15.09.12

Immobilien

Die Kaufpreise für Wohnungen in Berlin steigen drastisch

In sechs Berliner Ortsteilen haben die Preise um mehr als 30 Prozent zugelegt. An der Spitze stehen Treptow, Tempelhof und Neukölln.

Von Isabell Jürgens
Foto: DPA
Berliner Wohnungen
Wohnhäuser mit Luxuswohnungen auf der Schwedter Straße in Berlin: Die Hauptstadt ist bei Immobilienanlegern aus dem In- und Ausland beliebt

Berlin wächst Monat für Monat um rund 2500 Einwohner – und das bereits seit zwei Jahren. Klagten die Wohnungsbaugesellschaften noch vor kurzem über hohe Leerstände, heißt es nun selbst in nicht ganz so zentralen Lagen: kein Zimmer mehr frei.

Die damit einhergehenden Mietpreissteigerungen haben nun zu einem echten Run von Anlegern und Investoren aus dem In- und Ausland auf den Berliner Wohnungsmarkt geführt.

Wie aus dem Wohneigentumsreport Berlin hervorgeht, den die BulwienGesa AG und die Ziegert-Bank- und Immobilienconsulting GmbH am Freitag vorgelegt haben, hat das die Angebotspreise von Eigentumswohnungen seit dem zweiten Quartal 2011 hochschnellen lassen.

So sind nach Angaben der Studie die Preise allein in sechs Ortsteilen um mehr als 30 Prozent gestiegen. An der Spitze steht dabei Treptow mit einem Zuwachs von 60 Prozent auf 2400 Euro je Quadratmeter. Es folgen Tempelhof (+42%), Neukölln (+36%), Dahlem (+35%), Lichtenberg (+35%) und Niederschönhausen (+32%).

Hoher Anteil an Neubauwohnungen

"Die Nachfrage je angebotene Eigentumswohnung legte in Treptow binnen zwölf Monaten um über 100 Prozent zu", sagt Geschäftsführer Nikolaus Ziegert. Die Projektentwickler hätten auf den Nachfrageschub bereits reagiert. Nach Berechnungen von BulwienGesa sind in Treptow-Köpenick derzeit 258 neue Wohnungen in Planung.

Für die Immobilienexperten ist der hohe Anteil an Neubauwohnungen auch einer der Hauptgründe für das schnell gestiegene Preisniveau: Leerstehende Neubauwohnungen sind generell teurer als vermietete Wohnungen. Insgesamt summiere sich das Bau- und Planungsvolumen derzeit auf 11.187 Eigentumswohnungen, wobei sich das Flächenvolumen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 40 Prozent erhöht habe. "Das wachsende Käuferinteresse hat Berlin eine rege Planungs- und Bautätigkeit initiiert", so Andreas Schulten, Vorstand von BulwienGesa. "Dabei werden die gestiegenen Bau- und Grundstückskosten an die Käufer weitergegeben. Seit 2010 haben sich die Preise für Neubauwohnungen in Berlin um zwölf Prozent erhöht."

Nachfrage nach Wohnungen ungebrochen

Trotz gestiegener Preise ist das Käuferinteresse in Berlin ungebrochen. Dem Report zufolge hat sich die Nachfrage nach Eigentumswohnungen seit dem zweiten Quartal 2011 in vielen Ortsteilen mehr als verdoppelt. Die höchsten Steigerungen wurden in Zehlendorf (+172%), Spandau (+155%), Steglitz (+123%) und Pankow (+114%) registriert.

Ziegert hat diese Zahlen auf Basis der Angebotsaufrufe beim Internetportal Immobilienscout24 ermittelt und dabei Spitzenwerte von über 1000 Klicks je Angebot in Zehlendorf (1215), Neukölln (1199), Kreuzberg (1044) Schöneberg (1040), Wilmersdorf (1027), Charlottenburg (1022) und Spandau (1010) festgestellt. "Überdurchschnittliche Nachfrageüberhänge gibt es vor allem in Ortsteilen mit geringer Bautätigkeit", sagt Ziegert. "In Kreuzberg beispielsweise stehen kaum noch Grundstücke für Neubauvorhaben zur Verfügung, so dass die Nachfrage überwiegend auf die vorhandenen Altbauwohnungen konzentriert ist."

Unter den Linden als Luxuslage etabliert

Als ausgesprochene Luxuslage haben sich die Quartiere rund um die Straße Unter den Linden etabliert. Im Gebiet zwischen Brandenburger Tor und Museumsinsel kosten nicht vermietete Eigentumswohnungen Ende Juni über 5800 Euro je Quadratmeter. Auch hier zeigt sich eine rege Neubautätigkeit. Insgesamt sind in Mitte derzeit 2450 Eigentumswohnungen in Bau oder in Planung.

Trotz dieser Angebotszunahme ist Charlottenburg-Wilmersdorf der Bezirk mit den meisten verkauften Eigentumswohnungen. 2011 wurden dort laut Gutachterausschuss 3414 Wohnungen gehandelt, Mitte kommt auf 2727 Verkäufe, gefolgt von Pankow und Steglitz-Zehlendorf, wo 2435 beziehungsweise 2433 Wohnungen verkauft wurden.

Uneinheitliche Entwicklung des Berliner Markts

Dass sich der Berliner Markt trotz generell guter Wachstumsaussichten recht uneinheitlich entwickelt, zeigt ein Blick über die Innenstadt hinaus. "In Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Reinickendorf gibt es keine oder bislang nur eine geringe Nachfrage nach hochwertigen Eigentumswohnungen", so Ziegert. Wer dort kaufe, entscheide sich zumeist gleich für ein Einfamilienhaus und nicht für eine Wohnung. Andernorts gebe es aber einen Trend über die Innenstadt hinaus. In Weißensee, Treptow und Tempelhof hätten die Preise und Umsätze erst in jüngster Zeit ein mittleres Niveau erreicht.

Trotz des gestiegenen Interesses von Anlegern aus dem In- und Ausland, angesichts der Eurokrise ihr Geld in Berliner Wohnimmobilien anzulegen, wird die Hauptstadt auch weiterhin Mieterstadt bleiben. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg werden nur rund 270.000 und damit knapp 15Prozent der 1,9 Millionen Wohnungen in der Stadt von den Eigentümern bewohnt. Wenn auch die Zahl der Eigentumswohnungen in Berlin immer noch gering ist, zeichnet sich jedoch ein Trend ab: 2002 betrug die Quote erst 12,7 Prozent.

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