28.09.12

Gesundheits-Ranking

Ärzte wollen Krankenkassen im Internet bewerten

Dass Patienten Ärzte im Internet bewerten, ist nichts Neues. Doch die Medizinier wollen nicht allein am Pranger stehen: Auf einem neuen Online-Portal beurteilen sie künftig die Krankenkassen.

Foto: dapd

Ein Arzt misst den Blutdruck einer Patientin: Die Mediziner streiten mit den Krankenkassen um mehr Geld
Ein Arzt misst den Blutdruck einer Patientin: Die Mediziner streiten mit den Krankenkassen um mehr Geld

Gesundheits-Ranking einmal anders: Deutschlands Kassenärzte und Psychotherapeuten wollen in einem öffentlich einsehbaren Internetportal die Leistungen von Krankenkassen bewerten. Aus den Kriterien Therapiefreiheit, Service und Bürokratielastigkeit solle eine Liste der zehn besten und schlechtesten unter den rund 140 gesetzlichen Krankenkassen entstehen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Online-Portal soll heute am Rande einer Vertreterversammlung der Kassenärzte in Berlin freigeschaltet werden. Auf der Veranstaltung geht es vor allem um den Milliarden-Honorarstreit mit den Kassen.

Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, sagte, mit Hilfe des Navigators könnten Ärzte ihre Erfahrungen mit den Krankenkassen schildern und bewerten. Darüber hinaus könne man mit den Kassen über Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten ins Gespräch kommen.

"Wenn die Versicherten Ärzte bewerten – was völlig in Ordnung ist, solange bestimmte Kriterien eingehalten werden –, dann sollen sie auch mal sehen, ob und wie eigentlich ihre Kasse dazu beiträgt, eine gute Versorgung zu unterstützen – oder eben nicht", sagte Köhler der Zeitung. Damit spielte Köhler auf ähnliche Internetseiten der Krankenkassen an, in denen Patienten Ärzte bewerten und die laut Krankenkassen bei den Versicherten immer beliebter werden.

Bahr kritisiert Honorarparteien

Im Honorarstreit äußerte unterdessen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) scharfe Kritik an den Verhandlungsparteien: "Gegenseitige Vorwürfe in den Verhandlungen helfen nicht weiter", sagte Bahr der "Passauer Neuen Presse". "Die Selbstverwaltung stellt sich ein Armutszeugnis aus, wenn sie nicht in der Lage ist, ein faires Ergebnis zu erzielen." Krankenkassen und Ärzte müssten ihrem Auftrag nachkommen. "Sonst brauchen wir die Selbstverwaltung nicht mehr", sagte Bahr.

Bahr rechnet mit Prämienrückzahlung

Der Gesundheitsminister rechnet zudem damit, dass Millionen gesetzlich Krankenversicherte Prämienrückzahlungen von ihren Krankenkassen bekommen werden. "Mehrere Millionen Versicherte werden Rückzahlungen erhalten. Bis zu 20 Kassen haben angekündigt, dass sie eine Prämienausschüttung vornehmen wollen. Das wird den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen verstärken und den Druck auf andere erhöhen, den Versicherten Geld zurückzuzahlen", sagte Bahr der Zeitung.

Zudem hält Bahr einen Verzicht auf die Praxisgebühr angesichts der Rücklagen für finanzierbar. "Die gute Finanzlage der Krankenkassen lässt den Verzicht auf die Praxisgebühr zu. Die Praxisgebühr erfüllt ihren Zweck der Steuerung nicht. Sie ist eine bürokratische Form der Geldbeschaffung. Die FDP macht weiter Druck für die Abschaffung der Praxisgebühr", sagte Bahr.

Quelle: dapd/dpa/cat
Quelle: dapd
27.08.12 1:03 min.
Die Kontrolle und Aufsicht bei der Vergabe von Spenderorganen soll verbessert werden, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr. Auch stichprobenartige Prüfungen sollen durchgeführt werden.
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Einnahmen der Ärzte
  • Spitzenreiter

    Spitzenreiter beim Umsatz der Ärzte aus dem Honorar von Behandlung und Diagnose gesetzlich Versicherter sind die Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230.000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224.000 Euro.

  • Nachfolger

    Hausärzte und Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199.000 und 93.000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65.000 Euro Umsatz, Augenärzte 60.000, Chirurgen 57.000, Orthopäden 56.000, Hausärzte 52.000 und Gynäkologen 47.000 Euro.

  • Schlusslichter

    Nach der jüngsten amtlichen Statistik lagen die Allgemeinmediziner mit einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von 116.000 Euro am unteren Ende beim Ärzteverdienst. Diese Erhebung des Statistischen Bundesamts für die Situation in Einzelpraxen im Jahr 2007 nennt die gesamten Einnahmen aus den gesetzlichen und privaten Kassen abzüglich der Aufwendungen in der Praxis, aber vor Steuern und Abgaben. Spitzenreiter sind hier die Radiologen mit 264.000 Euro. Im Mittelfeld liegen etwa die Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (144.000 Euro), die Frauenärzte (145.000 Euro), die Chirurgen (148.00 Euro), die Hautärzte (155.000 Euro) und die Internisten (158.000 Euro).

  • Durchschnitt

    Im Schnitt aller Ärzte waren es 142.000 Euro im Jahr 2007, nach 126.000 Euro vier Jahre zuvor. Laut Spitzenverband der Krankenkassen stieg der Ertrag bis 2011 auf 165.000 Euro. Auch das Bundesamt erhebt nun die Daten für 2011. Am 21. September 2012 werden die für die repräsentative Stichprobe ausgewählten Praxen dafür herangezogen. Mit Ergebnissen wird im Sommer 2013 gerechnet.

  • Nettoeinkommen

    Und was bleibt? Das monatliche Nettoeinkommen der Kassenärzte von gesetzlichen und privaten Kassen beträgt laut KBV nach den jüngsten Zahlen im Schnitt insgesamt 5442 Euro. Einem Allgemeinmediziner blieben demnach im Schnitt 5018 Euro pro Monat, einem Orthopäden 6344 Euro, einem Psychotherapeuten dagegen nur 2658 Euro.

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