19.09.12

Rüstung

EADS verkündet Fortschritte bei Fusion mit BAE

Die Schaffung des weltgrößten Rüstungskonzerns kommt voran: EADS-Chef Tom Enders hat sich zuversichtlich über die Fusion mit BAE geäußert. Kosteneinsparungen ließen sich jedoch nicht verhindern.

Von Andre Tauber
Quelle: dapd
14.09.12 1:38 min.
Die alten Rivalen Boeing und EADS-Airbus sind erstmals seit 1998 wieder gleichzeitig in Berlin auf der Internationalen Luftfahrtausstellung vertreten. Airbus zeigt sich unbeeindruckt.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS sieht sich auf einem guten Weg in den laufenden Gesprächen über eine Fusion mit dem britischen Verteidigungskonzern BAE Systems. "Seit der Stellungnahme letzte Woche sind die Gespräche mit allen Beteiligten gut vorangekommen", schreibt EADS-Chef Tom Enders in einem internen Mitarbeiterbrief, der der "Welt" vorliegt. "Ich halte uns daher für gut gerüstet, dem Markt und Ihnen weitere Details schon bald geben zu können."

EADS und BAE Systems stecken derzeit in komplizierten Fusionsgesprächen. Die beiden Unternehmen hatten in der vergangenen Woche bestätigt, dass sie einen Zusammenschluss anstreben. Die Konzerne sind sich im Grundsatz über den Schritt einig. Allerdings müssen sie noch mit den beteiligten Regierungen absprechen, unter welchen Bedingungen die Fusion möglich ist. Deutschland, Frankreich und Großbritannien fordern Einfluss sowie Garantien was Standorte und Arbeitsplätze betrifft.

Merkel will mit Hollande über Fusion sprechen

In die Gespräche war zuletzt Bewegung gekommen. Nachdem bereits am Dienstag Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière Gespräche in Paris über den Zusammenschluss der beiden Konzerne geführt hatte, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel hierüber mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande am Samstag in Ludwigsburg diskutieren. Deutschland fürchtet dem Vernehmen nach, zum Verlierer der Entwicklung zu werden.

Enders sieht gute Fortschritte in den Gesprächen. "Derzeit führen wir konstruktive und fortgeschrittene Gespräche mit allen betroffenen Regierungen", schreibt der EADS-Chef. Ein wesentliches Ziel der Verhandlungen sei es am Ende, den direkten Einfluss der Regierungen auf EADS zu verringern. "Wenn wir erfolgreich sind und wenn der EADS-Aktionärspakt aufgelöst werden kann, wird unsere "Governance" erheblich vereinfacht und somit "normalisiert" sein", so Enders. Der Aktionärspakt von EADS garantiert derzeit, dass die deutsch-französische Balance bei EADS erhalten bleibt.

Börse hat Pläne skeptisch aufgenommen

Enders verteidigt die Fusionspläne, die an der Börse bislang skeptisch aufgenommen worden waren. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die beiden Unternehmen perfekt zueinander passen", schreibt Enders. "Trotz einiger skeptischer Reaktionen zu Anfang wird sich bald die Einsicht durchsetzen, dass dieser Schritt für unser Geschäft absolut sinnvoll ist."

Der Furcht vor einem groß angelegten Abbau von Arbeitsplätzen entgegnet Enders: "Beide Unternehmen ergänzen sich weitgehend, so dass es sehr wenige Überschneidungen gibt." Gleichwohl kündigt er Kosteneinsparungen an. "Zweifellos werden wir auch effektive operative und industrielle Synergien in allen Geschäftsbereichen heben – vor allem bei Militärflugzeugen, Verteidigungselektronik, Lenkflugkörpern sowie bei Sicherheit und Cyber Security. Das ist der beste Weg, diesen Geschäftsbereichen eine gute Zukunft zu sichern."

Enders sieht keine Alternative

Zu der Fusion sieht er keine Alternative. "Astrium, Cassidian und die Verteidigungsaktivitäten von Airbus Military sowie Eurocopter sehen sich in unseren "Heimatländern" mit flachen oder gar schrumpfenden Budgets konfrontiert", schreibt Enders. "Die weitere Internationalisierung – nicht nur, aber vor allem von Cassidian – ist ein Muss. Und dies ist genau der Grund, warum wir alle von einem Zusammenschluss mit dem internationalsten Verteidigungsunternehmen profitieren würden."

Enders bezeichnet es als eine Herausforderung, die Logik des Geschäfts nun auch den Investoren zu erläutern. Hier hatte zuletzt der Aktienkurs eingebüßt. "Vor uns liegt sicher ein Stück harte Arbeit (…) um Anteilseigner und Investoren zu überzeugen, dass wir auf einem guten Weg sind, ein starkes Wachstumsfundament zu schaffen mit einer robusteren finanzieller Grundlage und höheren Gewinnen für unsere Anteilseigner", schreibt Enders. "Doch ich bin überzeugt, dass unsere Argumente sehr gut und sehr attraktiv sind."

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