche Beteiligungen befinden sich die Verhandlungen über eine Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems in einer Sackgasse.
Nach Angaben aus informierten Kreisen würde Großbritannien eine Beteiligung Deutschlands und Frankreichs von jeweils neun Prozent an dem neuen Konzern zwar akzeptieren. London verlangt aber im Gegenzug, dass sich Paris schriftlich verpflichtet, auf sein Vorkaufsrecht für die EADS-Anteile des französischen Lagardère-Konzerns zu verzichten und keine weiteren EADS-Anteile zu kaufen. Das wiederum lehnt die französische Regierung ab.
Deal ist fraglich
Damit steht infrage, ob der Deal überhaupt noch zustande kommen kann. Ohne eine Zustimmung der beteiligten Regierungen wird eine Fusion von EADS und BAE Systems kaum möglich sein. Mit der Fusion würden die beiden Unternehmen den weltgrößten Rüstungskonzern schaffen.
Die Regierungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind sich allerdings uneins darüber, welches Land welchen Einfluss auf den Konzern haben wird. Die Bundesregierung dringt auf ein Machtgleichgewicht mit Frankreich. Großbritannien hingegen möchte den staatlichen Einfluss auf ein Minimum reduzieren.
EADS ist optimistisch
EADS sieht die Gespräche nicht als gescheitert an. "Wir wurden von den Regierungen über den Verhandlungsstand informiert. Aber es wurde uns in keiner Weise mitgeteilt, dass der Deal abgesagt sei", erklärte ein Sprecher.
Doch die Lage ist verfahren. "Es bleiben nur noch wenige Tage, aber ich weiß nicht, wie oft sie sich noch treffen wollen", sagte ein Industrievertreter nach einer Videokonferenz der Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatschef François Hollande und des britischen Premiers David Cameron. "Sie leben ein Europa vor, das nicht funktioniert."
EADS-Chef gegen Staatsbeteiligung
EADS und BAE hatten Mitte September bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Bis zum 10. Oktober müssen sie gemäß britischer Börsenregeln das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts verkünden – oder eine Fristverlängerung beantragen.
Der französische Staat hält derzeit knapp 15 Prozent an EADS, weitere 7,5 Prozent der französische Konzern Lagardère. Es gilt als ausgemacht, dass sich Lagardère mittelfristig von Anteilen trennen will. Auf deutscher Seite hält Daimler 22,35 Prozent; 7,5 Prozent sind im Besitz eines Konsortiums, die Stimmrechte hält ebenfalls Daimler.
EADS-Chef Tom Enders ist gegen eine Staatsbeteiligung in dem neuen Unternehmen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien sollen aber über eine sogenannte goldene Aktie ein Vetorecht gegen feindliche Übernahmen bekommen. Auch die britische Regierung war bislang gegen eine Staatsbeteiligung.

















