27.09.12

Autosalon

VW setzt zum Todesstoß gegen die Konkurrenz an

Die Wolfsburger strotzen nur so vor Kraft: Mit neuen Antrieben plant Volkswagen den Angriff auf schwächelnde europäische Wettbewerber – die sie damit endgültig abhängen würden.

Foto: REUTERS

Das der neue Golf VII in Paris Publikumspremiere feiern wird, ist bekannt. Aber zum Messestart hat VW auch gleich vom neuen GTI das Tuch gezogen
Das der neue Golf VII in Paris Publikumspremiere feiern wird, ist bekannt. Aber zum Messestart hat VW auch gleich vom neuen GTI das Tuch gezogen

Eine ehemalige Bahnhofshalle, die sonst gerne für exquisite Modeschauen herhält, bereitet Volkswagen die Bühne. In der "Halle Freyssinet" im Herzen von Paris feiert sich Europas größter Autokonzern am Vorabend des Pariser Automobilsalons. Und es hat schon was von einer Modenschau und Catwalk, wenn, untermalt mit wuchtigen Bässen aus den Boxen, die Markenchefs ihre Produkte herzeigen.

Ob das Konzeptauto Porsche Panamera Sport Turismo, der neue Audi A3 Sportback, der Seat Leon oder der Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse mit seinen 1200 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von 410 km/h, vor allem aber auch der neue Golf VII Bluemotion, den Konzernchef Martin Winterkorn als "echtes Drei-Liter-Auto" anpreist: VW gibt sich unverwundbar.

Und das in Zeiten, die wirklich besser sein könnten. Die Euro-Krise ist längst auch zu einer der Automobilbauer geworden. Hat es Fiat, Peugeot, Opel, Renault, Ford und all die anderen Massenhersteller schon voll erwischt, stehen die Wolfsburger im Vergleich jedoch noch prächtig da. Ein guter Grund also für Aufsichtratschef Ferdinand Piëch, an diesem Abend wieder Seit an Seit mit seiner Frau Ursula die neuesten Errungenschaften unter die Lupe zu nehmen.

Auf eine Aussage Piëchs, ob er noch eine 13. Marke ins Haus holen will – Alfa Romeo gilt als Kandidat – wartete man jedoch vergebens: Die beiden waren nach ihrem Rundgang schnell entschwunden.

Winterkorn stimmt nicht in den Abgesang ein

Dafür machte Vorstandsvorsitzender Winterkorn deutlich, dass VW die Krise zum Angriff nutzen möchte. "In diesen Tagen stimmen viele bereits den Abgesang auf Europa an. Dem stellt sich der Volkswagen Konzern entschlossen entgegen", sagt er und bestätigte fast schon nebenbei die Ziele für dieses Jahr: Umsatz und Absatz werden steigen, der operative Gewinn soll zumindest auf dem Niveau des Vorjahres, also bei 11,3 Milliarden Euro, liegen.

Auch im September, so Winterkorn, sei man auf Kurs geblieben, was auch am "Blitzstart des Golf" gelegen habe. Von Krise sei für Volkswagen weit und breit nichts zu spüren, so Vertriebsvorstand Christian Klingler. "Der Automarkt wächst weltweit. Unser Geschäft in China und den USA läuft gut und wir erwarten dort keine unangenehmen Überraschungen", sagt er.

Es sei noch nicht lange her, da habe VW 10.000 Passat pro Jahr in den USA verkauft. "Jetzt sind es 10.000 im Monat."

Dass Volkswagen seine interne Absatzerwartung leicht nach unten korrigiert hat und im Werk Emden in diesem Jahr noch für drei Tage die Produktion angehalten wird, ist da nicht mehr als ein Schönheitsfehler – schon gar, wenn man diese Maßnahmen mit denen der Konkurrenz vergleicht.

Und während die mit den widrigen Bedingungen ringt, will Volkswagen den guten Lauf nutzen und sich weltweit auch bei alternativen Antrieben an die Spitze setzen.

Lange hatten die Wolfsburger gezögert, in großem Umfang auf Hybridfahrzeuge, die eine Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotor zu setzen. "Wir wollen und werden diese Zukunftstechnologie aus der Nische holen", verspricht Konzernchef Martin Winterkorn und listet schon mal all die Audis, Porsches und Golfs auf, die demnächst als Plug-in-Hybride angeboten werden. "Wir haben jetzt die Chancen, bei den Hybriden ganz weit nach vorn zu kommen", sagt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg.

Zulassungszahlen in Europa sind verheerend

Volkswagen hat zurzeit die Fahrzeuge und die tiefen Taschen, um auch eine Absatzkrise wie die in Europa durchzustehen und in seine Produkte zu investieren. Von der Krise sind bislang andere weitaus härter getroffen. Das lässt sich auch an den Zulassungszahlen von Januar bis August ablesen, die der Automobilverband ACEA kürzlich veröffentlichte. So sanken die Neuzulassungen in den ersten acht Monaten um 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Wobei der Einbruch im August mit einem Minus von 8,9 Prozent heftig war.

Die Not im Süden greift auch zunehmend auf den Norden über. So hatte auch Deutschland im August ein Minus von 4,7 Prozent zu verzeichnen. Italien (minus 20 Prozent) oder Griechenland (minus 47 Prozent) sind da allerdings noch ganz andere Hausnummern. PSA, Renault, Opel, Ford, Fiat: Alle haben in den ersten acht Monaten in Europa zweistellige Rückgänge zu verzeichnen. Der VW-Konzern ist da mit minus 0,1 Prozent im Vergleich exzellent aufgestellt und kann auch seine Marktanteile deutlich erhöhen. Jeder vierte Wagen, der in Europa neu zugelassen wird, ist einer aus dem Hause Volkswagen.

China und USA sind für VW die Rettung

Dass die Krise in Europa zügig vorüber sein wird, glaubt auch in Wolfsburg niemand. Er rechne "nicht mit einer schnellen dramatischen Verbesserung der Situation", sagte Finanzchef Pötsch. Die Branche stehe vor einem "Stresstest", der besonders für Massenhersteller, die auf Europa konzentriert sind und auf Kleinwagen, zur Herausforderung werde. Global sehe es aber noch "ganz ordentlich" aus, so Pötsch. Auf Märkten wie China und den USA sei weiter Wachstum zu erwarten. "Damit lässt sich einiges kompensieren."

"Wir ziehen die Strategie 2018 ganz konsequent durch", versprach Pötsch. Die sieht vor, dass Volkswagen bis 2018 der weltgrößte Autobauer ist. Und da setzt der Konzern zu einem Gutteil auf Fahrzeuge der Premiumklasse. Im kommenden Jahr werde VW erstmals mehr als 50 Prozent seines Konzernergebnisses dem Premiumsegment zu verdanken haben, so Pötsch. Auch in Zeiten wie diesen gebe es zunehmend Leute, die sich solche Produkte leisten könnten.

Kein Erbarmen mit der Konkurrenz

Forderungen, die europäischen Hersteller sollten gemeinsam ihre Kapazitäten reduzieren, um ein Überangebot aus dem Markt zu nehmen, wischte der Herr der Zahlen bei VW beiseite. Man sei bei Volkswagen "ziemlich ordentlich ausgelastet". Warum solle man dann ein Werk zumachen? Auch das zeigt: Die Wolfsburger geben sich in Paris ziemlich selbstbewusst.

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