25.09.12

Ab 9. Dezember

Bahn dreht schon wieder an der Preisschraube

Schon im vergangenen Jahr hatte die Bahn die Ticketpreise um durchschnittlich 3,9 Prozent erhöht. Nun steht im Fern- und Regionalverkehr die nächste Preisrunde an – und auch die Bahncard wird teurer.

Quelle: Reuters
25.09.12 1:13 min.
Ab Dezember sollen die Preise im Fern- und Regionalverkehr um durchschnittlich 2,8 Prozent steigen, auch die Bahncard soll teurer werden. Hohe Energiepreise sind laut Bahn der Grund für die Erhöhung.

Die Deutsche Bahn (DB) erhöht die Preise im Fern- und Regionalverkehr. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember werden Tickets im Durchschnitt um 2,8 Prozent teurer.

Für Bahncards müssen 2,4 Prozent mehr gezahlt werden. Der Sparpreis von 29 Euro für eine einfache Fahrt in der zweiten Klasse bleibt erhalten. Die Bahn begründet die Preisanhebung wie im vergangenen Jahr mit gestiegenen Energiekosten.

"Aber wir erhöhen unsere Fahrpreise moderater als die anderen europäischen Bahnen und bleiben auch unter den Preissteigerungen der großen deutschen Nahverkehrsverbünde", sagt Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr. Vor einem Jahr hatte die DB die Preise im Personenverkehr um durchschnittlich 3,9 Prozent erhöht.

Fahrten in den ICE- beziehungsweise IC/EC-Zügen können teurer als die durchschnittliche Preissteigerung werden. Wie hoch der neue Fahrkartentarif ist, hängt von der jeweiligen Strecke ab. Der Maximalpreis im Fernverkehr steigt für eine einfache Fahrt zweiter Klasse im ICE von 135 auf 139 Euro. Dies gilt beispielsweise für die Strecke Hamburg–München (plus 3,0 Prozent).

Die Fahrkarte von Stuttgart nach München verteuert sich um einen Euro (plus 1,9 Prozent) auf 55 Euro. Für eine Fahrt von Frankfurt am Main nach Mannheim muss man künftig 28 Euro bezahlen und damit einen Euro mehr als bislang. Das entspricht einer Steigerung von 3,7 Prozent. Sitzplatzreservierungen werden nicht teurer.

Auch Aktionsangebote werden teurer

Im Regionalverkehr verteuern sich einfache Tickets sowie Zeitkarten und Aktionsangebote, zu denen zum Beispiel die Ländertickets, das Quer-durchs-Land-Ticket oder das Schöne-Wochenende-Ticket gehören. Nach Angaben der Deutschen Bahn sind allerdings 80 Prozent der Fahrten im Nahverkehr von der aktuellen Preiserhöhung nicht betroffen, weil dort die Verkehrsbünde die Tarife festlegen.

Der Fahrgastverband ProBahn nannte die Preiserhöhung moderat, übte aber dennoch Kritik an der Bahn. "Wenn man die gestiegenen Energiekosten zugrunde legt, ist die Anhebung nachvollziehbar. Zumal wenn man sie mit der der Verkehrsverbünde vergleicht, die überwiegend höher ausfallen", sagte Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende von ProBahn.

"Allerdings hätte es die Bahn im Fernverkehr aufgrund der weiterhin bestehenden Probleme durchaus auch bei stabilen Preisen belassen können." Vor allem am Wochenende gebe es im Fernverkehr immer noch zu viele Verspätungen. "Auf den großen Verbindungen muss man häufig mit Verspätungen von 20 bis 30 Minuten rechnen, die Bahn stößt an diesen Tagen immer noch an ihre Kapazitätsgrenzen", so Naumann. An den Wochenenden werden mehr Fernzüge gefahren als unter der Woche.

Die Bahn verteidigt hingegen die Erhöhung. Die Lebenshaltungskosten seien in den vergangenen Jahren insgesamt deutlicher gestiegen als die Bahnpreise. Und deutsche Verkehrsverbünde und die Bahnen im Ausland würden die Fahrgäste noch stärker zur Kasse bieten. So hat die ÖBB in Österreich im Juli die Tarif im Durchschnitt um acht Prozent angehoben, die SBB in der Schweiz wird ab Dezember 6,5 Prozent mehr in der ersten und drei Prozent in der zweiten Klasse nehmen. In Belgien, Luxemburg, den Niederlanden sowie Dänemark steigen die Fahrpreise zum Jahresende um rund drei Prozent.

Acht neue Züge

Die Bahn verspricht den Fahrgästen aber auch etwas mehr Komfort ab Dezember. So sollen zum Fahrplanwechsel endlich die acht neuen ICE-Züge der neuesten Generation von Siemens in Betrieb gehen. Da diese Züge auch dann noch nicht wie geplant im westeuropäischen Ausland einsetzbar sind, sollen sie in Deutschland als Reserve bereitgehalten werden.

"Die Züge sind nicht in den normalen Fahrplan eingebunden, sie werden unsere Flotten an den Punkten verstärken, wo es jeweils nötig ist", sagte ein Bahnsprecher.

Fehlende Züge sind einer der Hauptgründe für die Verspätungen im Fernverkehr. Im ersten Quartal kommenden Jahres gehen darüber hinaus die 44 überholten ICE-2-Züge in Betrieb. Hinzu kommen die ersten überarbeiteten IC-Züge. Bis zum ersten Quartal 2014 sollen alle 700 IC-/EC-Wagen modernisiert sein.

Die Bahn plant außerdem besseren Service für den Weg zum Zug. Bahncard-Besitzer sollen zum Fahrplanwechsel ihr City-Ticket nicht nur im Zielort im jeweiligen öffentlichen Nahverkehr nutzen können, sondern auch bereits für die Fahrt zum Startbahnhof. "Die Verhandlungen darüber mit den Beteiligten laufen, noch ist nichts in trockenen Tüchern. Aber wir glauben, dass wir das bis Dezember schaffen", hieß es bei der Bahn.

Allerdings müssten dann ein Euro für die Bahncard 25 und zwei Euro mehr für die Bahncard 50 bezahlt werden. Den Rest der Mehrkosten will die DB übernehmen.

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