19.09.12

Oktoberfest 2012

"Zuagroaste tragen oft Turnschuhe zur Lederhose"

Am 22. September beginnt das Oktoberfest 2012. Was hilft am besten gegen Kater? Welche Souvenirs sind ein Muss? Berliner Morgenpost hat den Wirt des Schottenhamel-Zelts nach seinen Wiesn-Tipps befragt.

Foto: picture-alliance/ dpa
Gaudi auf dem Oktoberfest – ab dem 22. September ist es wieder soweit
Gaudi auf dem Oktoberfest – ab dem 22. September ist es wieder soweit

Rund sieben Millionen Menschen feiern alljährlich das Oktoberfest, um 7,9 Millionen Maß Bier zu trinken, 522.821 Hendl und 118 Ochsen zu vertilgen.

Seit 1810 wird das größte Volksfest der Welt auf der Münchner Theresienwiese gefeiert, in diesem Jahr beginnt es am Samstag, den 22. September. Traditionell und seit 1950 um Punkt 12 Uhr mittags findet der Anstich im Schottenhamel-Zelt statt, dem ältesten Festzelt der Wiesn.

Wir haben den Wirt des "Schottenhamel", Christian Schottenhamel, Wiesn-Wirt in der vierten Generation, nach seinen persönlichen Oktoberfest-Tipps befragt.

Berliner Morgenpost: Sie sind 49 Jahre alt, wie oft waren Sie bereits auf dem Oktoberfest und wie oft davon als Wiesn-Wirt des Schottenhamel-Zelts?

Christian Schottenhamel: Wenn man jeden einzelnen Wiesntag zählt, den ich im Laufe meines Lebens auf dem Oktoberfest verbracht habe dann sind es 700 insgesamt, davon 400 als Wiesnwirt.

Berliner Morgenpost: Welches Outfit ist das richtige für einen Wiesnbesuch?

Schottenhamel: Die bayerische Tracht gehört ganz klar auf die Wiesn. Traditionell tragen die Herren der Schöpfung eine echte Hirschlederne also eine Lederhose, und die Damen schöne Dirndl, auf der Wiesn bevorzugt aus schönen Baumwollstoffen.

Zuagroaste also Neu-Münchner und Touristen, erkennt man oft daran, dass sie Turnschuhe zur Lederhose tragen oder viel zu kurze Dirndl und oftmals "overdressed" daherkommen. Das hat dann mit Authentizität und Tradition leider nicht viel zu tun.

Berliner Morgenpost: Welche Speisen und Getränke sollten Besucher unbedingt probieren?

Schottenhamel: Wiesn-Maß und Wiesn-Hendl muss man probiert haben. In diesem Jahr bieten wir in unserem Festzelt zum ersten Mal Bayerisches Bison-Gulasch an. Und die Klassiker wie Schweinshaxe, Sauerbraten und Schweinebraten werden auch immer gern gegessen. Beim Bummel über das Festgelände gehören dann auch Naschereien wie gebrannte Mandeln, Zuckerwatte und glasierte Früchte dazu – nicht nur für Kinder.

Berliner Morgenpost: Was hilft am besten gegen Kater?

Schottenhamel: Ganz wichtig ist es, eine gute Grundlage zu schaffen mit einem vernünftigen Essen. Gut zu wissen ist, dass das Oktoberfestbier zwar stärker ist, aber streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot gebraut wird – Qualität ist also garantiert und es handelt sich per se nicht um sogenanntes Kopfweh-Bier. Man sollte natürlich vermeiden, alkoholische Getränke wie Schnaps, Bier und Wein durcheinander zu trinken.

Berliner Morgenpost: Welches Wiesn- Souvenir sollten Touristen unbedingt kaufen?

Schottenhamel: Klassisch zum Oktoberfest gehören die Lebkuchenherzen mit Sprüchen wie "Meine Wiesn Prinzessin" oder "I mog Di".

Berliner Morgenpost: Welches Fahrgeschäft ist ihr liebstes?

Schottenhamel: Der Toboggan – eine Spiral-Turm-Rutschbahn aus Holz. Dieses Fahrgeschäft gibt es seit 1933 auf dem Münchner Oktoberfest, und nur hier. Der Toboggan wird jedes Jahr mühevoll restauriert und verleiht der Wiesn nostalgisches Flair. Schon allein das Zuschauen von außen ist wahre Unterhaltung, wenn angeheiterte Fahrgäste auf dem Beförderungsteppich nach oben stolpern und sehenswerte Pirouetten drehen.

Ein besonderes Highlight zu jeder Tages- und Nachtzeit ist natürlich auch das Riesenrad. Der Blick von dort oben fasziniert mich immer wieder. Die modernen wilden Sachen sind nicht so mein Ding, aus dem Alter bin ich raus.

Berliner Morgenpost: Und was sollten sich Besucher sonst noch in München anschauen, so sie nach dem Wiesnbesuch dazu noch in der Lage sind?

Schottenhamel: Was viele nicht wissen – im Kopf der Bavaria, der Statue auf der Theresienhöhe, befindet sich eine Aussichtsplattform, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Theresienwiese und auch die Stadt hat. Ansonsten empfehle ich den Alten Peter, die Frauenkirche, oder ganz modern die "BMW Welt".

Zum Ausspannen nach der Wiesen hilft ein Spaziergang im Englischen Garten oder im Schlosspark des Nymphenburger Schlosses – frische Luft macht den Kopf klar..

Das Schottenhamel-Zelt wird von den Cousins Christian Schottenhamel und Michael F. Schottenhamel gemeinsam betrieben, es bietet rund 4000 Plätze im Innenbereich, insgesamt 10.000 Sitzplätze. In diesem Jahr kostet hier die Maß 9,50 Euro, das halbe Hendl 9,95 Euro, Reservierungen unter Tel. 089/54 46 93 10, www.schottenhamel.de

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Tipps rund um die Wiesn
  • Oktoberfest

    Das 179. Oktoberfest 2012 findet vom 22. September, 12 Uhr bis zum 7. Oktober, 23.30 Uhr statt. Die Bierzelte öffnen werktags um 10 Uhr und schließen um 23.30 Uhr. Das letzte Bier wird um 22.30 Uhr ausgeschenkt. Lediglich „Käfer's Wiesnschänke“ und das „Weinzelt „haben bis 1 Uhr geöffnet, letzter Ausschank ist dort um 0.15 Uhr.

    Am Wochenende und an Feiertagen öffnen die Bierzelte bereits um 9 Uhr. Dienstags ist Familientag – zwischen 12 und 18 Uhr bieten zahlreiche Stände, Fahrgeschäfte und Schausteller reduzierte preise für Kinder und Familien.

  • Bier-Preis

    7,9 Millionen Maß wurden auf der Wiesn 2011 ausgeschenkt. Was viele Besucher ärgert: Jedes Jahr erhöht sich der Preis für eine Maß Bier auf dem Münchner Oktoberfest. In diesem Jahr kostet eine Maß zwischen 9,10 und 9,50 Euro – 2011 waren es noch zwischen 8,70 und 9,20 Euro. Zum Verglich: Vor zehn Jahren kostete eine Maß des Gerstensafts noch zwischen 6,30 und 6,80 Euro.

  • Fundsachen

    Auf dem Oktoberfest 2011 wurden 4900 Gegenstände im Wiesn-Fundbüro zwischen Schottenhamel-Festzelt und Bavaria abgegeben. Darunter 555 Geldbörsen, 420 Mobiltelefone, 380 Brillen und 70 Regenschirme – sowie einige Kuriosa: Eine lebendige acht Zentimeter große Blattheuschrecke, ein Hund, ein Wikingerhelm, eine eingerahmte Sporthose mit Autogrammen, fünf Eheringe, ein Rollator (abgeholt), zwei Krücken (nicht abgeholt) und ein Gebiss.


  • Unterkunft

    Kurzfristig eine preiswerte Unterkunft nahe der Theresienwiese zu finden, ist nahezu unmöglich. An manchen Tagen kann man froh sein, wenn man überhaupt ein Bett für die Nacht ergattern kann. Hotelportale wie HRS.com, Tripadvisor.de, Holidaycheck.de und das Portal für private Unterkünfte, 9flats.de, bieten beispielsweise aktuelle Preise für Übernachtungen in München.

  • Auskunft

    München Tourismus, www.muenchen.de

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