11.09.12

Luftschau

Bei der ILA sind keine Mega-Deals zu erwarten

In Schönefeld startet die Luftschau ILA. Doch in diesem Jahr verringern Sorgen um die Konjunktur die Erwartungen der gesamten Branche.

Von Thomas Fülling
Foto: DPA
Vorbereitung für die ILA
Die Veranstalter erwarten 200.000 Besucher zur ILA. Spektakuläre Aufträge seien aber nicht zu erwarten

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten zum Berliner Flughafen Schönefeld: Trotz der gerade erst wieder verschobenen Inbetriebnahme des neuen Hauptstadt-Airports BER, kann die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) an gleicher Stelle wie geplant stattfinden.

Eröffnet wird die traditionsreiche Luftfahrtschau am Dienstagnachmittag mit einem Rundgang von Angela Merkel (CDU). Die Bundeskanzlerin sollte eigentlich schon im Mai nach Schönefeld kommen, um dort den laut Eigenwerbung "modernsten Flughafen Europas" in Betrieb zu nehmen.

Doch weil unter anderem der Brandschutz im Terminal nicht funktionierte, musste der Termin kurzfristig abgesagt werden. Wirtschaftlich ist dies ein riesiges Desaster für Berlin und international gesehen eine große Blamage für ganz Deutschland.


Daher ist es längst keine Selbstverständlichkeit, dass die nach den Messen im französischen Le Bourget und dem britischen Farnborough drittgrößte Luftschau in Europa nun in Schönefeld ganz planmäßig und ohne Probleme starten kann. Da der alte ILA-Standort dem milliardenteuren Flughafen-Neubau im Wege stand, musste in kürzester Zeit ein komplett anderer Standort gefunden und ausgebaut werden.

In nur zwei Jahren entstand unter dem Namen Berlin ExpoCenter Airport im Schönefelder Ortsteil Selchow ein neues, 250.000 Quadratmeter großes Veranstaltungsgelände, davon 50.000 Quadratmeter für Hallen und Messezelte, 100.000 fürs Freigelände und 100.000 für Parkplätze, Verbindungswege und den Zuschauerbereich für die Schauflüge. Rund 40 Millionen Euro hat die Messe Berlin investiert. Im Berlin ExpoCenter Airport werden mehr als 1200 Firmen und Forschungseinrichtungen aus 46 Ländern ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrt sowie der Umwelttechnik präsentieren. Das ist eine Rekordbeteiligung. 40 Prozent der Aussteller stammen aus dem Ausland.

Keiner der Aussteller habe nach der erneuten Verschiebung der BER-Eröffnung nun auf den 27. Oktober 2013 seine Teilnahme abgesagt, betonte der Präsident des Bundesverbandes der Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) , Thomas Enders, am Montag in Berlin. Für die Messe selbst hätten sich aus der Terminverschiebung keinerlei Nachteile ergeben. Im Gegenteil: Anders als zunächst geplant, muss sich die ILA während der sechstägigen Schau die nagelneue, vier Kilometer lange Südbahn nicht mit dem normalen Verkehr am Flughafen teilen. Damit sind deutlich mehr Flugvorführungen möglich, die wiederum die Hauptattraktionen für die drei ILA-Publikumstage vom 14. bis 16. September sind. Die ersten drei Messetage zuvor sind Fachbesuchern vorbehalten.

Kaufkraftzuwachs von 190 Millionen Euro

Insgesamt erwarten die ILA-Veranstalter vom 11. bis 16. September mehr als 200.000 Besucher. Sie werden sich etwa 270 Fluggeräte am Boden und in der Luft ansehen können, darunter die weltgrößten Passagier-Flugzeuge, den A380 von Airbus und die jüngste Jumbo-Jet-Version, eine 747-8 von Boeing. Die Lufthansa wird einen der gerade erst in Dienst gestellten neuen Super-Jumbos bereits am Dienstag nach Schönefeld fliegen, damit er vom märkischen Ministerpräsident Matthias Platzeck auf den Namen "Brandenburg" getauft werden kann.


Sowohl Platzeck als auch seiner Berliner Amtskollege Klaus Wowereit (beide SPD) verwiesen auf die große Bedeutung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA), die der Hauptstadtregion einen Kaufkraftzuwachs von 190 Millionen Euro beschert und 2000 Arbeitsplätze sichert. BDLI-Chef Thomas Enders dämpfte allerdings allzu große Erwartungen. Riesenaufträge aus Wirtschaft und Militär seien für die Luftfahrtindustrie bei der diesjährigen Schau nicht zu erwarten. Noch vor zwei Jahren waren in Schönefeld mehrere Mega-Deals abgeschlossen worden.

Dazu gehörte die Bestellung von 32 A380 durch die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai zum Listenpreis von 9,5 Milliarden Euro. Derart Spektakuläres sei in diesem Jahr nicht unbedingt zu erwarten, sagte Enders. Die stark gestiegenen Kerosin-Preise und die schwächelnde Konjunktur würden vor allem europäischen Fluggesellschaften zusetzen und deren Bereitschaft verringern, neue Maschine zu ordern. Für Enders, der auch Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS ist, ist die Entwicklung "noch nicht besorgniserregend". Er verwies darauf, dass allein bei Airbus Bestellungen für 4500 Flugzeuge vorliegen würden. Nur sieben Prozent der Bestellungen kämen derzeit aus Europa. Größere Bedeutung haben der Mittlere Osten und Asien. Eine Abkühlung dort sei nicht erkennbar.


2014 wird die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA wieder zu ihrem traditionellen Termin Ende Mai zurückkehren. In diesem Jahr findet die ILA vom 11. bis 16. September statt. Der Termin wurde ausgewählt, um der für 3. Juni geplanten Eröffnung des BER aus dem Weg zu gehen. Der Flughafen neben dem neuen Messegelände soll nun aber erst am 27. Oktober 2013 an den Start gehen.

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