28.09.2012, 08:27

Gesundheits-Ranking Ärzte wollen Krankenkassen im Internet bewerten

Foto: Joerg Koch / dapd

Dass Patienten Ärzte im Internet bewerten, ist nichts Neues. Doch die Medizinier wollen nicht allein am Pranger stehen: Auf einem neuen Online-Portal beurteilen sie künftig die Krankenkassen.

Gesundheits-Ranking einmal anders: Deutschlands Kassenärzte und Psychotherapeuten wollen in einem öffentlich einsehbaren Internetportal die Leistungen von Krankenkassen bewerten. Aus den Kriterien Therapiefreiheit, Service und Bürokratielastigkeit solle eine Liste der zehn besten und schlechtesten unter den rund 140 gesetzlichen Krankenkassen entstehen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Online-Portal soll heute am Rande einer Vertreterversammlung der Kassenärzte in Berlin freigeschaltet werden. Auf der Veranstaltung geht es vor allem um den Milliarden-Honorarstreit mit den Kassen.

Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte, mit Hilfe des Navigators könnten Ärzte ihre Erfahrungen mit den Krankenkassen schildern und bewerten. Darüber hinaus könne man mit den Kassen über Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten ins Gespräch kommen.

"Wenn die Versicherten Ärzte bewerten – was völlig in Ordnung ist, solange bestimmte Kriterien eingehalten werden –, dann sollen sie auch mal sehen, ob und wie eigentlich ihre Kasse dazu beiträgt, eine gute Versorgung zu unterstützen – oder eben nicht", sagte Köhler der Zeitung. Damit spielte Köhler auf ähnliche Internetseiten der Krankenkassen an, in denen Patienten Ärzte bewerten und die laut Krankenkassen bei den Versicherten immer beliebter werden.

Bahr kritisiert Honorarparteien

Im Honorarstreit äußerte unterdessen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) scharfe Kritik an den Verhandlungsparteien: "Gegenseitige Vorwürfe in den Verhandlungen helfen nicht weiter", sagte Bahr der "Passauer Neuen Presse". "Die Selbstverwaltung stellt sich ein Armutszeugnis aus, wenn sie nicht in der Lage ist, ein faires Ergebnis zu erzielen." Krankenkassen und Ärzte müssten ihrem Auftrag nachkommen. "Sonst brauchen wir die Selbstverwaltung nicht mehr", sagte Bahr.

Bahr rechnet mit Prämienrückzahlung

Der Gesundheitsminister rechnet zudem damit, dass Millionen gesetzlich Krankenversicherte Prämienrückzahlungen von ihren Krankenkassen bekommen werden. "Mehrere Millionen Versicherte werden Rückzahlungen erhalten. Bis zu 20 Kassen haben angekündigt, dass sie eine Prämienausschüttung vornehmen wollen. Das wird den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen verstärken und den Druck auf andere erhöhen, den Versicherten Geld zurückzuzahlen", sagte Bahr der Zeitung.

Zudem hält Bahr einen Verzicht auf die Praxisgebühr angesichts der Rücklagen für finanzierbar. "Die gute Finanzlage der Krankenkassen lässt den Verzicht auf die Praxisgebühr zu. Die Praxisgebühr erfüllt ihren Zweck der Steuerung nicht. Sie ist eine bürokratische Form der Geldbeschaffung. Die FDP macht weiter Druck für die Abschaffung der Praxisgebühr", sagte Bahr.

(dapd/dpa/cat)
Mo, 27.08.2012, 17.33 Uhr

Die Kontrolle und Aufsicht bei der Vergabe von Spenderorganen soll verbessert werden, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Auch stichprobenartige Prüfungen sollen durchgeführt werden.

Video: dapd
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