18.09.12

Inselstreit

Japanische Firmen stellen Produktion in China ein

Die aufgeheizte Stimmung in China bedroht die Wirtschaftsbeziehungen mit Japan. Die Produktion bei Sony, Suzuki und Yamaha liegt zeitweise brach. Mitarbeiter von Hitachi werden bereits ausgeflogen.

Foto: dapd

Wütende Demonstranten haben in Xi'an einen Toyota umgekippt und demoliert. Viele japanische Großunternehmen beordern teilweise Mitarbeiter zurück ins Heimatland
Wütende Demonstranten haben in Xi'an einen Toyota umgekippt und demoliert. Viele japanische Großunternehmen beordern teilweise Mitarbeiter zurück ins Heimatland

Wegen der aufgeheizten anti-japanischen Stimmung in China stellen immer mehr japanische Firmen ihre Arbeit in dem Land vorübergehend ein. Sony lässt heute zwei Werke zu.

Die Fahrzeughersteller Yamaha und Suzuki erklärten, die Motorradfertigung werde in einigen Betrieben zeitweise eingestellt. Auch der Baumaschinenhersteller Komatsu lässt einige Fertigungslinien stillstehen.

Supermärkte bleiben geschlossen

Hitachi Construction Machinery teilte mit, 25 japanische Beschäftigte würden aus Sicherheitsgründen nach Japan zurückbeordert. Der Handelskonzern Aeon teilte mit, 30 seiner 35 Supermärkte in China blieben geschlossen.

Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete, auch der Autohersteller Toyota Motor werde die Fertigung in einigen Produktionsstätten in China einstellen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, Toyota prüfe noch die Lage.

Proteste in Peking und Shanghai

In Peking versammelten sich heute mehr als tausend Menschen vor der Botschaft Japans, die von chinesischen Polizisten abgeschirmt wurde. Der Protest war weitgehend friedlich, einige Demonstranten warfen aber Eier und Plastikflaschen auf die diplomatische Vertretung. Am Eingang kam es zu Rangeleien mit der Polizei.

Vor dem japanischen Konsulat in Shanghai versammelten sich rund 3000 Demonstranten. Einige sagten, die Behörden hätten ihre Anfahrt in Reisebussen organisiert. Auch in Shenzhen und Chengdu kamen Hunderte zu Protesten zusammen. Aber auch in Taiwans Hauptstadt Taipeh gab es anti-japanische Demonstrationen.

Heftige Schäden nach Eskalation

In China waren die Proteste am vergangenen Sonntag eskaliert. Toyota und Honda berichteten von heftigen Schäden in der ostchinesischen Stadt Qingdao. Die Proteste hatten sich entzündet, nachdem die japanische Regierung vergangene Woche trotz eindringlicher Warnungen Chinas einen Teil einer unbewohnten Inselgruppe im Ostchinesischen Meer einem privaten japanischen Besitzer abgekauft hatte. Die japanische Regierung wollte dadurch nach eigenen Angaben verhindern, dass die Inselgruppe bebaut wird.

In China, das die Inselgruppe ebenfalls beansprucht, löste der Schritt dennoch Wut und Empörung aus. China sieht darin eine Zementierung der Besitzansprüche. Am Meeresgrund um die Inseln werden wichtige Öl- und Gasvorkommen vermutet, die Gewässer sind zudem fischreich.

Quelle: AFP/eag
Quelle: dapd
15.09.12 1:06 min.
Der Konflikt um die von Japan und China beanspruchte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer spitzt sich weiter zu. Bei Protesten vor der japanischen Botschaft in China ist es zu Ausschreitungen gekommen.
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Chinesisch-Japanische Verflechtung
  • Handelsvolumen

    Ein möglicher Handelskrieg zwischen China und Japan hätte verheerende Folgen für die beiden größten Volkswirtschaften in Asien und den Rest der Welt. Das Handelsvolumen beider Länder erreichte im vergangenen Jahr 340 Milliarden US-Dollar (259 Milliarden Euro).

  • Importe und Exporte

    Das Reich der Mitte ist der größte Markt für japanische Ausfuhren. China kaufte 2011 für 194 Milliarden US-Dollar „Made in Japan“, wie die Zollverwaltung in Peking berichtete. Ein Fünftel des japanischen Außenhandels wird mit China abgewickelt.

    Umgekehrt ist Japan für China der drittgrößte Exportmarkt, wenn Hongkong als Umschlagplatz nicht berücksichtigt wird. Chinas Ausfuhren nach Japan beliefen sich auf 148 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte der chinesischen Exporte nach Japan werden von japanischen Unternehmen in China selbst getätigt.

  • Investitionen

    China profitiert massiv von japanischen Investitionen und dem Technologietransfer. Während die europäische Schuldenkrise die Investitionen aus Europa in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 2,7 Prozent fallen ließ, stiegen die Investitionen aus Japan um 19,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Allein im vergangenen Jahr investierten japanische Unternehmen 6,3 Milliarden US-Dollar in China. Seit 1996 akkumulierten sich die Investitionen nach chinesischen Angaben auf 69 Milliarden US-Dollar. Nach japanischen Statistiken sind es 2011 sogar 12 Milliarden und insgesamt mehr als 80 Milliarden US-Dollar an Investitionen gewesen.

  • Staatsanleihen

    In Chinas Staatsmedien wird darauf verwiesen, dass China seit 2010 der größte Kreditgeber Japans sei und hier einen Hebel habe, um Druck auf Tokio auszuüben. Demnach besitzt China japanische Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 230 Milliarden US-Dollar.

  • Handelskrieg

    Beide Volkswirtschaften sind allerdings abhängig voneinander und eng miteinander verbunden. Ein Handelskrieg würde Liefer- und Produktionsketten wichtiger Industriezweige unterbrechen, warnen Experten. Gerade in der gegenwärtigen Schwäche der Weltkonjunktur wären die Auswirkungen besonders schmerzlich. dpa

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