Luftfahrtmesse ILA
Eine erfolgsverwöhnte Branche unter riesigem Druck
Auf der Luftfahrtmesse ILA verkündet die Branche normalerweise spektakuläre Großaufträge. Doch in diesem Jahr dämpft sie die Erwartungen. Besonders Rüstungsfirmen leiden unter europäischem Sparzwang.
Nach den Rekorden der vergangenen Jahre dämpft die Flugzeugindustrie Hoffnungen auf weitere Milliardenaufträge. Er erwarte "keine spektakulären Großaufträge" auf der Luft- und Raumfahrtausstellung ILA, sagte Tom Enders, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) in Berlin. "Wir haben in diesem Jahr insgesamt eine Abkühlung", sagte er. "Das hängt sehr stark damit zusammen, dass wir im letzten Jahr ein absolutes Rekordjahr hatten."
Die Branche ist erfolgsverwöhnt. In den vergangenen Jahren konnten Flugzeugbauer rund um Airbus und Boeing ihre Auftragsbücher stark füllen. So sammelte etwa der europäische Hersteller Airbus im vergangenen Jahr zahlreiche Bestellungen für das spritsparende Kurzstreckenflugzeug A320Neo ein. Der US-Rivale Boeing zog zuletzt mit starken Auftragseingängen für das Konkurrenzmodell 737Max nach. Beide Unternehmen werden auf der ILA vertreten sein, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin eröffnen wird.
Harte Konkurrenz
Viele Fluglinien in Europa und in den USA stehen derzeit unter enormen Druck. Sie konkurrieren auf Kurzstrecken mit Billigfliegern. Auf Langstrecken machen ihnen effiziente und teils staatlich subventionierte Rivalen aus den Golfstaaten Konkurrenz. Die schlechte Wirtschaftslage im Zuge der europäischen Schuldenkrise verschärft die Situation zusätzlich. Die Branchenvereinigung IATA erwartet, dass sich die Gewinne der Airlines im laufenden Jahr halbieren werden.
Die Flugzeugbauer blicken trotz der schwierige Lage der europäischen Airlines allerdings mit Optimismus in die Zukunft. "Dass die Industrie von der Situation der europäischen Airlines nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen wird, hängt schlicht und ergreifend daran, dass die Wachstumsmärkte im Raum Asien und Pazifik und Mittelost nach wie vor die Treiber des Geschäfts sind", sagte Enders.
Diesen Eindruck bestätigten Airbus und Boeing auch jüngst in ihren langfristigen Marktprognosen. Airbus geht von einem weltweiten Bedarf an 28.000 neuen Flugzeugen bis 2031 aus, Boeing rechnet sogar mit 34.000 Fliegern. Beide Unternehmen erwarten ein besonders starkes Wachstum etwa in China.
Enders wagt keine Prognose
Konkrete Prognosen, mit welchen Aufträgen die Luftfahrtbranche auf der ILA zu rechnen hat, wagte Enders allerdings nicht. "Es ist gute Tradition, nicht schon am Anfang zu analysieren, welche Aufträge reinkommen", sagte Enders, der den Airbus-Mutterkonzern EADS leitet.
Die ILA wird traditionell von Airbus dominiert. Erstmals seit zehn Jahren ist auch wieder Boeing mit der zivilen Sparte vertreten. Kleinere Hersteller wie Bombardier oder Embraer stellen nicht aus. Zwar hatte Airbus vor zwei Jahren noch einen Milliardendeal mit Emirates auf der ILA besiegeln können, trotzdem steht die Ausstellung häufig im Schatten der größeren Luftfahrtmessen in Le Bourget sowie Farnborough. Zuletzt war berichtet worden, dass sich Airbus in fortgeschritten Verhandlungen mit der malaysischen Billigfluglinie Air Asia befinde.
Die zentrale Herausforderung für die Flugzeugbauer ist es derzeit, den teils gigantischen Auftragsbestand abzuarbeiten. Airbus etwa ist auf sechs Jahre hin ausgelastet. Vor allem mittelständische Zulieferbetriebe drohen angesichts des hohen Produktionstempos überfordert zu werden. Dem BDLI zufolge müssen sie jährlich ihre Kapazitäten um zehn bis 15 Prozent ausweiten.
Stärkere Konsolidierung erwünscht
Häufig mangelt es ihnen allerdings an der Finanzkraft, um notwendige Investitionen zu bewältigen. Enders befürwortet daher auch eine stärkere Konsolidierung in der Zulieferbranche – auch über Landesgrenzen hinweg. "Ich sehe es sehr positiv, wenn leistungsfähige Industriekerne in Deutschland unter größeren und finanziell stärkeren Dächern landen", sagte Enders. "Ich glaube, das ist der Trend."
Die Anzahl der Unternehmen, die sich als Zulieferer etablieren wollen, nimmt indes zu. So sind auf der ILA in diesem Jahr ein Fünftel mehr Zulieferer als noch bei der letzten Luft- und Raumfahrtausstellung im Jahr 2010 vertreten. Einen möglichen Grund dafür nennt der BDLI: Dem Branchenverband zufolge führt der Sparzwang der europäischen Regierungen dazu, dass viele Rüstungsbetriebe ihre zivilen Standbeine ausbauen.
In diesem Jahr werden 1243 Aussteller aus 46 Ländern auf dem neuen Messegelände neben der Südbahn des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg in Schönefeld erwartet. Das ist eine Rekordbeteiligung. Dass sich die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens verzögert, sehen die Organisatoren der ILA nicht als Nachteil an. Man könne sich jetzt auf der Südbahn tummeln, ohne dabei den laufenden Flugverkehr zu stören, scherzte Enders.
Das Messegelände war im Gegensatz zum Abfertigungsgebäude planmäßig fertiggestellt worden. Der Hauptstadtflughafen soll nach mehreren Verschiebungen im Oktober 2013 den Betrieb aufnehmen.


















