Versicherungen
Diese Krankenkassen zahlen Ihnen Geld zurück
Seit Anfang des Jahres zahlen alle gesetzlich Versicherten einen einheitlichen Beitragssatz von 15,5 Prozent. Aber viele Unternehmen versprechen ihren Kunden über Zusatzleistungen, Bonusprogramme und Wahltarife Rückzahlungen von mehreren Hundert Euro. Daher kann sich der Wechsel trotz Einheitsbeitrag lohnen.
Von Lina Panitz
Finanztest hat Service, Mehrleistungen und Wahltarife von 113 allgemein geöffneten gesetzlichen Krankenkassen untersucht. Das Ergebnis: Die Unterschiede sind erheblich, eine Testsiegerin für alle gibt es nicht. Welche Extras und welcher Service für den Einzelnen wichtig seien, hänge von der Lebenssituation und den individuellen Wünschen wie etwa nach kostenloser homöopatischer Behandlung oder Hospiz-Zuschüssen ab. Insgesamt hatten sich die Tester von den Krankenkassen jedoch mehr Bewegung erhofft. "Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd. Die Kassen hätten jetzt eigentlich die Chance gehabt, mit sich mit Zusatzleistungen um die Kunden zu bemühen. Leider ist das Gegenteil der Fall, einige Leistungen wurden sogar wieder gestrichen. Für die Versicherten hätte ich mir mehr gewünscht", sagt Ulrike Steckkönig, Gesundheitsexpertin von der Stiftung Warentest.
Besonders ärgert sie, dass im Zuge der letzten Gesundheitsreform angekündigt wurde, dass jetzt auch kranke Patienten wieder mehr von den Kassen umsorgt werden, da es für sie mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds gibt. Mehrleistungen wie die häusliche Krankenpflege oder einen erhöhten Hospizzuschuss bieten aber nach wie vor nur wenige Krankenkassen – wie beispielsweise von den bundesweiten Kassen die BKK aktiv, die BKK Essanelle, die BKK Vor Ort und die R + V BKK. Der Hospiz-Zuschuss für Sterbende liegt per Gesetz bei rund 150 Euro am Tag, der erhöhte Zuschuss liegt bei über 300 Euro.
"Die Selbstdarstellung und der Werberummel der Kassen ist hingegen sehr auf die Gesunden fixiert", kritisiert Gesundheitsexpertin Steckkönig. Das Thema eigne sich offenbar besser zur Imagepflege. Mittlerweile bieten fast alle Kassen Zuschüsse zu Gesundheitskursen an. Auch die Kosten der Schutzimpfungen für private Reisen übernehmen immer mehr Kassen. Im Test boten das immerhin schon über 70 der 113 Unternehmen an. Chronisch Kranke wie etwa Diabetiker profitieren dagegen von sogenannten Disease-Management-Programmen, die durch abgestimmte Betreuung die Behandlung verbessern sollen. Versicherte könnten überdies durch Hausarztprogramme Praxisgebühren und Prämien sparen. Dabei binden sich Versicherte mindestens ein Jahr an einen Hausarzt und verzichten auf Facharztbesuche ohne Überweisung.
Bei den Werbebotschaften der Krankenkassen müssen Versicherte teilweise sehr genau hinsehen. Die Untersuchung entlarvte einige Kassen, die mit Zusatzleistungen werben, die eigentlich gesetzlich garantiert sind. Auf der Internetseite der Barmer Ersatzkasse tauchte beispielsweise die gesetzliche Pflegeversicherung in der Rubrik Zusatzleistungen auf. Und die BKK Mobil Oil nennt die Akkupunkturbehandlung für chronische Schmerzen im Ledenwirbelbereich als alternativmedizinische Zusatzleistung. Dabei ist sie eine Regelleistung, die jedem gesetzlich Versicherten zusteht. Andere Kassen weisen werbewirksam auf Zusatzleistungen hin und streichen sie dann zeitnah wieder. Noch während der Reisesaison 2008 verschwand etwa das Angebot für Schutzimpfungen auf privaten Reisen wieder aus der Satzung der DAK. Finanztest rät Verbrauchern, sich von Versicherungen eine schriftliche Bestätigung geben zu lassen, dass bestimmte Leistungen, die ihnen wichtig sind, auch in naher Zukunft bestehen bleiben.
Versicherte sollten also die Konditionen der Krankenkassen sehr genau zu vergleichen und das Unternehmen wechseln, wenn sie unzufrieden sind. Gesetzlich Versicherte haben die freie Kassenwahl und sie dürfen auch dann die Kasse mit einer zweimonatigen Kündigungsfrist wechseln, wenn die Kasse die Beiträge nicht erhöht. Einzige Vorraussetzung, sie müssen 18 Monate lang Mitglied der alten Kasse gewesen sein. "Keiner muss sich heute noch Servicemängel und schlechte Betreuung von seiner Kasse bieten lassen", sagt Gesundheitsexpertin Steckkönig. Wer also um Kosten zu sparen in eine ehemals günstige Kasse gewechselt sei und mit dem Service schon länger unzufrieden ist, sollte sofort wechseln. Schließlich erheben alle Kassen seit Jahresanfang einen einheitlichen Beitragssatz von 15,5 Prozent. Im Juli sinkt dieser Satz für alle auf 14,9 Prozent. Allen anderen rät Steckkönig sich zuerst bei der eigenen Kasse schlau zu machen, welche Zusatzleistungen wie Gesundheitskurse oder Hausbesuche sie bietet. "Viele sind unter Umständen schon in der richtigen Kasse und wissen gar nicht, was diese bietet".
Bei Wahltarifen mit Selbstbehalt, rät die Gesundheitsexpertin generell zur Vorsicht. Zwar haben die Versicherten so die Möglichkeit mehrere Hundert Euro im Jahr zu sparen, sie verzichten aber im Gegenzug auch auf Leistungen und tragen ein ökonomisches Risiko, im Krankheitsfall ordentlich draufzuzahlen. "Das ist Zocken mit der eigenen Gesundheit. Das sollte man sich sehr genau überlegen", meint Steckkönig. Zudem verzichten Verbraucher durch einen solchen Tarif für drei Jahre auf Kassenwahlrecht. Auf keinen Fall sollten Verbraucher wichtige Arztbesuche aufschieben, um ihre Prämie zu retten.
Am Mittwoch, den 3. Juni stehen die Finanztest-Experten für mehr Informationen zur Krankenkassen-Untersuchung im Onlinechat auf www.test.de bereit. Fragen können auch schon vorab ab dem 27. Mai unter www.test.de/chat-krankenkassen gestellt werden.
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