30.09.12

Porsche-Absatz

"Auch in Krisenzeiten ist genügend Geld im Umlauf"

Auch Porsche bereitet sich auf den Abschwung vor. Zwar sei ausreichend Geld da, doch heißt das nicht, dass dann teure Premiummodelle gekauft würden, sagt Porsche-Chef Matthias Müller im Interview.

Foto: AFP

Porsche-Chef Matthias Müller zeigte sich auf der Paris Motor Show trotz Konjunkturflaute in Europa optimistisch
Porsche-Chef Matthias Müller zeigte sich auf der Paris Motor Show trotz Konjunkturflaute in Europa optimistisch

Porsche gehört zu den erfolgreichsten Autoherstellern der Welt. Aber auch die Sportwagenbauer müssen sich auf die gravierenden Veränderungen in der Branche einstellen, um nicht abgehängt zu werden. Und Porsche-Chef Matthias Müller stellt sich die Frage, ob ein Porsche begehrenswert, wenn der Verbrennungsmotor mit seinem typischen Sound durch einen surrenden E-Antrieb ersetzt wird.

Die Welt: Herr Müller, Porsche hat in den ersten acht Monaten 92.474 Autos verkauft, 15 Prozent mehr als im Vorjahr und hier in Paris stehen dicke Menschentrauben am Stand. Trotzdem sind Sie ganz offensichtlich nicht zufrieden.

Matthias Müller: Wie kommen Sie denn darauf?

Die Welt: Bei einem der letzten Führungskräftetreffen in Leipzig haben Sie Schwächen festgestellt. Ihre Mängelliste war lang: Produktionsanläufe oder Standardabläufe wie bei der IT seien nicht in Ordnung, die Arbeitsplätze für Nachwuchskräfte nicht attraktiv genug. Nicht mal die Büros seien zweckdienlich.

Müller: Da wird vieles überbewertet. Tatsache ist, dass wir ein Fazit gezogen haben und dass dabei Punkte angesprochen wurden, bei denen wir Verbesserungspotenzial haben. Dass bei Porsche in der Vergangenheit zum Beispiel zu wenig investiert wurde, ist ja kein Geheimnis. In der starken Wachstumsphase, in der wir uns befinden, müssen wir nun darauf achten, dass die Infrastruktur unseren anspruchsvollen Zielen gewachsen ist.

Die Welt: Wollten Sie nicht zuletzt die Investitionen deutlich zusammenstreichen?

Müller: Sie spielen auf die Abkühlung der Konjunktur an, aber Porsche ist flexibel, wir können rasch auf ein neues Umfeld reagieren. Das nächste Jahr wird sicher nicht leicht, aber bei uns wird nichts zusammengestrichen und wir brauchen auch kein Sparprogramm. Porsche ist immer sparsam und effizient. Wir haben im zweiten Halbjahr noch sieben Produktanläufe, und das geht im nächsten Jahr so weiter. Daher sind wir bestens aufgestellt.

Die Welt: Sie nehmen den heraufziehenden Abschwung ja ziemlich leicht.

Müller: Nein, sondern ich stelle mich drauf ein. Das gehört eindeutig zu meinem Job. Wir haben unsere Fixkosten absolut im Blick und das wollen wir auch so beibehalten. Falls nötig überprüfen wir Kosten und Investitionen und werden die gegebenenfalls zeitlich versetzt realisieren.

Die Welt: Experten gehen davon aus, dass die Talfahrt der Branche mehrere Jahre dauern könnte. Kann Porsche angesichts dessen die ehrgeizige Planung bis 2018 halten?

Müller: Ja, da bin ich mir ziemlich sicher.

Die Welt: 2018 haben Sie dann laut Plan den Absatz verdoppelt und 200.000 Autos verkauft?

Müller: Das Volumen ist für uns nur eine Richtgröße, nicht mehr. Entscheidend ist, dass wir entsprechende finanzielle Ergebnisse erreichen, und zwar nicht erst 2018, sondern kontinuierlich und nachhaltig.

Die Welt: Und das schaffen Sie, weil ein Sportwagenbauer wie Porsche krisenresistenter ist, als die Volumenhersteller?

Müller: Daran wird es nicht liegen, denn das stimmt nicht. Auch wenn das immer wieder behauptet wird. Die vergangenen Krisen haben gezeigt, dass das Premiumsegment genau so betroffen von Absatzeinbrüchen ist, wie die gesamte Automobilbranche, Wir spüren die Folgen nur zeitversetzt. Mal sind wir die ersten, die es merken, mal die letzten.

Die Welt: Wer sich eine Porsche kaufen will, kann das doch sicher auch tun, wenn die Weltwirtschaft mal nicht so gut läuft.

Müller: Auch in Krisenzeiten ist ausreichend Geld im Umlauf, das verschwindet nicht. Die Frage ist aber, ob ein Abschwung der richtige Zeitpunkt ist, sich ein Premiumauto zu kaufen.

Die Welt: Wo wollen Sie denn die vielen zusätzlichen Autos absetzen, die Sie sich für die nächsten Jahre vorgenommen haben.

Müller: In Europa wird es kein großes Wachstum geben, der Markt ist weitgehend gesättigt. Die Nachfrage in den USA wird stabil bleiben. Aber in Asien, vor allem in China, ist Wachstum möglich. Wir bauen gerade unser Händlernetz in der Volksrepublik aus und eröffnen monatlich einen neuen Händlerbetrieb. Damit werden wir einen Volumensprung machen.

Die Welt: Welche Modelle sollen den Schub bringen, setzen Sie vor allem auf den neuen Macan?

Müller: Auf den setzen wir in der Tat, wir wollen davon 50.000 Stück pro Jahr verkaufen.

Die Welt: Der Macan ist die fünfte Baureihe bei Porsche, aber Sie planen insgesamt sieben. Passt das zur Exklusivität von Porsche? Wie dehnbar ist die Marke?

Müller: Gute Frage, die stellen wir uns jeden Tag. Gehen wir davon aus, dass im Jahr 2018 insgesamt weltweit 100 Millionen Autos verkauft werden, das zumindest sagen Experten voraus. Wenn wir daran mit 200.000 beteiligt wären, bleibt die Begehrlichkeit der Marke durchaus erhalten. Die Frage ist, wie man die weckt. Ich habe eine Zeit lang mit einem Modell unterhalb des Boxster im Stile des früheren 550 geliebäugelt. Aber damit würden wir uns in ein völlig neues Preissegment bewegen. Es kann dann durchaus Kunden geben, die meinen, Porsche ist ihnen nicht mehr wertig genug. Also liegen die entsprechenden Pläne in der Schublade.

Die Welt: Die genannten 100 Millionen dürfen doch nicht ihr Maßstab sein, Porsche kann sich nicht mit der Gesamtbranche und Stückzahlen vergleichen, die von Masseherstellern bestimmt wird.

Müller: Richtig, und darum müssen wir darauf achten, Porsche von der Produktsubstanz und damit dem Preis immer über dem Wettbewerb zu positionieren. Nur so bleibt die Begehrlichkeit der Marke erhalten.

Die Welt: Kommt also, wie geflüstert wird, bald ein weiteres, großes Porschemodell?

Müller: Zurzeit haben wir den 911, der in einer Ausbaustufe bis zu 250.000 Euro kosten wird und den 918 Spyder am oberen Ende des Angebots mit bis zu 750.000 Euro. Dazwischen ist eine Lücke, in der sich vor allem italienische Wettbewerber bewegen. Da könnten wir sicherlich ein Angebot schaffen.

Die Welt: Geht es etwas genauer?

Müller: Nein, über Themen die nicht konkret sind wollen wir nicht sprechen.

Die Welt: Aber auch diese neue Baureihe soll bis 2018 kommen?

Müller: Das ist der Plan, mittelfristig wollen wir sieben Baureihen im Angebot haben. Aber jetzt bringen wir erst mal den 911 Turbo, den 918 Spyder, dann den Macan. Porsche ist eine kleine Firma, wir müssen schauen, dass wir sie nicht überstrapazieren.

Die Welt: Dennoch arbeiten auch Sie an Batterieautos. Bleibt ein Porsche begehrlich, wenn der Verbrennungsmotor mit seinem typischen Sound durch einen surrenden E-Antrieb ersetzt wurde?

Müller: Am Thema Elektromobilität kommt kein Automobilhersteller mehr vorbei. Die Frage ist nur, wie schnell sich entsprechende Fahrzeuge durchsetzen. Ich glaube das dauert, die Zeit ist noch nicht reif für große Volumen. Wir setzen vorerst auf Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge mit Elektro- und Verbrennungsmotor, das passt exzellent zu großen Autos. Mit dem Elektromotor kommen Sie durch die Stadt und auf langen Strecken schaltet sich der Verbrennungsmotor ein. Aber eins darf man nicht vergessen: Das Potenzial beim Benziner und Diesel ist noch lange nicht ausgeschöpft. Ein Diesel schneidet heute noch besser ab als jedes Elektroauto, das wird nur in der Öffentlichkeit immer anders dargestellt.

Die Welt: Dass ein Porschechef mal den Diesel lobt, wo sich die Zuffenhausener noch vor einigen Jahren gegen Dieselmotoren gesträubt haben …

Müller: Der anfängliche Widerstand bei Porsche war eine Fehlentscheidung, aber sie wurde korrigiert. Und keine Sorge: Ich sage nicht, dass wir demnächst einen 911er als Hybrid auf den Markt bringen. Ich kann mir gut den Cayenne oder Panamera mit Hybridantrieb vorstellen. Die anderen Modelle eher nicht.

Die Welt: Passt das wirklich zu Porsche.

Müller: Vielleicht haben Sie ein falsches Bild vom Porschefahrer. Ich bin zuletzt einen 918 Spyder gefahren, der hat vier Modi: Normal, Elektrisch, Sport und Race. Das ist großartig, daran gewöhnt man sich schnell

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