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18.09.12Konjunkturaussichten
Anleger mit Optimismus für deutsche Wirtschaft
Das ZEW-Barometer, das die Konjunkturprognose von Börsenexperten wiedergibt, ist überraschend deutlich gestiegen. Die EZB-Anleihenkäufe beruhigen – doch ist die Gefahr einer Abkühlung nicht gebannt.
Foto: dpa
Arbeiter beobachten den Stahlabstich bei ArcelorMittal in Hamburg: Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich aufgehellt
Nach den neuen EZB-Plänen für weitere Staatsanleihenkäufe schätzen Börsenprofis die Aussichten für die deutsche Wirtschaft wieder deutlich positiver ein. Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im September überraschend deutlich um 7,3 auf minus 18,2 Punkte.
"Dies ist der erste Anstieg des Indikators nach vier Rückgängen in Folge", erklärte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter 263 Analysten und Anlegern. Diese rechnen zwar weiter mit einer Konjunkturabkühlung, die aber "eher moderat ausfallen wird".
ZEW-Präsident kritisiert Anleihenkäufe
"Zu der Verbesserung des konjunkturellen Ausblicks dürfte die Ankündigung der Anleihekäufe seitens der Europäischen Zentralbank (EZB), so problematisch diese auch sind, beigetragen haben", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
Die EZB will unter bestimmten Bedingungen Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten wie Spanien in unbegrenzter Höhe kaufen, um so deren Zinskosten zu drücken und Zeit für Reformen zu gewinnen. "Allerdings ist die Schuldenkrise noch nicht gelöst und die Konjunkturrisiken sind nach wie vor virulent", warnte Franz.
Die Lage bewerteten die Börsenexperten so schlecht wie seit über zwei Jahren nicht mehr: Dieses Barometer fiel um 5,6 auf 12,6 Punkte und damit stärker als erwartet.
Ökonomen: Deutsche Wirtschaft stagniert bestenfalls
Ökonomen geben auch deshalb noch keine Entwarnung. Mit der EZB-Ankündigung sei ein Auseinanderbrechen der Währungsunion und damit das Hauptrisiko für die deutsche Wirtschaftsentwicklung zwar deutlich geringer geworden, sagte Commerzbank-Expertin Ulrike Rondorf. "Dennoch stagniert die deutsche Wirtschaft derzeit bestenfalls, eventuell schrumpft sie sogar leicht."
Die Industriestaaten-Organisation OECD erwartet für das zweite Halbjahr eine leichte Rezession. Das gewerkschaftsnahe IMK-Institut beziffert das Rezessionsrisiko auf 30 Prozent. "Unser wirtschaftliches Wachstum verlangsamt sich", befürchtete auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt.
Zu schaffen macht der exportabhängigen Wirtschaft nicht nur die Rezession wichtiger Euro-Handelspartner, sondern auch die Konjunkturabkühlung in großen Schwellenländern wie China. "Die Exporteure und der Industriesektor werden weiter die Folgen der schwachen Konjunktur in der Euro-Zone und das maue Wachstum beim Welthandel spüren", sagte Aline Schuiling von ABM Amro.
Saison- und kalenderbereinigte Entwicklung des BIP (2005=100)
Quelle: Statistisches Bundesamt (Veränderung gegenüber dem Vorjahr beziehungsweise Vorquartal)
2009: -5,1 Prozent
1. Quartal 2009: -4,0 Prozent
2. Quartal 2009: 0,3 Prozent
3. Quartal 2009: 0,8 Prozent
4. Quartal 2009: 0,7 Prozent
2010: 3,6 Prozent
1. Quartal 2010: 0,5 Prozent
2. Quartal 2010: 1,9 Prozent
3. Quartal 2010: 0,8 Prozent
4. Quartal 2010: 0,5 Prozent
2011: 3,1 Prozent
1. Quartal 2011: 1,3 Prozent
2. Quartal 2011: 0,3 Prozent
3. Quartal 2011: 0,6 Prozent
4. Quartal 2011: -0,2 Prozent
1. Quartal 2012: 0,5 Prozent
2. Quartal 2012: 0,3 Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt
Quelle: Reuters/cat
Quelle: dapd
09.07.12
1:51 min.
Trotz europäischer Schuldenkrise und globaler Konjunkturflaute legten die deutschen Exporte haben überraschend zu. Volkswirte gehen jedoch davon aus, dass diese Dynamik bald nachlassen wird.
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