24.09.12

Schattenwirtschaft

Die meisten Haushaltshilfen arbeiten schwarz

Die Nachfrage nach Hilfe in Haus und Garten wächst rasant. Doch bei der Minijobszentrale sind nur 240.000 Helfer gemeldet. Eine Studie zeigt jetzt, warum die meisten Deutschen illegal arbeiten lassen.

Foto: Infografik Die Welt

Schwarzarbeit: Vor allem in den besser betuchten Haushalten ist die illegale Beschäftigung vorzufinden
Schwarzarbeit: Vor allem in den besser betuchten Haushalten ist die illegale Beschäftigung vorzufinden

Sie putzen und bügeln, mähen den Rasen oder hüten die Kinder - Haushaltshilfen sind in Deutschland weit verbreitet. Doch in der amtlichen Statistik findet sich dieser Wirtschaftszweig kaum wieder, denn die meisten arbeiten schwarz.

Jeder Zehnte in Deutschland gibt an, schon einmal eine illegale Haushaltshilfe beschäftigt zu haben. Das sind mehr als vier Millionen Haushalte. Die Hälfte davon hat bereits des Öfteren Schwarzarbeiter beschäftigt.

Weitere elf Prozent können sich vorstellen, in Zukunft einen heimlichen Helfer zu beschäftigten. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Minijobzentrale, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Die Option Minijob wird ignoriert

Bei der Minijob-Zentrale sind dagegen im Juni 2012 exakt 242.743 Minijobber in deutschen Haushalten angemeldet. Das sind zwar fünf Prozent mehr als im Vorjahr, aber wohl immer noch nur ein Bruchteil aller Haushaltshilfen in Deutschland.

"Während der Bedarf an Unterstützung im Haushalt seit Jahren wächst, steigt die Zahl der Anmeldungen für Minijobber in Privathaushalten deutlich langsamer", ärgert sich der Leiter der Minijobzentrale Erik Thomsen.

Schwarzarbeit gilt als normal

Die Schwarzarbeitgeber-Quote steigt mit dem Alter, dem Einkommen und der Bildung. Der typische Schwarz-Arbeitgeber ist über 60, kommt aus Westdeutschland, hat Abitur und ein Haushaltsnettoeinkommen über 2000 Euro.

Ein schlechtes Gewissen plagt die Schwarzarbeitgeber dabei nicht, auch das ergab die Forsa-Studie unter den mehr als 2000 Befragten. Nur fünf Prozent der Befragten haben Bedenken, weil sie eine illegale Hilfe im Haushalt beschäftigten.

Wirtschaftspsychologen haben dafür eine einfache Erklärung: "Menschen orientieren sich in ihrem Verhalten in hohem Maße am Verhalten ihrer Mitmenschen", sagt Detlef Fechtenhauer vom Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln. Das gelte nicht nur für Kleidung und Mode, für Musikgeschmack und Urlaubsreisen, sondern auch für die finanzielle Ehrlichkeit.

Schwarzarbeit ist weit verbreitet, gilt als Kavaliersdelikt, ja als "normal". Vielen Arbeitgebern von schwarzen Haushaltshilfen sei gar nicht klar, wen sie eigentlich schädigen. Doch wo kein Opfer erkennbar ist, gibt es auch kein schlechtes Gewissen. Da es nur um geringe Beträge geht, haben die Arbeitgeber nicht das Gefühl Steuern zu hinterziehen.

Bußgelder bis 5000 Euro sind möglich

Dabei ist Schwarzarbeit nicht ohne Risiko: Wer seine Hilfe nicht anmeldet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Geldbuße von bis zu 5000 Euro rechnen.

Zudem habe die Anmeldung für Arbeitgeber und Helfer zahlreiche Vorteile, wirbt die Minijobzentrale. So kann der Arbeitgeber die Kosten für eine Haushaltshilfe beim Finanzamt geltend machen und der Helfer ist bei einem Arbeitsunfall versichert. Der Arbeitnehmer erhält zudem einen Anspruch auf Urlaub und auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Dennoch sind die Anmeldungen in der Essener Minijobzentrale gering. Die Minijobzentrale ließ jetzt auch die Motive erforschen, warum die illegalen Haushaltshilfen nicht angemeldet werden. "Weil sie Geld sparen wollen", antworteten elf Prozent der Befragten, 15 Prozent war die Anmeldung "zu kompliziert" und 14 Prozent hatten sich noch gar nicht damit beschäftigt. 12 Prozent wussten schlicht nicht, dass man private Helfer anmelden muss.

Die Helfer wollen häufig schwarz arbeiten

Immerhin 23 Prozent gaben an, der schwarze Helfer wolle nicht angemeldet werden. Fechtenhauer vermutet, viele Haushaltshilfen hätten mehrere Jobs und kommen damit auf mehr als 400 Euro im Monat.

Auch Angst vor dem Papierkram könnte ein Motiv für die Haushaltshilfen sein, schließlich seien bei vielen Schwarzarbeitern das formale Bildungsniveau niedrig und die Erfahrung im Umgang mit Behörden eher gering.

Die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen dürfte künftig noch steigen. Schon allein wegen der demografischen Entwicklung. Die Deutschen werden immer älter, Familienverbände lösen sich auf.

Hausarbeit in der Freizeit ist passé

Immer mehr Senioren benötigen Unterstützung im Haushalt, um so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden wohnen zu können. Was früher von Familienmitgliedern erledigt wurde, dafür suchen sich immer mehr Menschen fremde Hilfe.

Auch die zunehmende Frauenerwerbstätigkeit lässt die Nachfrage nach Hilfen im Haushalt steigen. Doch auch kinderlose Haushalte oder berufstätige Singles wollen mehr von ihrer Freizeit haben.

Zu den klassischen Dienstleistungen, Kochen, Putzen, Kinderhüten, kommen neue: Auch Botengänge, Geschenkeservice oder Autopflege wollen die Menschen nicht mehr in ihrer knappen Freizeit selbst erledigen.

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