19.09.12

Inselstreit

Anti-Japan-Proteste kommen China teuer zu stehen

Besitzer japanischer Autos in China müssen derzeit die Zerstörungswut von Demonstranten fürchten. Nachdem die Polizei weitere Proteste untersagt hat, zeigt sich erstmals das Ausmaß der Schäden.

Foto: AFP

Ein chinesischer Demonstrant: Der Streit um unbewohnte Inseln mit Japan ist eskaliert
Ein chinesischer Demonstrant: Der Streit um unbewohnte Inseln mit Japan ist eskaliert

Das Ausmaß und die wirtschaftliche Schäden der dreitägigen anti-japanischen Massendemonstrationen und Boykotte in China waren größer als bisher angenommen. In 148 chinesischen Städten war es zu Protesten gekommen, als Bürger die Erinnerung an den 81. Jahrestag des japanischen Einfalls in China mit ihrem Zorn über den eskalierenden Territorialstreit um die Diaoyu (Senkaku)-Inseln verbanden.

Die Demonstranten nahmen sich vor allem Japans Automobilindustrie in China vor. Besitzer japanischer Autos mussten nicht nur mit Zerstörung oder Beschädigung ihrer Pkw rechnen. Am Dienstag weigerten sich auch Tankstellen in 28 Städten, sie zu betanken. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua waren die Marken Nissan und Honda besonders betroffen Sie beschäftigen Zehntausende chinesische Arbeiter beschäftigen.

Honda- und Nissan-Werke und Hunderte ihrer Autosalons blieben am Mittwoch geschlossen. Allein bei Honda wurden 2120 Neuwagen-Bestellungen von Kunden storniert. Honda überlege angesichts wachsender Lagerbestände nun, seine Angestellten in vorgezogenen Urlaub zu schicken, hieß es.

15.000 stornierte Flugreisen

Xinhua zitierte pessimistische Prognosen des chinesischen Joint-Ventures-Partners von Honda und Nissan, laut derer sich die Pkw-Verkäufe im vierten Quartal um 30 Prozent oder 150.000 verringern könnten. Handelskonzerne, Elektronik- und Kamerahersteller wie Uniquo, 7-Eleven, Canon öffneten am Mittwoch dagegen wieder ihre Geschäfte.

Die Tourismusbranche hat ihre Verluste ebenfalls bilanziert. Chinas Staatsfernsehen meldete mindestens 15.000 zu den Feiertagen am 1. Oktober stornierte Flugreisen nach Japan. Inzwischen sind weitere Demonstrationen von der Polizei untersagt worden.

Die Behörden richteten sich mit entsprechenden Aufforderungen über SMS an die Bevölkerung. Zeitungen riefen dazu auf, den Patriotismus in "vernünftiger Weise zum Ausdruck zu bringen", nicht aber durch Aufmärsche.

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Chinesisch-Japanische Verflechtung
  • Handelsvolumen

    Ein möglicher Handelskrieg zwischen China und Japan hätte verheerende Folgen für die beiden größten Volkswirtschaften in Asien und den Rest der Welt. Das Handelsvolumen beider Länder erreichte im vergangenen Jahr 340 Milliarden US-Dollar (259 Milliarden Euro).

  • Importe und Exporte

    Das Reich der Mitte ist der größte Markt für japanische Ausfuhren. China kaufte 2011 für 194 Milliarden US-Dollar „Made in Japan“, wie die Zollverwaltung in Peking berichtete. Ein Fünftel des japanischen Außenhandels wird mit China abgewickelt.

    Umgekehrt ist Japan für China der drittgrößte Exportmarkt, wenn Hongkong als Umschlagplatz nicht berücksichtigt wird. Chinas Ausfuhren nach Japan beliefen sich auf 148 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte der chinesischen Exporte nach Japan werden von japanischen Unternehmen in China selbst getätigt.

  • Investitionen

    China profitiert massiv von japanischen Investitionen und dem Technologietransfer. Während die europäische Schuldenkrise die Investitionen aus Europa in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 2,7 Prozent fallen ließ, stiegen die Investitionen aus Japan um 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein im vergangenen Jahr investierten japanische Unternehmen 6,3 Milliarden US-Dollar in China. Seit 1996 akkumulierten sich die Investitionen nach chinesischen Angaben auf 69 Milliarden US-Dollar. Nach japanischen Statistiken sind es 2011 sogar 12 Milliarden und insgesamt mehr als 80 Milliarden US-Dollar an Investitionen gewesen.

  • Staatsanleihen

    In Chinas Staatsmedien wird darauf verwiesen, dass China seit 2010 der größte Kreditgeber Japans sei und hier einen Hebel habe, um Druck auf Tokio auszuüben. Demnach besitzt China japanische Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 230 Milliarden US-Dollar.

  • Handelskrieg

    Beide Volkswirtschaften sind allerdings abhängig voneinander und eng miteinander verbunden. Ein Handelskrieg würde Liefer- und Produktionsketten wichtiger Industriezweige unterbrechen, warnen Experten. Gerade in der gegenwärtigen Schwäche der Weltkonjunktur wären die Auswirkungen besonders schmerzlich. dpa

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