20.09.2012, 18:52

Personennahverkehr Deutsche Bahn facht S-Bahn-Streit weiter an

Foto: Ole Spata / dpa

Von Nikolaus Doll

Ausländische Staatsbahnen drängen in den Regionalverkehr hierzulande und bieten für Strecken. Der Platzhirsch Deutsche Bahn fürchtet um seine Pfründe und kämpft gegen die Vergabepraxis an.

Die Deutsche Bahn stellt sich auf deutlich schärferen Wettbewerb im Regionalverkehr ein. "Nach einer Zeit der Stagnation haben die Wettbewerber wieder Hunger und machen Tempo", sagte Frank Sennhenn, Chef der Konzerntochter DB Regio, der "Welt".

Im ersten Halbjahr hatte die Bahn 75 Prozent der Vergaben im Regionalverkehr gewonnen. Es werde schwer, dieses Niveau über das Gesamtjahr zu halten, so Sennhenn. "Wir streben einen Marktanteil von 70 Prozent an", sagte er der Zeitung.

Bis Jahresende wird die Vergabe von rund 46 Millionen Zugkilometern durch die Bundesländer und Verbünde in zehn großen Verfahren erwartet. Ingesamt umfasst der Personennahverkehr auf der Schiene in Deutschland rund 642 Millionen Zugkilometer.

Staatsbahnen den Nachbarländern wollen hierzulande Zug fahren

Die Staatsbahnen Frankreichs und Italiens hatten in den vergangenen Tagen angekündigt, sich stärker auf das Geschäft in Deutschland zu konzentrieren und dem DB-Konzern mit ihren Töchtern Keolis bzw. Netinera Marktanteile abnehmen zu wollen. Die Bahn steuert nun gegen: "Wir werden weiter an den Kosten arbeiten sowie die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit steigern", sagte Sennhenn.

In der Sanierungsphase der Regionalsparte von 2000 bis 2007 hatte der Konzern die Ausgaben um 20 Prozent reduziert. Im Programm "Vision 2022" steht nun die Steigerung von Service und Qualität sowie der Arbeitsplatzbedingungen im Vordergrund.

Harter Kampf um die knappen öffentlichen Gelder

Der DB Regio bläst aber wie ihren Konkurrenten derzeit der Wind kräftig ins Gesicht. Da ist zum einen die Debatte um die Regionalisierungsmittel, jenem Geld, mit dem der Bund den Nahverkehr hierzulande finanziert.

Sowohl die Höhe der Mittel als auch der Verteilungsschlüssel für die 16 Bundesländer ist umstritten. Beobachter rechnen nicht damit, dass der Bund grünes Licht für die dringend nötige Aufstockung der Budgets gibt beziehungsweise bei den Ländern eine der Bevölkerungsentwicklung angepasste Neuverteilung der Mittel durchsetzen kann.

Die Bundesländer sitzen am längeren Hebel

Zum anderen macht die Ausschreibungspraxis den Bahnbetreibern das Geschäft zunehmend schwer. Die Länder und Verbünde verbinden die Vergabe von Strecken zunehmend mit zahlreichen Auflagen.

Jüngstes Beispiel ist das Vorgehen des Berliner Senats bei der Vergabe der S-Bahn in der Hauptstadt. Der Betrieb, derzeit in der Hand der Deutschen Bahn, wird zum Teil neu ausgeschrieben, ab Ende 2017 soll es einen neuen Betreibervertrag geben, der über 15 Jahre läuft. Die Laufzeit ist üblich, und es ist nicht ausgeschlossen, dass die DB aller Problem im Betrieb zum Trotz erneut den Zuschlag erhält.

Ungewöhnlich ist dagegen, dass der Senat den Gewinner der Ausschreibung verpflichten will, weitere 15 Jahre die nötigen Fahrzeuge zu stellen und deren Instandhaltung zu garantieren – auch wenn das entsprechende Bahnunternehmen den Verkehrsvertrag für diese Zeit verloren hat.

Kampf um die Berliner S-Bahn

Damit will der Senat einen nahtlosen Übergang für einen Nachfolger ebnen. Die Bahn moniert jedoch, sie sei damit gezwungen, vor Vertragsabschluss für 30 Jahre die Kosten der anfallenden Wartungsarbeiten und für das Vorhalten des Fuhrparks zu veranschlagen.

"Diese Bedingungen sind unkalkulierbar", sagte Sennhenn. Der Konzern habe Beschwerde gegen die Bedingungen bei der Vergabekammer eingelegt. Zudem kritisiert die Bahn, dass sie nach dem vom Senat gewählten Verfahren höchstens ein Mal den Zuschlag bekommen könne. Wer die ersten 15 Jahre fahre, habe mehr Kenntnisse von Betrieb als Wettbewerber und würde von einer weiteren Ausschreibung ausgeschlossen. "Auch das akzeptieren wir nicht", so Sennhenn.

Di, 18.09.2012, 18.33 Uhr

Mit dem neuen Fernzug ICx will die Deutsche Bahn die Verkehrsprobleme der Zukunft lösen und Bahnreisen wieder attraktiver machen. Ein Designmodell des Triebkopfes hat das Unternehmen vorgestellt.

Video: dapd
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